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Elmshorner Nachrichten

11. Dezember 2016 | 05:22 Uhr

Warten Sie, ich hab’s passend

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ein barsches „Die Flaschen längs auf das Band legen!“, das mit einem angenervten Schnaufen ins Kassenmikro gebölkte „Storno bitte!“ oder dieses mit der Freundlichkeit eines nordkoreanischen Grenzsoldaten geschriene „Hier nicht mehr anstellen!“ Wer jemals in einem Supermarkt eingekauft hat, kennt diese Sätze. Sich besonders zu Spitzenzeiten an die richtige Kasse zu stellen, ist, trotz Menschkenntnis und dem gewissen Gespür für die Situation, reinste Glückssache.

Ich hatte wohl einfach Pech. Der Opa vor mir hatte seine paar Einkäufe eigentlich recht zackig aufs Band geknallt, diese wurden auch zügig von der jungen Kassiererin durchgescannt und schon stand die Endsumme fest. „Das macht dann 7 Euro und 38 Cent, bitte!“, sagte sie strahlend und in einem so freundlichen Singsang, dass man fast überlegen könnte, ein Leben lang nur noch bei ihr bezahlen zu wollen und noch viel mehr.

Mein Krempel lag auch schon auf dem Laufband und von hinten rückte bereits mit überfülltem Wagen eine offensichtlich supereilige, straff durchorganisierte Matrone an; so eine, die Joghurt nur palettenweise kauft und zehn Packungen Fischstäbchen auf einmal.

Dann passierte es und ganz unvermittelt sagte der Shopping-Gandalf die Worte, vor denen man sich so sehr fürchtet – „Warten Sie, ich hab’s passend!“ Man weiß doch genau, was das bedeutet – er hat es nicht passend! Die nachfolgenden Kassiervorgänge verschoben sich um unbestimmte Zeit. Elendig langes Gewühle im Portemonnaie, jede Münze wurde einzeln herausgenommen und ins Licht gehalten, um mit zusammengekniffenen Augen den jeweiligen Wert zu ermitteln. Ich nahm es hin, die Matrone fing an zu keifen: „Wird das jetzt mal was! Ich hab Kühlware.“
Doch der Kassenpatient ließ sich nicht hetzen.

Laut mitrechnend drückte er die Centmünzen in die Hand von der geduldigen Kassenfrau. Sie sagte: „Da fehlen noch vier Cent!“ Er: „Wirklich?“ Sie: „Ja! Die Matrone: „Nicht wirklich, oder!“ Er rührte in seinem Portemonnaie, ewig lange, doch keine einzelnen vier Cent entstanden urplötzlich durch Reibung oder der chemischen Reaktion von Kupfer, Alu, Zink und Zinn mit Leder und Flusendreck.

Stumm wanderte der Münzhaufen wieder ins Portemonnaie und wurde unglaublicherweise durch einen Fünfzigeuroschein ersetzt. Er bekam das Wechselgeld ausgehändigt und stutzte. Er zählte nach und sagt dann tatsächlich: „Jetzt hab ich’s doch passend!“ Ich musste lachen und hinter mir wurde heftig um Luft und Fassung gerungen.

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erstellt am 01.Aug.2016 | 11:28 Uhr

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