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Elmshorner Nachrichten

02. Dezember 2016 | 19:16 Uhr

900 Euro für Notarkosten : Telefonbetrug in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Betrüger wollten Gudrun Küttner ködern, doch sie hat den Trick durchschaut.

Elmshorn | Enkeltricks und Telefonbetrügereien – gehört hat Gudrun Küttner von solchen Geschichten oft. Jetzt sollte die 67-Jährige selbst Opfer werden. „Ich bekam einen Anruf per Bandansage“, erzählt sie. „Mir wurde zu einem Geldgewinn gratuliert, alles weitere würde über ein Hamburger Notariat laufen.“

Schon da wurde die Elmshornerin misstrauisch, „schließlich hatte ich an keinem Gewinnspiel teilgenommen.“ Andererseits dachte sie sich, ein Anruf könne nicht schaden, kurz gesagt: Gudrun Küttner war neugierig, auf welche Weise sie hier ausgenommen werden sollte. Tatsächlich meldete sich unter der angegebenen Telefonnummer eine junge Frau, angeblich Mitarbeiterin eines Notariats. 11  800 Euro sollte Gudrun Küttner gewonnen haben, es handele sich nicht um eine Lotterie, sondern um die Werbeaktion namenhafter Firmen. Dann kam der erwartete Haken: Vor der Transaktion sollte Gudrun Küttner die Notariatskosten in Höhe von 910 Euro überweisen.

Da Küttner kein Onlinebanking nutzt, fielen zusätzliche Kosten von über 1000 Euro an. Als Gudrun Küttner diese Geschichte erzählt, muss sie sich immer noch ein Lachen verkneifen. „Ich habe in dem Moment gedacht: Für wie blöd müssen die mich eigentlich halten? Ich bin zwar alt, aber nicht doof.“

Angezeigt hat Küttner die Geschichte noch nicht, weil sie kurz darauf krank geworden ist. „Aber das habe ich auf jeden Fall noch vor.“ Ihr ist es vor allem wichtig, andere Menschen vor solchen Betrügereien zu warnen. „Die haben es auf Senioren abgesehen. Es gibt immer wieder leichtgläubige Menschen, die auf solche Geschichten hereinfallen.“ Am meisten ärgert Küttner nicht der Betrugsversuch, sondern „dass die mich für so blöd halten.“ Von einer Freundin aus Rheinland-Pfalz hat sie gehört, dass die Masche mit dem Notar offenbar kein Einzelfall ist. „Ihr ist genau das gleiche passiert.“

Bekannte Fälle

Auch Stefan Dummer, Kriminalhauptkommissar und bei der Elmshorner Polizei zuständig für das Sachgebiet Betrug, kennt solche Fälle. „So etwas kommt häufiger vor, auch wenn ich sagen muss, dass wir nicht unbedingt einen Schwerpunkt in Elmshorn beobachten können. Diese Banden sind bundesweit tätig.“ Leider stünden die Aufklärungschancen in einem solchen Fall schlecht, da die Täter in der Regel die als „Call ID Spoofing“ bekannte Methode anwenden würden. Dummer: „Diese Banden loggen sich über amerikanische Anbieter ein und verändern ihre Telefonnummer nach Wunsch. So können sie auch aus dem Ausland operieren und vortäuschen, sich vor Ort zu befinden.“

Dummer empfiehlt, aufmerksam zu bleiben: „Keine Lotterie ruft an, um über einen Gewinn zu benachrichtigen. So etwas kommt immer schriftlich.“ Außerdem müsse man bei einem Gewinn niemals Zahlungen leisten. Und ein Gewinn sei generell nur möglich, wenn man auch an einer Lotterie teilgenommen habe. „Daran scheitert es schon in den meisten Fällen. Aber die Täter spielen mit der Gier der Menschen – und dann zahlen einige.“

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erstellt am 08.Sep.2016 | 16:30 Uhr

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