zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 19:44 Uhr

Rundes Jubiläum : Als die Bürger für die IGS stimmten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Heute vor 25 Jahren scheiterte ein Bürgerentscheid gegen die Ansiedlung der IGS an der Elbestraße / Ausgangspunkt einer Erfolgsgeschichte

Sie ist immer noch die jüngste Schule der Stadt. Doch in ihrem Vierteljahrhundert Lebenszeit hat sie schon den vierten Schulleiter und den zweiten Namen. Das ganze Schuljahr über wird die Fridtjof-Nansen-Schule an ihren 25. Geburtstag erinnern. Heute jährt sich ein Ereignis, ohne das es die Schule womöglich gar nicht gegeben hätte: Am 10. November 1991 scheiterte ein Bürgerentscheid gegen die Ansiedlung der neuen Integrierten Gesamtschule (IGS) an der Elbestraße, wo sie heute noch sitzt.

Da war der heutige Schulleiter Fabian Halbe noch Lehramtsstudent, der von den zum Teil erbittert geführten Auseinandersetzungen in Flensburg nichts mitbekommen hatte. Eine Gruppe überwiegend junger Lehrer und einige engagierte Eltern hatten sich auf den langen Weg hin zu der Gründung einer IGS in Flensburg gemacht. Das war nach dem Regierungswechsel in Kiel 1987 von der CDU zur SPD zwar deutlich leichter geworden, aber immer noch kein Selbstgänger. Das Modell der IGS wurde damals von konservativen Bildungspolitikern ideologisch und praktisch bis aufs Messer bekämpft.

Bei den Kommunalpolitikern der SPD, der Grünen und des SSW stießen die Initiatoren rund um den Gründungsschulleiter Jochen Arlt auf offene Ohren. Die CDU hingegen lehnte die IGS-Pläne kategorisch ab. Als sich jedoch eine Ratsmehrheit für die IGS abzeichnete, ersannen die Gegner einen raffinierten Plan.

Die wichtigste Frage im Jahr 1991 war: Wo soll die neue Schule denn überhaupt hin? Die Stadt hatte damals kein Geld für den Bau eines neuen Schulgebäudes. Die Gymnasien waren allesamt gut besucht, die Grundschulen standen nicht zur Disposition. Unter den Realschulen litt am ehesten die Realschule Ost an der Elbestraße unter Schülermangel. Da lag die Idee nah: Die IGS geht in das Gebäude der Realschule Ost, wächst dort von Jahrgang zu Jahrgang, während die Realschule sukzessive herauswächst und abgewickelt wird. Die Ratsversammlung fasste diesen Beschluss.

Da setzten die IGS-Gegner an: Sie gründeten eine Bürgerinitiative zum Erhalt der Realschule Ost – nicht zur Verhinderung der IGS. Es begann ein intensiv geführter Wahlkampf. Der Bürgerentscheid am 10. November 1991 scheiterte jedoch, der Weg für die neue Schule war frei. Nach den Sommerferien 1992 nahm die Schule mit rund 100 Schülern im fünften Jahrgang den Betrieb auf. Unter den Eltern sprach sich schnell herum, dass Schule hier anders lief. Die Anmeldezahlen schnellten in die Höhe. Schon bald gab es mehr als doppelt so viele Bewerber wie freie Plätze. Bei der weiteren Entwicklung der Schule konnte das Kollegium vor allem auf die Unterstützung von CDU-Bürgermeister Hermann Stell setzen.

Und heute? Aus der Integrierten Gesamtschule wurde eine Gemeinschaftsschule mit neuem Namen. „Als ich 2001 hierher kam, wurden gerade die ersten Abiturienten entlassen“, erinnert sich Schulleiter Halbe. Die Namensergänzung i.E. (in Entstehung) konnte wegfallen. Die Schule war Pilgerziel zahlreicher Lehrergruppen aus allen Teilen Deutschlands, die sehen wollten, wie moderne Pädagogik geht.

Die Fridtjof-Nansen-Schule ist immer noch gut besucht, wenn auch der ganz große Andrang früherer Jahre zurück gegangen ist. „Seit dem Wegfall der Schulart-Empfehlung gibt es einen starken Zug zu den Gymnasien“, so Halbe. Auch die Änderung der Anmeldemodalitäten habe zu dem Rückgang geführt: Mit 89 Neuanfängern sei die Schule in diesem Schuljahr erstmals nicht voll ausgelastet.

Die stetig wachsende Heterogenität der Schülerschaft sei eine große Herausforderung für die Kollegen. Man arbeite an Konzepten, um vor allem den leistungsstarken Schülern ein adäquates Angebot machen zu können.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 10.Nov.2016 | 18:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen