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Elmshorner Nachrichten

05. Dezember 2016 | 15:41 Uhr

Bilder, die wachrütteln : Werkschau: Kunstverein zeigt Doppelausstellung

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Zum 70. Geburtstag von Erhard Göttlicher zeigt der Kunstverein eine Doppelausstellung.

Elmshorn | Als Erhard Göttlicher vor zwei Jahren das erste Mal von Christel Storm, der Vorsitzenden des Elmshorner Kunstvereins, gefragt wurde, ob sie eine Ausstellung anlässlich seines 70. Geburtstages organisieren dürfe, herrschte erst einmal Stille, lange Stille. Dann fragte er seine Frau Anke ganz ungläubig: „Werde ich in zwei Jahren schon 70?“

Mit dieser kleinen Anekdote begrüßte Christel Storm am Sonntagvormittag die zahlreich erschienenen Gäste, die sich auf der Galerie der Sparkasse Elmshorn anlässlich der Ausstellungseröffnung „Erhard Göttlicher – 70 ruhelose Jahre“ tummelten. Circa 250 Kunstinteressierte waren gekommen, um das Lebenswerk Erhard Göttlichers zu bewundern und ihm zum 70. Geburtstag zu gratulieren.

Neben Grußworten von Christel Storm und Matthias Bungert (Sparkasse), sowie musikalischer Untermalung der Band „Contigo“, zeigte sich auch Bürgermeister Volker Hatje begeistert. „Der Kunstverein Elmshorn schafft Projekte, die den Elmshornern die Kunst und die Kultur vor Ort nahe bringen, die aber auch Hamburger und andere Schleswig-Holsteiner nach Elmshorn locken“, so Hatje.

Die Ausstellung sollte sich tatsächlich niemand entgehen lassen. In 70 Jahren schuf Erhard Göttlicher Werke, die fest im Kontext der Klassischen Moderne und des norddeutschen Realismus verankert sind. Was macht das Lebenswerk eines Künstlers einzigartig? In Erhard Göttlichers Fall, so erklärte Dr. Friedhelm Häring, 30 Jahre lang Museumsdirektor des Oberhessischen Museums in Gießen, sei es das Vielschichtige, das Abenteuerliche. Kunst müsse wachrütteln, aus dem Alltag ausbrechen – und sie müsse „irre sein, damit in der Irre das Bessere zu erkennen ist“. Die Kunst verstehe sich seit jeher als ein Spiegel der Gesellschaft, der politischen Situation, der Lebensumstände und sie trage vehement zum Verständnis der Zeit bei.

Volles Haus: 250 Besucher säumten die Galerie im Sparkassengebäude während der Ausstellungseröffnung am Sonntag.
Volles Haus: 250 Besucher säumten die Galerie im Sparkassengebäude während der Ausstellungseröffnung am Sonntag. Foto: Kalbow
 

Die unmittelbare Kunst – Erhard Göttlicher schafft sie in Werken wie „Deutscher Nationalismus“ (1994), der künstlerischen Darstellung der Blutspur des Deutschen Nationalismus, von Napoleon bis Hitler, und den Radierungen zu „Schindlers Liste“ (1983). Das Grauen zu zeichnen, die Realität und die dynamische Transformation der Wirklichkeit, das war dabei das Anliegen des Künstlers.

Daneben zeigt die Ausstellung die Sensibilität Erhard Göttlichers für das richtige Sujet. Landschaftsmotive, Hamburg-Darstellungen, erotische Akte oder der Radierzyklus zu Horváths „Glaube – Liebe – Hoffnung“ sind in der Galerie der Elmshorner Sparkasse zu bewundern. „Deutscher Nationalismus“, die Venedig-Ansichten und Illustrationen zu „Kasemir und Karoline“ sind im Torhaus ausgestellt. Laudator Friedhelm Häring, beschrieb Erhard Göttlicher in seiner Einführung als Realisten, der durch seine Kunst zum Humanisten geworden sei. Dem Kunstverein ist es mit dieser Ausstellung gelungen, dem Lebenswerk Göttlichers den Raum zu geben, den diese Kunst bedarf.

Die Ausstellung ist bis zum 25. September geöffnet: in der Hauptfiliale der Sparkasse Elmshorn (Königstraße) während der Schalterzeiten, im Torhaus Dienstag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr und 16 bis 18 Uhr. Sonnabend und Sonntag jeweils von 10 bis 12 Uhr.
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