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Elmshorner Nachrichten

09. Dezember 2016 | 08:53 Uhr

Gedenktag : Stirbt Elmshorns Volkstrauertag?

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

In der Krückaustadt gibt es in diesem Jahr erstmals keine Gedenkfeier für die Kriegstoten, weil die Teilnehmer ausbleiben.

Elmshorn | Der Volkstrauertag ist oft ein regnerischer, nebliger und dunkler Tag. Männer in Uniformen legen mit Politikern und Vereinsfunktionären Kränze am grauen Ehrenmal auf dem Friedhof ab, Geistliche und andere Würdenträger erinnern an das Leid, das vergangene Kriege mit sich brachten und das auch heute noch nicht aus der Welt verbannt ist. Wie überall hat auch in Elmshorn die Zahl der Besucher immer weiter abgenommen. Wer kommt, fühlt sich in erster Linie durch seine Vereins-, Partei- oder Verbandszugehörigkeit dazu verpflichtet. Die wenigen anderen Besucher sterben aus.

In Elmshorn hat die Stadtverwaltung aus dieser Entwicklung Konsequenzen gezogen – wenn auch nicht ganz freiwillig, wie Bürgervorsteher Karl Holbach sagt. Zum ersten Mal findet in diesem Jahr keine offizielle Veranstaltung zum Volkstrauertag am 13. November statt. „Viele Vereine und die katholische Kirche nehmen schon seit Jahren nicht mehr teil“, sagt Holbach. „Im letzten Jahr hat uns die Feuerwehr mitgeteilt, dass sie nicht mehr dabei sein würde. Dem hat sich das Technische Hilfswerk (THW) angeschlossen. Und wir als Stadt standen da und wussten nicht mehr, wer noch dabei sein würde.“

„Nicht mehr in der Gesellschaft verankert“

Edgar Konetzny, Ortsbeauftragter des THW, sieht das etwas anders. „Ich finde es nicht richtig, dass die Stadt jetzt den Verbänden den Schwarzen Peter zuschiebt.“ Es sei nicht die Aufgabe der Verbände sondern der Stadt, den Volkstrauertag mit Leben zu füllen. Ähnlich sieht das auch Stefan Mohr, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Elmshorn. Die Feuerwehr hat im vergangenen Jahr in ihrer Hauptversammlung beschlossen, nicht mehr am Volkstrauertag teilzunehmen. „Wenn der Volkstrauertag nicht mehr in der Gesellschaft verankert ist, muss die Feuerwehr nicht die Fahne hochhalten“, sagt Mohr. „Das ist ein alter Zopf, den wir jahrzehntelang gepflegt haben. Aber er hat nicht mehr mit der Feuerwehr zu tun.“

Aber es gibt auch Menschen, die die Gedenkstunde zum Volkstrauertag gerne erhalten möchten. Frank Niemanns, Geschäftsführer des Landesverbands des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, hält es für eine Stadt wie Elmshorn für „beschämend“, keine Feierstunde abzuhalten. „Es ist auch heute noch wichtig, sich an die eigene Geschichte zu erinnern“, sagt er. „Gerade in der heutigen Zeit ist es nötig, sich die Schrecken der Vergangenheit bewusst zu machen.“ Er kenne keine andere Stadt im Land, die den Volkstrauertag aufgegeben habe. „Natürlich strömen die Leute nicht gerade zu diesen Veranstaltungen. Dann muss man sich eben Gedanken machen, wie man die Menschen mitnehmen kann.“

„Sterben, um neu aufzuleben“

Auch der Elmshorner Pastor Willfrid Knees, der im Vorjahr die Gedenkstunde mitgestaltet hat, würde die Veranstaltung gerne erhalten. Er ist der Ansicht, dass Elmshorn mit einer gemeinsamen Gedenkstunde für den Frieden bereits auf dem richtigen Weg ist. „Vielleicht muss die Veranstaltung, die viele als institutionalisierte Belanglosigkeit empfinden, aber auch erst einmal sterben, damit sie wieder neu aufleben kann.“

Ginge es nach Edgar Konetzny, würde die Zahl der Veranstaltungen zum Zweiten Weltkrieg eingestampft zu einer zentralen Friedens-Gedenkstunde. „Was haben denn die jungen Leute – und damit meine ich alle unter 70 – mit den Weltkriegen zu tun? Wenn man immer wieder aufs Neue daran erinnert, erreicht man das Gegenteil von dem, was man erreichen will: Die Leute werden frustriert.“

Bürgervorsteher Holbach möchte den Volkstrauertag dagegen erhalten – er ist aber offen für ein neues Konzept, das mehr Menschen anspricht.

 

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erstellt am 02.Nov.2016 | 14:03 Uhr

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