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Flensburger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 15:22 Uhr

Zukunft der Stadt : Abschied vom Einfamilienhaus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt forciert den Bau von Sozialwohnungen / In Tarup entstehen 270 kleinere Einheiten an Stelle von 90 Wohnhäusern für Familien

Wenn es um die Entwicklung Flensburgs in den kommenden zehn Jahren geht, kommt man um zwei Stichwörter nicht herum: Wachstum und Wohnen. Beide sind untrennbar miteinander verknüpft: Wenn die Stadt wachsen soll, womöglich irgendwann auf 100  000 Einwohner, müssen neue Wohnungen her – 6000 bis 2015, sogar 8000 bis 2030. Folgt die Stadt diesen Vorgaben, verändert dies das Gesicht der Stadt.

Das wird ganz aktuell deutlich im Südosten Flensburgs. Hier entsteht im Baugebiet Groß-Tarup derzeit das letzte große Einfamilienhaus-Gebiet der Stadt. Das, was immer noch viele junge Familien gern hätten, wird es in Zukunft aber kaum noch geben: „Aufgrund der Flächenknappheit sind neue klassische, freistehende Einfamilienhäuser kaum noch darstellbar“, heißt es unter Punkt 1.2 der neuen Grundsätze/Leitlinien zur Steuerung des Wohnungsbaus, die jüngst von der Ratsversammlung beschlossen wurden. Ein Teilgebiet in Groß-Tarup, für das ursprünglich 90 Einfamilienhäuser geplant waren, wurde bereits umgewidmet in ein Viertel mit mehrgeschossiger Bebauung. Doch statt 170 sollen hier jetzt sogar 270 Wohneinheiten entstehen. Der entsprechende Beschluss soll am Dienstag nächster Woche im Planungsausschuss gefasst werden.

Sozialwohnungen an Stelle von Einfamilienhäusern ist der Trend. In den kommenden Jahren werden vor allem kleinere, günstige Wohnungen nachgefragt. Überall in der Stadt ist der Bau öffentlich geförderter und damit mietpreisgebundener Wohnungen geplant (siehe Infokasten). Auch dies ist ein Reizthema jeder Ratsdebatte. Vor allem die Linken im Rat werden nicht müde, bei jedem noch so kleinen Bauprojekt eine Quote für Sozialwohnungen zu fordern.

Das Problem: Angesichts historisch niedriger Zinsen lohnt es sich angeblich für Investoren nicht, „günstige“ Kredite der öffentlichen Hand zu nehmen und im Gegenzug 25 oder 30 Jahre gedeckelte Mieten zu akzeptieren. Die geförderten Kredite liegen nur noch minimal unter den marktüblichen Bankzinsen, wenn überhaupt. Also bauen Investoren lieber mit regulären Zinsen und kassieren hinterher die Mieten, die der Markt hergibt.

Derzeit gibt es nach Angaben der Stadt rund 3000 Sozialwohnungen in Flensburg. Das entspricht etwa zehn Prozent des gesamten Wohnungsbestandes. In den kommenden fünf Jahren fallen laut Stadt rund 300 Wohnungen aus der Mietpreisbindung und sind dann keine Sozialwohnungen mehr. Diese Zahl werde jedoch, so Asta Simon von der Pressestelle der Stadt, durch Neubauten oder Modernisierungen mehr als kompensiert. Das ist auch dringend erforderlich, denn die Stadt hat beschlossen, die Quote um 50 Prozent auf 15 Prozent zu erhöhen. Einen großen Anteil an der Umsetzung wird der Selbsthilfebauverein (SBV) haben. Allein in Groß-Tarup, wo der SBV das genannte Quartier mit 270 Einheiten bebauen wird, sollen sechs von zehn neuen Wohnungen eine Mietpreisbindung haben, sagte Vorstandschef Raimund Dankowski. Insgesamt liege beim SBV die Quote zwischen 30 und 70 Prozent. Auch Dankowski fordert eine Änderung der Förderrichtlinien, an denen derzeit gearbeitet werde. Dennoch sei der Bau von Sozialwohnungen durchaus wirtschaftlich darstellbar. Dies geschehe durch eine „Mischkalkulation“ und einen wechselnd hohen Anteil an Gewerbeflächen in den Neubauten.

Noch immer gibt es einen starken Trend in die Stadt. Dieser könnte zumindest teilweise umgekehrt werden – dann, wenn Häuslebauer und junge Familien in Flensburg nicht mehr fündig werden.

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erstellt am 24.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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