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Elmshorner Nachrichten

03. Dezember 2016 | 23:00 Uhr

Suche nach der neuen Musik : Studentin aus Elmshorn auf den Spuren von Schönberg, Webern, Strawinsky und Nono

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

„Ich werde so oft nach zeitgenössischer klassischer Musik gefragt“, sagt sie.

Elmshorn | Achter Mai 1945: In Deutschland schlug die Stunde Null. Das kulturelle Leben lag brach. Ein großer Teil der Musiker war entweder umgekommen oder ins Exil gedrängt worden. Jetzt galt es, auch dem musikalischen Leben Vitalität einzuhauchen. Aus diesem Grund entstanden 1946 die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik, die seither alle zwei Jahre in Darmstadt stattfinden. Dieses Jahr zum 70. Mal.

Aus diesem Anlass reiste jetzt eine kleine Gruppe Studierender der Musikwissenschaft der Universität Hamburg nach Darmstadt, um das Phänomen der zeitgenössischen klassischen Musik näher zu erforschen. Mit dabei ist die Elmshornerin Laura-Maxine Kalbow, die seit 2013 am musikwissenschaftlichen Institut studiert und gerade ihre Abschlussarbeit über den Komponisten Alexander Zemlinsky, schreibt.

Ihre Motivation an der Forschungsreise teilzunehmen, hat einen ganz simplen Grund: „Ich werde so oft nach zeitgenössischer klassischer Musik gefragt“, sagt sie. „Viele Menschen fragen mich oft, ob es denn so etwas überhaupt noch gibt, anscheinend in der Annahme, dass die Musikgeschichte mit Schubert und Wagner stehengeblieben ist und das Moderne in der Musik der Pop ist.“

Dass es sich im musikhistorischen Zusammenhang nicht so einfach verhält, versuchen Laura Kalbow und ihre Mitstreiter zu zeigen: „Musik ist unglaublich komplex und gerade die Entwicklungen nach dem zweiten Weltkrieg und die Aufarbeitung von modernen Elementen während der Internationalen Ferienkurse sind unglaublich spannend“, sagt die Elmshornerin.

Ein Thema, das die Studierenden besonders beschäftigt, ist die grundsätzliche Frage nach musikalischen Grenzen. Robert Beyer beispielsweise, ein Komponist und Tontechniker der Darmstädter Ferienkurse, ging davon aus, dass Musik, in ihrer klassischen Form, gebunden an ein Instrument, sich nicht mehr weiterentwickeln könne. Aus diesem Gedanken heraus, erhielt die Technik, die Elektronik einen immer größeren Stellenplatz in der Musik, es wurde mit Klängen, mit Tönen, mit Dynamik experimentiert.

Wie wird Neue Musik verständlicher

Das Experimentelle, so Laura Kalbow, sei wohl der Kern der Neuen Musik nach 1945. „Der permanente Gedanke, Musik weiterzuentwickeln, zu erweitern, Grenzen zu sprengen, ist eine unveränderliche Konstante bei den Internationalen Ferienkursen. Darmstadt ein Ort für alle Musiker, Komponisten und Musikwissenschaftler jeder Nation, international und unbegrenzt“, so die Studentin.

Dass experimentelle Musik nicht immer einfach zu verstehen ist, wissen die Teilnehmer der Forschungsgruppe. „Für jemanden, der es nicht gewohnt ist, experimentell zu hören, der vielleicht lieber Bach oder Beethoven hört, ist es unglaublich schwierig, diese komplexen musikalischen Vorgänge in seinem Kurzzeitgedächtnis zu speichern“, sagt Laura-Maxine Kalbow. „Deshalb sind die Konzerte der Neuen Musik meist weniger besucht, die Konzerthallen nie ausverkauft. Sehr schade.“

Während ihres Aufenthalts bei den Ferienkursen in Darmstadt wollen Laura-Maxine Kalbow und die Hamburger Studenten den Fragen nach dem Experimentellen in der Musik, aber auch der grundsätzlichen Frage nach zeitgenössischer klassischer Musik auf den Grund gehen. Sie wollen Wege finden, sie zugänglicher zu machen.

Dazu haben sie einen Blog im Internet angelegt, auf dem sie ihre Gedanken, Forschungsperspektiven und Impressionen vor Ort festhalten, und so die Möglichkeit bieten, in das große, fast grenzenlos erscheinende Feld der Neuen Musik einzutauchen.

Der Blog: http://ferienkurse-neuemusik2016.blogs.uni-hamburg.de/

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erstellt am 04.Aug.2016 | 16:15 Uhr

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