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Elmshorner Nachrichten

03. Dezember 2016 | 14:47 Uhr

Lebendfalle im Einsatz : Waschbären-Alarm in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Regina Hachmann versucht, das Wildtier mit Apfelkuchen einzufangen. Hilfe von der Tierstation Sparrieshoop.

Elmshorn | Ein Waschbär. Bei uns auf der Terrasse? Regina Hachmann schaut ihren Mann schon ein wenig ungläubig an, als er ihr diese Geschichte erzählt. Der will ihr doch wohl einen gewaltigen Bären aufbinden, denkt die Elmshornerin. Das war am 15. Oktober. 13 Tage später herrscht in dem Einfamilienhaus in der Straße An der Bahn Waschbären-Alarm. Es ist Mitternacht, als Regina Hachmann am 28. Oktober von dem Lärm hochschreckt. Irgendetwas geht da auf ihrer Terrasse vor. Wenige Augenblicke später sieht sie ihn – den Waschbär, grau-weiß und von stattlicher Größe. Sie zückt ihr Handy, schießt durch die Scheibe ein Beweisfoto. „Ich denke, er hat Futter gesucht“, sagt Hachmann. Waschbären sind Allesfresser.

Der Waschbär, auch als Nordamerikanischer Waschbär oder altertümlich als Schupp bezeichnet, ist ein in Nordamerika heimisches mittelgroßes Säugetier. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist er als Neozoon auch auf dem europäischen Festland, dem Kaukasus und Japan vertreten, nachdem er dort aus Gehegen entkommen war oder ausgesetzt wurde. Waschbären sind überwiegend nachtaktive Raubtiere und leben bevorzugt in gewässerreichen Laub- und Mischwäldern. Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit leben sie zunehmend auch in Bergwäldern, Salzwiesen und urbanen Gebieten.

Angst hat die Elmshornerin keine. Als sie die Tür öffnet, flitzt das Tier um die Ecke, um wenig später seelenruhig die Terrasse erneut zu betreten. Das Tier ist neugierig. Am nächsten Morgen findet das Ehepaar Tatzenabdrücke an der Wohnzimmerscheibe. „Der Bär muss sich aufgerichtet und hineingeschaut haben.“

Nächtlicher Besuch auf der heimischen Terrasse.
Nächtlicher Besuch auf der heimischen Terrasse. Foto: EN

Ein Waschbär im Garten – und nun? Die Hachmanns haben bei der Stadt Elmshorn um Rat gefragt – und wurden an den Kreis verwiesen. Beim Kreis fühlte sich aber auch niemand so recht zuständig. Die Elmshorner sollten sich an die Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop wenden. Der richtige Tipp. „Dort erhielten wir sofort professionelle Hilfe“, sagt Regina Hachmann. Ein Mitarbeiter brachte eine Lebendfalle mit. Die steht nun seit ein paar Tagen auf der Terrasse. „Wir locken ihn mit Apfelkuchen“, sagt Hachmann. Mehrmals am Tag kontrolliert sie die Falle. Bisher hat sie keinen Waschbären, dafür zwei Katzen gefangen.

Waschbären im Stadtgebiet – für Christian Erdmann von der Wildtierstation wahrlich keine Überraschung mehr. „Vor wenigen Tagen haben wir ein Tier in Hamburg-Altona gefangen.“ Der Waschbär, er ist eigentlich in Nordamerika heimisch, erobert längst auch die Städte in Europa. „Angezogen vom Zivilisationsmül, vor allem in gelben Säcken“, betont Erdmann. Er kennt Fälle, in denen der Bär als Haustier gehalten wird. Das könnte auch in Elmshorn der Fall gewesen sein, weil das Tier sehr neugierig sei. Der Experte warnt: „Es ist ein Wildtier“ – und es könne richtig zubeißen. Laut Erdmann ist es seit August dieses Jahres verboten, Waschbären als Haustiere zu halten.

Ob es mehr als ein Tier ist, das nachts umherschleicht, können die Hachmanns nicht sagen. „Wir haben uns informiert, mit einem Jäger gesprochen.“ Die Antwort: Wo einer ist, gibt es wahrscheinlich auch noch mehr. Der Waschbär ist längst Gesprächsthema im Wohngebiet. Zuletzt soll er im Bereich Ansgarstraße/Eiskeller unterwegs gewesen sein. Die Hachmanns hoffen, dass das Pelztier doch noch in die Falle geht. Auf den nächtlichen Lärm auf ihrer Terrasse können sie gut verzichten. Der Bär würde zunächst in die Wildtierstation nach Sparrieshoop kommen – zu den anderen Waschbären und später dann an einen Wildpark abgegeben werden.

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erstellt am 03.Nov.2016 | 12:15 Uhr

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