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Flensburger Tageblatt

24. Februar 2017 | 13:43 Uhr

Kinderbetreuung in Flensburg : 6,9 Millionen Euro für bessere Kitas

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eigenheimbesitzer und Mieter sollen die Qualitätsoffensive in den 62 Kindergärten über kräftig erhöhte Grundsteuern bezahlen

Flensburgs Kita-Qualitätsoffensive soll bereits zum 1. Januar umgesetzt werden, wie berichtet, ohne höhere Gewerbesteuer oder Elternbeiträge: Allein eine Grundsteuererhöhung um 210 Punkte auf 690 Prozent soll jedes Jahr insgesamt 6,1 Millionen Euro in die Stadtkasse spülen – plus 872  000 Euro, die das Land für die Qualitätsoffensive spendiert. Ein Bündnis von CDU, SPD und Grünen hat sich für die bessere finanzielle Ausstattung der 62 Flensburger Kita mit mehr als 3500 Kindern zusammengetan. Es soll bereits am 13. Oktober in der Ratsversammlung beschlossen werden, damit der ursprünglich über fünf Jahre stufenweise vorgesehene Kita-Qualitätsplan bereits zum 1. Januar als kompletter Qualitätssprung erkennbar werden soll.

Dennoch stand das zur OB-Wahl geschmiedete Bündnis bis kurz vor der Einigung auf der Kippe, weil die SPD lieber auch die Gewerbesteuer erhöht hätte: „Aus unserer Sicht gehören auch die Unternehmen zur Stadtgesellschaft und profitieren von guter Bildung und vorbildlicher Kinderbetreuung. Gute Kitas mit verlängerten Öffnungszeiten sorgen dafür, dass viele Eltern überhaupt erst berufstätig sein können und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen“, sagt SPD-Fraktionschef Helmut Trost. Nach seinen Angaben zahlten von 6790 Gewerbebetrieben in der Stadt gut 83 Prozent überhaupt keine Gewerbesteuer oder Bagatellbeträge, zehn Prozent bis maximal 10  000 Euro und nur sechs Prozent Beträge, die darüber lägen. Deshalb machten die Sozialdemokraten ihre Zustimmung davon abhängig, dass die Einkommensgrenzen, bis zu denen Eltern keinen Kita-Beitrag zahlen müssen, erhöht werden – für Alleinerziehende mit einem Kind von bisher 1563 Euro (netto bereinigt) auf 1644 Euro, für eine Familie mit 2 Kindern von 2312 auf 2393 Euro und mit drei Kindern von 2689 auf künftig 2770 Euro.

Die nun ausgehandelte alleinige Erhöhung der Grundsteuer B kostet für ein Einfamilienhaus zwischen 10 und 20 Euro pro Monat, abhängig vom Alter des Hauses. Immobilienbesitzer in der Stadt müssen für ein Haus aus der Nachkriegszeit durchschnittlich mit 9 Euro pro Monat rechnen, für einen Neubau dürften es gut 20 Euro sein. Durchschnittlich sei der Flensburger Einwohner durch die Kita-Qualitätsoffensive damit um acht Euro belastet.

Die Eckpunkte der Qualitätsoffensive, mit der Flensburg landesweit ganz vorn sein möchte: In den Kitagruppen zwei statt bislang 1,5 Erzieher (pro 20 Kinder) und 2,5 statt bislang zwei Erzieher für zehn Kinder in Krippengruppen, zusätzliche Heilpädagogik und längere Öffnungszeiten (9. und 10. Stunde). Damit dürften in den 62 Kitas in Flensburgs zum Jahreswechsel rund 100 Erzieherjobs entstehen. Unklar ist aber, ob so viel qualifiziertes Personal kurzfristig zur Verfügung steht: „Wir hoffen, dass Erzieher aus dem ganzen Land zu uns kommen“, sagte CDU-Fraktionschef Frank Markus Döring, der sich von der Initiative ein überregionales Signal erhofft. Er spricht von der Weiterentwicklung der Kitas zu frühkindlichen Bildungsstätten. Döring und Jugendhilfeausschussvorsitzende Ellen Kittel-Wegner (Grüne) hoffen: „Das kommt nicht nur den Kindern zugute, sondern der Stadt insgesamt, weil es ein Standortfaktor ist.“

Zusätzliche Kita-Plätze, die Flensburg in dreistelliger Zahl brauchen wird, entstehen mit der Kita-Qualtätsoffensive allerdings nicht automatisch. Weder Neubauten können daraus finanziert noch in die Jahre gekommene Gebäude vieler Träger saniert werden. Deshalb äußerte sich Heiko Frost von Adelby1 für die Kita-Interessengemeinschaft der freien Träger (KIG) zwar erfreut, dass die Stadt diese Qualitätsverbesserung endlich schultern könne. Er erinnert aber auch: „Wir haben in den Verhandlungen um die Modell-Kita noch offene Punkte wie den Gebäudebestand und die Mittagsverpflegung.“ Immerhin – beim Schaffen neuer Plätze geht Adelby1 derzeit voran: Frost will bereits im Oktober 30 neue Kita-Plätze in der Angelburger Straße schaffen und im nächsten Jahr je 60 durch die Erweiterung der Kita Hochfeld und die neue Freiland-Kita.

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erstellt am 27.Sep.2016 | 11:00 Uhr

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