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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 15:24 Uhr

94 000 Einwohner: Flensburg auf dem Weg zur Großstadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Prognose sieht zweitstärkstes Wachstum in Schleswig-Holstein nach Kiel – und 98 800 Personen im Jahr 2030

Flensburgs Einwohnerzahl soll bis zum Jahr 2030 um 6,7 Prozent oder 5700 Personen wachsen. Das geht aus der Bevölkerungsprognose der Landesregierung (2014 - 2030) hervor. Ein stärkeres Wachstum erwarten die Landesplaner lediglich für Kiel (10,3 Prozent). Nimmt man das Jahr 2016 als Basis, soll die Bevölkerung um weitere 4800 Einwohner steigen. Zugleich soll die Bevölkerung im Kreis Schleswig-Flensburg um 3,7 Prozent schrumpfen. Diese Zahlen stellte Landesplanerin Kristina Schuhoff im Technischen Rathaus vor.

Schuhoff berichtete fast entschuldigend, dass die Behörden mit den amtlichen Zahlen arbeiten müssten – und das seien seit 2011 die Zensuszahlen, die mehr als 7000 hinter der Zählung des Einwohnermeldeamtes hinterherhinken. Die aktuellste Zahl aus dem Bürgerbüro ermittelte Stadtsprecherin Asta Simon gestern auf Tageblatt-Anfrage: 94  046 – der höchste Wert seit Anfang der 60er Jahre. Und diese Zahlen halten die Flensburger für die echten im hohen Norden – weshalb seit Anfang März eine Klage gegen die Zensuszahlen beim Verwaltungsgericht liegt. Sollten Flensburgs Zahlen und die Kieler Prognose zutreffen: Flensburg würde im Jahr 2030 mit 98  800 Einwohnern tatsächlich fast an der 100  000er-Marke kratzen und wäre auf dem Weg zur echten Großstadt.

Typisch für eine Universitätsstadt weist die Gruppe der 20- bis 30-Jährigen die meisten Einwohner auf – landesweit liegt der Schwerpunkt dagegen zwischen 45 und 55 Jahren. Die Gruppe der unter 20-Jährigen soll in Flensburg bis 2030 weiter um 6,6 Prozent steigen, während diese Zahl im Kreis um 14,8 Prozent schrumpfen soll. Die Zahl der Menschen über 80 Jahren indes wird auch in der jungen Stadt Flensburg steigen – um 53 Prozent (Spitzenreiter Segeberg: plus 73 Prozent).

Im Datenpaket von Landesplanerin Schuhoff finden sich auch Daten, die nachdenklich machen. Beispiel Erwerbspersonenentwicklung: Im Jahr 2030 stehen dem Arbeitsmarkt zwar 2000 mehr arbeitsfähige Flensburger zur Verfügung. Die gleiche Zahl im Kreis soll bis dahin indes um 8000 Menschen schrumpfen – für einen Einpendlerstandort könnte das zum Problem werden.

5200 zusätzliche Wohnungen bis 2030 hat die Staatskanzlei als zusätzlichen Bedarf für Flensburg ausgemacht – rechnerisch 350 Wohnungen pro Jahr. Schuhoff ahnt: „Der Bedarf ist in den nächsten fünf Jahren deutlich höher – eher 500 Wohnungen pro Jahr.“ Angesichts von 2300 mehr Bürgern über 65 Jahren werde 2030 bezahlbarer Wohnraum zentrales Thema: „Beim künftigen Rentenniveau werden sich viele nicht mehr die Wohnungen leisten können, die sie heute haben.“

Flensburgs Chefplaner Peter Schroeders indes rechnet eher mit 8000 benötigten Wohnungen bis 2030. Die aktuellen Projekte Bahnhofstal, Schwarzenbachtal und Taruper Hauptstraße brächten nur 1200 Wohnungen: „Die notwendigen Zahlen können wir durch Innenentwicklung nicht erreichen.“ Auch neue Neubaugebiete seien notwendig. Und: Die Zahl von 1500 preisgebundenen Sozialwohnungen sei angesichts der erwarteten Entwicklung viel zu niedrig.

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erstellt am 14.Okt.2016 | 23:20 Uhr

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