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Elmshorner Nachrichten

08. Dezember 2016 | 21:19 Uhr

Wasser-Camp in Elmshorn : Wenn der Bio-Unterricht den Bach runtergeht

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Exkursion: Beim Wasser-Camp der Elmshorner Anne-Frank-Gemeinschaftsschule lernen Schüler von der Natur.

Elmshorn | „Wir haben ein neues Tierchen, das sieht aus wie ein Skorpion!“ Lara Michelle Krüger und Anna Sophia Rosemann stapfen durchs hüfttiefe Wasser, Lara trägt einen Messbecher voller Flusswasser, Anna Sophia zwei Kescher. Am Steg angekommen, füllen sie das Wasser in eine Plastikschale um, Lehrerin Maren Schramm begutachtet die Beute: „Nee, das ist irgendeine ganz besondere Larve“, lautet ihr erstes Urteil. Das Wassertier wird fotografiert, die wesentlichen Merkmale erfasst: zwei Körperanhänge, sechs Beine, sechs bis sieben Millimeter lang. Die Bestimmungsbücher helfen nicht weiter, die Larve wird abends in Ruhe erforscht, entscheidet Schramm. Sie fotografiert das kleine Tier, später wird sie im Internet recherchieren, was ihre Schüler da in der Osterau gefunden haben.

Schramm, Leiterin der Elmshorner Anne-Frank-Schule, ist mit drei Kollegen, zwei Praktikanten und zwölf Schülern im Wildpark Eekholt in Großenaspe im Kreis Segeberg. Dort veranstalten sie ein Wasser-Camp, zwei Tage lang werden sie die Osterau untersuchen, die sich durch den Park schlängelt. Am ersten Tag steht eine biologische Bestandsaufnahme auf dem Programm: Die Schüler ziehen hohe Wathosen an und sammeln mit Keschern, was sich im Wasser tummelt.

„Tiere finden und herausfinden, was das für welche sind“, das findet Anna Sophia Rosemann spannend. Die elfjährige Elmshornerin ist schon zum zweiten Mal beim Wasser Camp dabei, sie amüsiert sich prächtig: „Das war lustig, als wir immer wieder in die Löcher gesprungen sind“, erzählt sie. Ihre Freundin Lara Michelle Krüger staunt, wie sehr ihre Neoprenhose vom Wasserdruck zusammengequetscht wird.

Anastasia Kindsvater, 12, zieht schon ein erstes Resümee der Untersuchungen: „Der Fluss ist gut, weil hier viele Bachflohkrebse leben“. Das sind sogenannte „Zeiger-Organismen“, die Hinweise auf die Wasserqualität geben, erläutert Lehrerin Schramm.

Anna Sophia Rosemann (l.) und Lara Michelle Krüger begutachten, was sie in der Osterau gefangen haben, unter anderem einen Stichling.
Anna Sophia Rosemann (l.) und Lara Michelle Krüger begutachten, was sie in der Osterau gefangen haben, unter anderem einen Stichling. Foto: Roolfs
 

Die vier Mädchen ziehen die unförmigen Wathosen aus und packen ihre Ausrüstung in eine Karre. Sie wollen am späten Nachmittag noch zusammen mit den Schülern der anderen beiden Gruppen an einer Parkführung zur Hirschbrunft teilnehmen, abends stehen Grillen und Lagerfeuer auf dem Programm. Am folgenden Tag werden sie den Bach geologisch und chemisch erfassen, dann geht es zurück nach Elmshorn. „Wir untersuchen mit wissenschaftlichen Methoden die Gewässergüte der Osterau“, erklärt Maren Schramm und fügt hinzu: „Aus Schülersicht: Spaß haben und plantschen“. Sie organisiert im Wildpark ihr zehntes Wasser-Camp, gefördert vom Landesumweltministerium.

Normalerweise nehmen daran 80 bis 90 Schüler von zwölf Schulen teil, die sich im Netzwerk „Schulen für eine lebendige Unterelbe“ zusammengetan haben, das Schramm ebenfalls leitet. „Kinder und Jugendliche sensibilisieren für die Umwelt“, das steht als Motto über allen Camps. Heute genießt die Elmshorner Lehrerin den Luxus einer kleinen Gruppe: Sie veranstaltet ein Camp nur für Schüler ihrer Anne-Frank-Schule. Sie will damit die guten Schüler im Bereich Naturwissenschaften fördern. Mitgekommen sind Sechst-, Siebt- und Achtklässler. Anastasia Kindsvater aus der 7b mag Naturwissenschaften, „allgemein die Natur“ und „Sachen ausprobieren“. Beim Wasser Camp entdeckt sie neue Tierarten und lernt, Kescher, Becherlupe und Messstock zu benutzen. Als Maren Schramm fragt, ob die „Überstunden“ am Nachmittag die Mädchen stören, antwortet Anastasia: „Das ist ja Freizeit mit Lernen“.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 12:15 Uhr

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