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Elmshorner Nachrichten

23. März 2017 | 17:37 Uhr

Premiere in Elmshorn : Viele Klischees, wenig Geschichte: „Tee mit Zimt oder: Wie töte ich meinen Regisseur?“ am Stadttheater

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Wilde 13 tritt erstmalig mit ihrem neuen Theaterstück im Stadttheater auf. Das engagierte Ensemble kann aber nicht über ein schwaches Stück hinwegtäuschen.

Elmshorn | „Tee mit Zimt oder: Wie töte ich meinen Regisseur?“ versprach viel. Die Komödie von Lars Lienen feierte am vergangenen Freitagabend mit der Theatergruppe „Die Wilde 13“ im Stadttheater Elmshorn Premiere. Doch leider blieb es bei dem vielversprechenden Titel, dabei klingt die Story doch eigentlich ganz amüsant.

In einem kleinen englischen Kurtheater herrscht schlechte Stimmung, denn der Regisseur Lewis Westcastle ist ein Tyrann, mit aufgesetzten, überdrehten Allüren und einer großen Portion Narzissmus. Er macht seine Schauspieler in einer Tour fertig.

So weit, so gut. Das klingt doch ganz interessant. Der Regisseur, der nur für seine Kunst lebt, die Schauspieler, die als Diener fungieren – da hätte sich ein wunderbarer Diskurs entfalten können. Hätte. Stattdessen ist der ganze Plot innerhalb der ersten zehn Minuten verbrannt. Rasch ist klar, warum die Schauspieler den Wunsch hegen, ihren Regisseur tot aufzufinden? Es sind nicht etwa seine künstlerischen Schikanen, sondern einzig und allein die Tatsache, dass er in Flagranti mit der Buchhalterin Claire ertappt wird, die wiederrum die Freundin von Mortimer, einem anderen Schauspieler, ist.

Doch damit nicht genug – Linda, die gackernde, permanent übertreibende Ensemblespielerin hatte doch schon eine Beziehung mit Lewis und fühlt sich verraten und betrogen. Daraufhin feuert Regisseur Lewis seine gesamte Schauspielgruppe, einen Tag vor der Premiere.

Jetzt hegen die drei Schauspieler Linda, Mortimer und die alternde Diva Alice, die seit zwanzig Jahren am Theater ist, Mordgedanken. Ganz normale Alltagssorgen eben: mein Mann betrügt mich, ich bringe ihn mal um; mein Chef feuert mich – her mit dem Messer. Dann, die große Überraschung: Vor der Pause kreischt jemand halb enthusiastisch: „Oh mein Gott, er ist tot!“ Dabei hätte man es dann auch wirklich belassen können, denn dem klugen Zuschauer ist schnell klar, wer der Tote ist – man muss nur die Anzahl der verbliebenen Schauspieler auf der Bühne zählen.

Infantile Requisiten und ein nichtssagendes Bühnenbild

Den Rest kann man sich nun tatsächlich schenken, denn es folgen mit infantilen Requisiten vor einem überflüssigen und nichtssagenden Bühnenbild wilde und kuriose Dialoge und das Verstecken der Leiche. Dabei tritt dann natürlich auch noch ganz klischeehaft Inspector Armstrong auf die Bühne, der daherkommt, als wäre er gerade aus dem Kindergarten ausgebrochen. Und anstatt der aberwitzigen Geschichte zumindest interessante Charaktere einzuhauchen, was bei diesen Protagonistenporträts reichlich schwer fällt, steigern sich die Schauspieler in die Klischees der vollbusigen Buchhalterin, des überdrehten Regisseurs und des debilen Garderobiers hinein – schlecht gesprochen, verhaspelt und verholpert.

Zur Verteidigung: Bei diesem Handlungsbogen kann man aber auch keine Lust haben, sein schauspielerisches Können zu zeigen. Und damit hat das Stück alles verfehlt, was es erstrebte. Überdrehte Klischees sind tatsächlich selten lustig und das mit dem Krimi, naja. Wer hier ein Stück à la „Vier Frauen und ein Mord“ von Agatha Christie erwartet hatte, wurde bitter enttäuscht. Man hätte es sich besser vor dem Fernseher bei einem alten Schwarzweißfilm mit Miss Marple bequem gemacht. Da wären Regisseur Westcastle und sein Emsemble sicherlich besser weggekommen.

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erstellt am 19.Mär.2017 | 17:02 Uhr

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