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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 19:24 Uhr

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

  Es war eine kleine Gemeinde, die gestern Nachmittag einen Open-Air-Gottesdienst auf dem Bohlwerk feierte, überwiegend Jugendliche und einige ihrer Eltern. Der ungewohnte Standort direkt unter dem neu errichteten „Kran“ direkt an der Fördekante war mit Bedacht gewählt: Wenige Meter entfernt lag der Traditionssegler „Lovis“ (Heimathafen Stralsund), mit dem die Jugendgruppe heute zu einer segelnden Umwelt-Exkursion nach Norwegen ablegt. Mit dem Gottesdienst wurden sie verabschiedet, gesungener Reisesegen inklusive.

In seiner kurzen Predigt legte Pastor Henning Halver aus Rendsburg die hohe Symbolkraft des „Krans“ bildlich aus: „Alle Balken und Ständer sind mit Seilen und Ketten verbunden, und wenn man irgendwo zieht, weiß man gar nicht, wo die verändernden Kräfte herkommen, ein Wunderwerk.“ Ein Wunderwerk sei auch der Planet Erde, bei dem alle physischen Faktoren wie Wind, Strömungen und Temperaturen zusammenwirkten. Gerieten diese Wechselwirkungen aus dem Lot, klirrten irgendwo „die Ketten“, oder die Rahmenbedingen für ein Leben auf der Erde würden negativ beeinträchtigt.

Damit nahm der Pastor Bezug zum Inhalt des Segeltörns: Er führt die Jugendlichen nach Norwegen, genauer zum Jostedalsbreen, Europas größtem Inland-Gletscher, der seit Jahren massiv unter den Folgen des Klimawandels leidet. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Gletscher bis zum Jahr 2100 knapp 40 Prozent seines Volumens verlieren wird – mit drastischen Folgen für die Trinkwasser- und Energieversorgung Norwegens. „Mit diesen Problemen setzen sich die Jugendlichen vor Ort auseinander, erweitern gleichzeitig ihren Blick auf die globalen Auswirkungen des Klimawandels“, erläuterte Imke Frerichs vom Diakonischen Werk Rendsburg. Die Schiffsreise biete gleichzeitig Einblick in die meeresbiologischen Lebensräume von Ostsee und Skagerak. Vor allem aber Anregungen zur Eigenreflektion, wie jeder selbst seinen Anteil für eine klimagerechtere Welt leisten könne.

Dieser „Gletscher & Meer“-Törn ist ein Ableger des Umweltprojekts KlimaSail, das seit 2011 vom Jugendpfarramt der Nordkirche und dem Hilfswerk Brot für die Welt initiiert wird. Teilgenommen haben daran bislang 1200 Jugendliche.

Mit dem aktuellen Törn kommen weitere 53 hinzu. Heute starten 26 Vierzehn- bis Siebzehnjährige, alle aus Nordfriesland. Zehn Tage geht es bis Oslo, dann fünf Tage an den Jostedalsbreen, abschließend per Bus zurück. In der norwegischen Hauptstadt findet gleichzeitig ein Crew-Wechsel statt: 27 Jugendliche ab 18 Jahren aus der gesamten Nordkirche haben die Umweltprobleme des Gletschers dann bereits sondiert und segeln mit der „Lovis“ zurück.

Ann-Kathrein Gräning nimmt an der Hinfahrt teil. Die 17-Jährige aus Stadum hat bereits Erfahrungen auf der KlimaSail gesammelt, ist zum Thema Klimawandel gut informiert. Ihren Glauben und Umweltschutz verbindet sie nicht konkret miteinander – sie lebt ihn einfach mit praktischen Konsequenzen im Alltag. Angst vor dem Segeltörn hat sie nicht.

Das gilt auch für Till Wesselmann aus Lütjenholm, ebenfalls 17 Jahre jung, klima-sail-erfahren und ehrenamtlich in seiner Kirchengemeinde engagiert. „Respekt vor unserer Umwelt ist ein wichtiges Thema“, sagt er. Seit drei Jahren verzichtet er auf Fleisch, plant die Reise vegan durchzuhalten. Alles im Sinne seines christlichen Selbstverständnisses: die Schöpfung bewahren und erhalten, woran gerade junge Menschen mitwirken sollten. 

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erstellt am 05.Aug.2016 | 19:41 Uhr

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