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Flensburger Tageblatt

29. September 2016 | 22:22 Uhr

Dachschaden : 750 Sportler suchen eine neue Halle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt wirft TSB Flensburg aus der Turnhalle An der Reitbahn. Die Beseitigung der Schäden ist Flensburg zu teuer.

Ausgerechnet die Reitbahn! Der TSB Flensburg hadert mächtig mit dem Verlust einer Trainingsstätte, die für Flensburg eine besondere ist: Die Halle An der Reitbahn. Seit ihrer Fertigstellung im Jahr 1924 war sie für den Turnsport der Stadt von großer Bedeutung. Jetzt hat die Stadt sie wegen Einsturzgefahr mit sofortiger Wirkung geschlossen. 750 Sportler suchen eine neue Bleibe.

Ende Juni teilte der Fachbereich Kommunale Immobilien mit, dass im Dachbereich ein massiver Wasserschaden entdeckt worden sei. Offenbar hatte es durch eine undichte Stelle über Monate auf das Dämm-Material geregnet – mit der Folge, dass jetzt triefend nasse Mineralwolle die Tragfähigkeit überlastet. Momentan wird sie durch einen Statiker berechnet. Ob und wann die Halle wieder freigegeben werden kann, so die Stadt in einer Mitteilung, steht noch nicht fest – die Chancen stehen allerdings schlecht. Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf erklärt, dass sich das Gebäude nur mit erheblichen Mitteln halten lässt. „Der hohe Aufwand wäre unverhältnismäßig.“

Das wundert beim TSB niemanden. Seit Jahren schon, sagt dessen Vorsitzender Frerich Eilts, seien durch die Stadt die vertraglich vereinbarten Reparaturarbeiten nicht mehr getätigt worden. Nach Auskunft des Fachbereichs sei dies auch nicht mehr vorgesehen, da das Grundstück verkauft werden soll. Ein Grund, warum der Verein nicht davon ausgeht, dass die Halle wieder geöffnet wird. „Bei einem Verkauf stören Mieter doch nur“, sagt Eilts.

Beim TSB brennt jetzt die Luft. Praktisch über Nacht mussten 50 Sportgruppen mit über 750 Teilnehmern untergebracht, Dienstpläne von Übungsleitern über den Haufen geworfen werden. Die Stadt hatte dem TSB die Halle der Paulus-Paulsen-Schule angeboten, aber die – so Eilts – stehe ebenfalls zum Verkauf. Zudem dürfte die versteckte, dunkle Lage im Winter eher abschreckend wirken. Die Stadt habe daraufhin angeboten, die Gruppen mittelfristig auf verschiedene Hallen zu verteilen, dabei jedoch übersehen, dass Übungsleiterinnen, die in unterschiedlichen Gruppen tätig sind, die meiste Zeit dann mit Autofahren verbringen würden. Für den Verein fürchtet der Vorsitzende schlimme Folgen: Mitgliederverluste und damit auch Personalabbau unter den 15 hauptamtlichen Sportlehrern.

Der TSB hat der Stadt angeboten, eine neue Halle zu bauen. In Erbbaupacht, beispielsweise auf der Sportanlage Am Schützenhof. Doch die Stadt lehnt das Finanzierungskonzept, über den Verkaufserlös des Reitbahnhauses und ersparte Bewirtschaftungskosten teilzufinanzieren, ab. Teschendorf. „Dann können wir ja gleich selber bauen. Für so etwas fehlt uns das Geld.“

Beim TSB findet man es merkwürdig, dass der Wegfall der Halle beschlossene Sache zu sein scheint, ehe der im Sportausschuss beschlossene und vom Sportverband mit 20 000 Euro geförderte Sportentwicklungsplan fertig ist.

Der Verein will sich mit der aus seiner Sicht äußerst mangelhaften Kooperationsbereitschaft der Stadt nicht abfinden. Am 10. Juli will er gegen einen Beschluss demonstrieren, der den Verein nach eigener Darstellung ins Mark trifft. Zwischen 15 und 15.45 Uhr gibt es vor dem Rathaus eine Kundgebung, und Oberbürgermeister Simon Faber bekommt eine Unterschriftensammlung überreicht. Um 16 Uhr wollen die TSBer dann an der Sportausschusssitzung teilnehmen, in der über ihr Schicksal beraten wird. In einem Anschreiben bat Eilts die Verwaltung, für ausreichend Plätze zu sorgen. Wie gesagt – in der Reitbahnhalle trainieren mehr als 750 Menschen.

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