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Elmshorner Nachrichten

06. Dezember 2016 | 09:20 Uhr

Mehr Lärm durch Lärmschutz : Weil die Nachbarn Lärmschutzwände haben, ist es bei diesen Elmshornern jetzt lauter

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Anwohner des Holzwegs in Elmshorn fordern Lärmschutzwände auch auf ihrer Seite der Gleise. Offizielle Reaktionen machen wenig Hoffnung.

Elmshorn | Eine Lärmschutzwand führt zu mehr Lärmbelästigung – was zunächst einmal absurd klingt, ist für Corinna Schultz und Sebastian Mundt in diesem Frühjahr Realität geworden. Die beiden leben seit zwei Jahren in einem Haus am Holzweg. Die Bahngleise sind wenige Meter entfernt. „Der Lärm, den die Züge verursachen, ist immer schlimmer geworden“, sagt Sebastian Mundt. „Aber seit jetzt auf der anderen Seite der Gleise die Lärmschutzwand gebaut worden ist, ist es kaum noch auszuhalten. Der Lärm wird reflektiert und verstärkt zu uns zurückgeworfen.“ Mittlerweile sei es kaum noch möglich, abends im Garten in Ruhe mit Freunden zu Grillen. „Sobald ein Zug vorbei kommt, verstummen alle Gespräche. Man kann das eigene Wort nicht mehr verstehen.“ Das betreffe besonders die Güterzüge, die vor allem abends und nachts zum Problem würden. Beim Fernsehen müssten die Fenster jetzt geschlossen bleiben und im Schrank fingen die Gläser an zu klirren, sobald ein Zug vorbeirausche. „Der kleine Sohn von den Nachbarn hält sich inzwischen immer die Ohren zu, wenn ein Zug vorbeikommt.“ Und das passiere oft alle zehn Minuten.

Das Paar steht am Holzweg nicht alleine da, 15 Bewohner der an den Gleisen anliegenden fünf Häuser haben sich an einer Unterschriftenaktion beteiligt. Sie fordern den Bau einer Lärmschutzwand auch auf ihrer Seite der Gleise, möglichst am ganzen Abschnitt zwischen der Wasserstraße und der Reichenstraße. Und der Lärmschutz wäre für die Anwohner nicht der einzige Vorteil: „Es ist auch für die Kinder doof, dass es hier keine Absperrung zu den Gleisen gibt“, sagt Marc Nordmann, der seit sieben Jahren nahe der Gleise am Holzweg lebt und zwei kleine Kinder hat. „Man kann die Kinder nicht guten Gewissens alleine draußen herumlaufen lassen. Hätten wir eine Lärmschutzwand, könnten die Kinder auch nicht mehr auf die Gleise laufen.“

Antworten auf die Briefe, die Sebastian Mundt unter anderem an die Bahn und Bürgermeister Volker Hatje geschickt hat, machen allerdings kaum Hoffnung auf Erfolg. Das Hauptproblem: Nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz von 1974 haben Anwohner nur dann Anspruch auf Schallschutz, wenn neue Schienenwege gebaut werden. Für den Schallschutz an vorhandenen Strecken hat der Bund das Lärmsanierungsprogramm aufgelegt, aus dem auch der Bau der neuen Lärmschutzwände in diesem Frühjahr finanziert worden ist. Die Maßnahmen, die im Rahmen dieses Sonderprogramms durchgeführt werden, sind freiwillige Leistungen des Bundes und deshalb ohne rechtlichen Anspruch.

Ob die Förderung im Einzelfall bewilligt wurde, wird in der „Richtlinie zur Förderung von Maßnahmen zur Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes“ konkretisiert. Die festgelegten Immissionsgrenzwerte an den betroffenen Wohngebäuden müssen überschritten werden.

Dieser Pegel berechnet sich unter anderem anhand des Abstands der Häuser von der Bahnstrecke. Es spielt aber auch eine Rolle, wie die anliegenden Flächen genutzt werden. „Wir als Stadt haben versucht, der Bahn so viele Flächen wie möglich zu nennen, die diese Anforderungen erfüllen“, erklärt Bürgermeister Volker Hatje. „Aber bei zwei Flächen, an denen wir gerne Lärmschutzwälle gehabt hätten, ist es uns nicht gelungen, das bei der Bahn durchzusetzen. Die eine Fläche befindet sich am ZOB, an der Parallelstraße. Dort gibt es zu viel Gewerbe und zu wenig Wohnbebauung. Die zweite Fläche befindet sich eben am Holzweg, wo es einfach zu wenig Wohnhäuser gibt.“

Bahn: Schutzwände absorbieren Lärm

Nach Informationen der Deutschen Bahn konnte am Holzweg nur bei einem einzigen Haus eine Überschreitung der Immissionsgrenzwerte ermittelt werden. Darauf basierend, so heißt es im Brief der Bahn, „ist ein Kosten-Nutzen-Faktor als Fördervoraussetzung nicht herzuleiten.“

Abgesehen davon seien die Lärmschutzwände hochabsorbierend gebaut. Es könne deshalb auf der gegenüberliegenden Seite überhaupt nicht zu Verschlechterungen der Lärmsituation durch die Lärmschutzwand kommen.

Corinna Schultz und Sebastian Mundt wollen trotz dieser Bescheide nicht aufgeben. Sie planen jetzt, ein unabhängiges Gutachten anzufordern, das die gestiegene Lärmbelästigung auf ihrem Grundstück und den Nachbargrundstücken nachweisen soll.

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erstellt am 11.Aug.2016 | 12:30 Uhr

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