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Flensburger Tageblatt

23. März 2017 | 01:26 Uhr

Kronsgaard : 110 Tauben auf dem Dachboden

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Richard Wolfram züchtet in seiner Freizeit Brieftauben und er ist Vorsitzender des Vereins „Heimatliebe Rabel“.

Er ist mit Leib und Seele Brieftaubenzüchter und das schon von Kindesbeinen an: Richard Wolfram – seit 1982 Vorsitzender des Brieftaubenzüchtervereins „Heimatliebe Rabel“. Als er damals Mitglied im Verein wurde, gehörten diesem noch ein gutes Dutzend Mitglieder an. Heute sind es zu seinem Leidwesen nur noch vier: „Das Interesse hat nachgelassen.“ Zusammen mit dem Kappelner Verein „Schlei-Bote“ und dem Karbyer Verein „Schlei-Perle“ bilden die Rabeler die Reisevereinigung Kappeln mit zusammen zwölf „reisenden“ Züchtern.

Der Mann aus Kronsgaard, der bei der Zucht von Ehefrau Ursula unterstützt wird, hat in seinem Bestand 110 Tiere, von denen 30 Zuchttauben sind. „Vogelgrippe“, sagt er, „ist für mich und die anderen Züchter kein Thema, denn Brieftauben werden nicht zum Geflügel gezählt“. Die bisher dominierenden Virusformen der Vogelgrippe seien für die Brieftauben unproblematisch. Dass er seine Tiere dennoch einsperre und zwar jedes Jahr von Oktober bis in den März hinein, diene dem Schutz vor Raubvögeln. Aber sobald sich die Vögel gepaart und Eier gelegt haben, dürfen sie wieder frei herumfliegen.

Urkunden, Medaillen und Pokale belegen, dass Wolfram als Züchter erfolgreich ist und seine Brieftauben bundesweit den „Schnabel vorne“ haben. Von 1000 möglichen Punkten bei zwölf Flügen 970 zu erreichen, das spricht für sich.

Wolfram wurde 1938 in einer deutschen Exklave in der polnischen Hauptstadt Warschau geboren. Sein Vater und Onkel betrieben dort Landwirtschaft. 1943 flüchteten die Familie vor den näherrückenden Russen nach Westen, zu Fuß und auf Lastwagen. Über Schneidemühl und Pasewalk ging es zu Verwandten nach Flensburg. Von dort wurden die Flüchtlinge aufs Land verteilt – die Wolframs kamen nach Steinbergkirche. Dort besuchte Richard Wolfram acht Jahre lang die Volksschule in Bredegatt, ging danach von 1954 bis 1957 in Niesgrau in eine Lehre als Maurer. Bei einem Kinderfest lernte er seine Frau Ursula kennen. Und weil sie aus Kronsgaard stammte, führte ihn sein späterer Weg dort hin.

Richard Wolfram sattelte zum Dachdecker um, machte seinen Meister und arbeitete erst beim Schwiegervater im Betrieb, später bei dessen Nachfolger. 1996 begann für den passionierten Brieftaubenzüchter der Ruhestand. Nun hatte er viel Zeit für seine Leidenschaft, die bereits in Steinbergkirche begonnen hatte. Damals hielt er dort in einem Schuppen der damaligen Gastwirtschaft seine ersten Tauben und schickte sie auf Reisen. „Da gab es Schwund“, erinnert er sich.

1963 erwachte die Tauben-Liebe erneut, als er beim Eindecken des Wallroth-Hauses auf dem Scheersberg eine Brieftaube, die sich im Dach verirrt hatte und nicht zurück zu ihrem Besitzer fand, entdeckte. Er meldete anhand der Ringnummer seinen Fund nach Marne. Von dort stammte die Taube, hatte aber bei ihrem Flug ganz offensichtlich nicht zurück gefunden. Wolframs Fund-Meldung blieb ohne Rückantwort, also behielt er das Tier. Ein Taubenzüchter aus Mehlby überließ ihm drei weitere Jungtauben. Mit der Zeit wurden es immer mehr. Da war klar, dass Richard Wolfram für seine Tauben auf dem Dachboden seines Hauses einen Verschlag zimmerte. Inzwischen stehen im Kronsgaarder Garten Volieren, und für das Ehepaar Wolfram gibt es nichts Schöneres, als immer mal wieder nach ihren Tieren zu schauen, sich an ihnen zu erfreuen. Und wenn die Reisezeit beginnt, hoffen sie, dass „unsere Tauben den Weg zurück zu uns finden“.

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