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Flensburger Tageblatt

30. Mai 2016 | 06:53 Uhr

Vonovia in Flensburg : 1800 Wohnungen verkauft – Mieterin mit Schimmel-Problemen allein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Annington-Nachfolger „Vonovia“ verkauft den gesamten Bestand in Flensburg an eine Deutsche-Bank-Tochter. Eine Mieterin fühlt sich mit Problem allein gelassen.

Flensburg | Sylvia Schöniger ist ratlos. Und sauer. Sie weiß nicht, an wen sie sich wenden soll mit ihrem Problem. Unter der Nummer der Deutschen Annington meldet sich niemand mehr. Und das liegt nicht daran, dass Deutschlands größter privater Vermieter seit Herbst 2015 Vonovia heißt. Und dieser Vermieter hat seinen kompletten Bestand an Wohnungen in Flensburg mit Wirkung zum 1. Januar 2016 verkauft. Das Problem ist nur, dass viele Mieter – darunter Sylvia Schöniger – das noch gar nicht wissen.

An der Deutschen Annington hatte es in den vergangenen Jahren viel Kritik gegeben, weil es sich nicht genug um die Wohnungen gekümmert haben soll. An Instandhaltungen wolle man nicht mehr sparen, sagte Vorstandschef Rolf Buch im August. Der neue Name „Vonovia“ soll mit der Vergangenheit abschließen.

Sie wohnt zusammen mit ihrem Sohn seit drei Jahren in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung an der Richard-Wagner-Straße. Und genauso lange hat sie Probleme mit heftigem Schimmelbefall in der Außenecke des Kinderzimmers. Die Matratze, die erst vor kurzem angeschafft wurde, ist an der Unterseite mit schwarzen Sprenkeln übersät. Über den Fußleisten ist die Wand ebenfalls an vielen Stellen schwarz. „Was die orangefarbenen Flecken bedeuten, will ich gar nicht wissen“, sagt die Mieterin.

Vonovia-Bestand an der Osterallee . . .
Vonovia-Bestand an der Osterallee . . .

Ein Mieter der Häuser an der unteren Osterallee ist – wie vermutlich viele andere auch – ebenfalls verunsichert. In seiner Ratlosigkeit ruft er seine Lokalzeitung an: „Haben Sie gehört, ob die Wohnungen der Annington verkauft worden sind? Uns hat man nichts gesagt.“

. . . an der Richard-Wagner-Straße und . . .
. . . an der Richard-Wagner-Straße und . . .

Von der Vonovia hört man derzeit nur, dass sie Wohnungen kaufen will. Seit Ende des Jahres 2015 macht sie den Aktionären der Deutsche Wohnen AG konkrete Angebote zur Übernahme der Anteile. Über Verkäufe von Wohnungen ist indes nichts öffentlich geworden. Doch auf Tageblatt-Anfrage bestätigt eine Vonovia-Sprecherin in Bochum, dass zum 1. Januar das Unternehmen RREEF mit Sitz in Frankfurt/Main insgesamt 6000 Wohnungen der Vonovia in Norddeutschland übernommen habe. Darunter sind auch 1810 in Flensburg, wie ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigt. „Bei RREEF handelt es sich um den Geschäftsbereich für Immobilieninvestments der Deutschen Bank“, so die Vonovia-Sprecherin. Der Sprecher der Deutschen Bank bittet darum, lieber die Bezeichnung Deutsche Asset Management zu verwenden.

 . . . an der Mürwiker Straße in Fruerlund.
. . . an der Mürwiker Straße in Fruerlund.

Beide sind jedoch nicht Ansprechpartner für die Mieter. Hierfür hat der neue Eigentümer „unsere Hausverwaltung, die noctua advisors GmbH mit Sitz in Neumünster“, ausgesucht. Auf deren äußerst sparsamer Homepage stand bis gestern allerdings nur eine Frankfurter Telefonnummer. „Die lokalen Mieterbüros wurden übernommen, so dass weiterhin direkte Ansprechpartner vor Ort in der Wohnanlage vorhanden sind“, hieß es weiter seitens der Deutschen Bank. Alle Mieter wurden und werden in Kürze über den Eigentümerwechsel informiert.

Ob sich Mieter wie Sylvia Schöniger auf Sanierungen freuen und auf Mieterhöhungen einstellen können, bleibt zu diesem Zeitpunkt offen. Ganz allgemein kündigte der Sprecher an, „mittelfristig in die Qualität der Wohnungen zu investieren und sanierte Wohnungen auch entsprechend zu vermieten“. In das Mehrfamilienhaus an der Richard-Wagner-Straße sei bisher sehr wenig investiert worden, so Schöniger. Die Ursache für den Schimmelbefall sieht sie in der Feuchtigkeit in den Außenwänden, die keine Wärmedämmung hätten. Die Feuchtigkeit komme aus dem Keller, wo das Wasser teilweise zehn Zentimeter hoch stehe. „Das muss dringend gemacht werden.“ Vielleicht hat die Deutsche Asset Management ja etwas gegen feuchte Keller und Wände.

 

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erstellt am 21.Jan.2016 | 07:50 Uhr

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