zur Navigation springen

Carmina Burana in Flensburg : Anruf an die Schicksalsgöttin aus 130 Kehlen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Landestheater bringt „Carmina Burana“ im Sinfoniekonzert auf die Bühne mit Sängern aus Schleswig-Holstein und Hamburg.

Die Kinder waren „außer sich vor Freude“, sagt Oxana Sevostianova, als sie ihnen das Werk zum ersten Mal vorspielte, bei dem sie mitsingen würden. So beliebt ist „Carmina Burana“. Und sie haben zu ihrem Erstaunen gelernt, dass der Komponist Carl Orff ein Münchner sei, berichtet Sevostianova. 28 ihrer Schützlinge zwischen neun und 15 Jahren werden mitsingen beim 6. Sinfoniekonzert mit dem Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchester, bei dem das Werk von Orff auf dem Programm steht. Oxana Sevostianova singt Alt im Opernchor des Landestheaters und übernahm vor 15 Jahren eher zufällig die Leitung des Kinderchores.

Der sei bei diesem Chorwerk „wirklich wichtig“, sagt Chordirektor Bernd Stepputtis. Er sieht sich da durch den berühmten Dirigenten Sir Simon Rattle bestätigt und hat sich beim Einsatz des Kinderchores auch im Finale durchaus inspirieren lassen. Den Grund für die Popularität der Komposition vermutet Stepputtis im „Archaischen, Elementaren, Bodenständigen“. Der Eingangschor (siehe nebenstehender Artikel „Musik erklärt“) sei „der Wahnsinn“, schwärmt er. Beim Landestheater werde „die Göttin Fortuna aus 130 Kehlen besungen und angerufen“, sagt der Chordirektor und beschreibt die „gute Mischung“: Der Opernchor bilde das Rückgrat, hinzu kommen der Extrachor des Landestheaters, zum zweiten Mal für ein solches Mammutprojekt der Schleswig-Holsteinische Konzertchor und zum vierten Mal gut 30 Sängerinnen und Sänger des Extrachores der Hamburgischen Staatsoper.

Vor den Aufführungen ab 20. April in Husum, Rendsburg, Schleswig, Flensburg (26. April, 19.30 Uhr, Deutsches Haus) und Itzehoe zählt der Gelsenkirchener gut 200 Probenstunden, in denen er mit vier Gruppen das Werk parallel einstudiert hat. Zum ersten Mal sei die Situation so gewesen, dass er Nachzügler nicht mehr ins Sängerprojekt und nur noch auf eine Warteliste aufnehmen konnte, berichtet der Chordirektor. Und die, die dabei sind, „nehmen etwas mit fürs Leben“. Die Einstudierung sei wie stets zuvor „ein gutes Training“ für künftige Projekte, ist Stepputtis sicher.

Stimmumfang, Balancierung, Dynamik seien anspruchsvoll – und die Sprache(n). Eine Literatur wie Carmina Burana erfordere viele gesangstechnische Fertigkeiten. Da verlaufen Passagen gegen die sängerische Natur und Töne, die für hohe Lagen gedacht sind, unbequem tief. Bei Orff gebe es keinen (oder kaum einen) Ton, für den nicht eine Intonation angegeben wäre.

Bei manchem Fortissimo, sagt Eva Eiter, müsse man nicht alle Kraft hineinlegen, sie sich vielmehr einteilen. Eva Eiter kam 2013 aus Bayern zum Opernchor am Landestheater und singt Alt. Die Energie bei diesem Werk sei eine andere, spürt sie, und findet es schön, das Zentrum eines solchen Auftritts zu sein, sich auf die Musik zu konzentrieren, während beim Musiktheater alles in Bewegung sei, die Chorsänger zugleich singen und auf der Bühne agieren. Sie nennt es „imposant“, Oxana Sevostianova bezeichnet das Gefühl inmitten des Klangkörpers als „überwältigend“, als „monumental“.

Erfreulich sei, lobt Chordirektor Bernd Stepputtis, dass mit Peter Sommerer ein Generalmusikdirektor dirigiere, der selbst viel gesungen und eine Affinität zum Chor habe. Und er arbeitet in Bildern. Beim Codewort „Schlange“ weiß Eva Eiter sofort, welche Proben-Anekdote gemeint ist. „Wir bemühen uns“, erzählt sie, das Stück so exakt wie möglich zu erarbeiten. Es gab eine Stelle – „wir hatten sie sehr viel keuscher“. Peter Sommerer brachte den Chor vom Mädchenhaften ab und animierte ihn, sich „Schlange und Apfel“ vorzustellen. Seine erklärenden Bewegungen müssen filmreif gewesen sein.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 13.Apr.2017 | 12:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen