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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 13:44 Uhr

Musik in Flensburg : 120 Stimmen und ein Jazz-Trio

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Augsburger Pianist Tobias Reinsch begleitet heute die Aufführung seiner Gospelmesse in St. Marien – der Chor Tonart Grundhof singt

Als „anspruchsvoll, aber nicht zu kompliziert“ und in seinem Stilmix und seiner Wirkung „etwas ganz Freches“ charakterisiert Ronald Balg die Gospelmesse „Glorify God“. Das hat er gleich an den Noten gesehen und sagt dem Werk voraus, dass es nicht in der Schublade landen wird. Mit seinem Chor „tonart Grundhof“ führt der 57-jährige Bamberger das Stück heute Abend in der Marienkirche auf.

Zur Uraufführung in Flensburg kommt sogar der Komponist. Der heißt Tobias Reinsch aus Augsburg und ist gerade mal 32 Jahre alt. Reinsch ist auch der Pianist des Trio Zahg, das die rund 120 Stimmen begleitet. Das Jazztrio komplettieren seine Kollegen Matthias Fischer (Schlagzeug) und Stefan Berger (Kontrabass) aus München und Köln, die, so wie er, studierte Jazzmusiker sind.

„Als die Messe entstand, war ich noch keine 30“, sagt Tobias Reinsch und erinnert sich, dass ihm der letzte Teil zuerst eingefallen ist. Allerdings sei ihm noch nicht klar gewesen, dass der am Ende den Schluss einer Messe bilden würde. Inspiration jedenfalls hat der Musiker von seiner Hochzeitreise aus New Orleans mitgenommen.

Reinsch, der in Weimar und Würzburg unter anderem Jazzklavier studiert hat und sich zudem in Kirchenmusik ausbilden ließ, hat schon immer Stücke geschrieben. Jedoch: „Chorsätze schreiben lernt man im Studium nicht so sehr“, sagt er mit leichter Untertreibung und erklärt, dass er als Pianist an einen Gospelchor geriet. Dessen Leitung fiel aus, er übernahm und arrangierte auch schon ein Weihnachtsprogramm und setzte die Stimmen. Auf die Stimmenführung komme es an und die klassische Basis, weiß er. Aus seiner Fähigkeit macht er keine große Sache – auch nicht aus den unzähligen Aktivitäten, neben dem Komponieren und Musizieren in mehreren Projekten. Bei dem bescheidenen Bayern, der Chöre leitet und Unterricht gibt, klingt das dann so: „Ich habe einen kleinen Lehrauftrag.“

Nachdem er sowieso immer Musik geschrieben habe, habe sich dieses Werk „relativ von selbst geschrieben“, sagt er und bevorzugt den neutralen Untertitel „modern mass for choir“ (erschienen im Strube Verlag unter VS 6815) – statt das Wort Gospel aufzudrängen. „Das ist einfach Kirchenmusik, die auf Englisch ist – und fertig“, meint er mit einem Lächeln.

Der dichte erste Teil und die schnellen Wechsel der Reinschschen Komposition schmeicheln dem Ohr und gefallen offenbar den Chormitgliedern. „Das hört man: Das ist von einem Jazzmusiker geschrieben“, lobt Ronald Balg und verrät, dass niemand gemurrt oder Unlust gezeigt habe. Ein gutes Zeichen und Kompliment an den Komponisten. Der herzliche Chorleiter, der den Grundhofer Klangkörper seit 2008 unter seinen Fittichen hat, führt mit Kabir Bäter das Institut für Atemzentrierte Stimmbildung „atem-raum-klang“ in der Wrangelstraße. Dessen Konzept, betont sein Partner Kabir Bäter, nämlich „Musik in eine Lebendigkeit zu bringen“, geht mit dieser Komposition – und natürlich mit dem stimmgewaltigen Chor – voll auf.

Der Abend werde heute ab 20 Uhr mit ein paar gemischten traditionellen Gospels beginnen, die Gospelmesse umfasse rund 25 Minuten, kündigt Ronald Balg an. Auch eine kleine Pause gebe es. „Wir wollten nicht mit einem geistlichen Werk in eine Mehrzweckhalle gehen“, begründet Matthias Gempp vom Vorstand des Chors, warum die Wahl auf St. Marien fiel. Über eine bestimmte Größe musste der Ort des Geschehens schließlich auch verfügen. Tatsächlich gibt es nur noch wenige Restkarten für „Glorify God“ (heute um 20 Uhr) an der Abendkasse. Der Eintritt kostet 12 Euro, für Kinder 6 Euro.

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erstellt am 07.Okt.2016 | 12:25 Uhr

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