zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

02. Juli 2016 | 11:33 Uhr

Flensburg : 93.000 Einwohner: Flensburg wächst rasant

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburg hat so viele Bürger wie seit 40 Jahren nicht mehr – und stellt am Montag ihre Klage gegen den Zensus vor.

Flensburg | Es war das Flüchtlingsdrama der letzten Kriegsmonate und der unmittelbaren Nachkriegszeit, die die 67.000-Einwohner-Stadt Flensburg 1945 plötzlich zur Großstadt anschwellen ließ: 101.157 Einwohner weist die Statistik zum Ende des letzten Kriegsjahres 1945 auf, vier Jahre später waren es sogar 105.585. So viele Bürger zählte die kleine Metropole an der Förde nie wieder.

Nun ist es wieder ein Flüchtlingsdrama, das die Bevölkerungszahl der Stadt so stark ansteigen lässt wie seit den 40-er Jahren nicht mehr. Um rund 1800 Menschen ist die Einwohnerzahl der Stadt allein 2015 auf 93.112 Menschen gewachsen. Allein das Wachstum um rund 5000 Einwohner in den zehn Jahren zwischen 2004 und 2014 geht zu fast 60 Prozent (knapp 3000) auf Einwanderer zurück. Und die Migration des Jahres 2015 hat zum Beispiel dazu geführt, dass 624 Syrer in Flensburg nun nach Dänen, Polen, Rumänen und Türken die fünftgrößte ausländische Nation an der Förde stellen.

Über 93.000 Flensburger – so nah war Flensburg dem Großstadtstatus seit dem Sinken unter die 100.000er-Marke im Jahr 1952 (99.891) und dem wellenförmigen Rückgang bis Mitte der 70-er Jahre (1975: 93.213) nie wieder.

Bevölkerungsentwicklung der Stadt Flensburg.
Bevölkerungsentwicklung der Stadt Flensburg. Foto: sh:z-Grafik Yalim
 

Nicht nur deshalb will die Stadt sich vom amtlichen Zensus der Statistiker des statistischen Landesamtes ihre Einwohnerzahl nicht klein rechnen lassen: Seit dem Zensus des Jahres 2011 wird die Bevölkerungszahl in überregionalen Annalen nämlich offiziell wieder in den Niederungen zwischen 82.000 und 84.000 geführt. Allerlei Seltsamkeiten sind dabei zu Tage getreten: Bei Eckhäusern mit verschiedenen Eingängen an unterschiedlichen Straßen wurde von den Stichproben-Erhebern offenbar nur ein Eingang gezählt, berichtete Statistik-Professor Björn Christensen vor Kurzem: Oder dass es unter den Ein- bis Siebenjährigen angeblich 50 Prozent mehr Jungen als Mädchen gebe. „Wir werden am Montag die Klage präsentieren“, erklärte gestern Olaf Carstensen, Leiter des Grundsatzbüros der Stadt.

Neben Renommee, Romantik und Großstadtflair geht es bei dieser Klage vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) auch um viel Geld. „1000 Einwohner bringen 2016 an Schlüsselzuweisungen aus dem Finanzausgleich 962.000 Euro“, rechnet Bernd Ulrichsen aus der Kämmerei vor. Das bedeutet also, die 1800 zusätzlichen Flensburger des Jahres 2015 spülen Flensburg rund 1,7 Millionen Euro in die Stadtkasse. Umgekehrt bedeuten damit eben auch 7300 mehr in der Statistik verschwundene Flensburger ein zusätzliches Loch von fast sieben Millionen Euro in diesem Jahr.

Und kosten mehr Einwohner auch mehr Geld? Theoretisch ja: Die Stadt sieht sich mit ihrer Infrastruktur etwa im Nahverkehr, bei den Einkaufsmöglichkeiten, mit dem Klärwerk oder der Energieversorgung längst großstadtfähig. Und zusätzliche Investitionen in Schulen oder Kitas über den ohnehin bekannten Bedarf dürfte es nicht geben: Ob 93.000 oder 86.000 – sicher ist, die Gerichtsentscheidung bringt keinen einzigen Menschen mehr oder weniger nach Flensburg.

zur Startseite

von
erstellt am 05.Mär.2016 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen