zur Navigation springen

Elmshorner Nachrichten

04. Dezember 2016 | 11:19 Uhr

Wunderbar witzig und virtuos : Start der Elmshorner Festival-Saison

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Grandioser Start der Elmshorner Festival-Saison: 1000 Besucher feierten das österreichische Ensemble „Mnozil Brass“.

Elmshorn | Wir haben verstanden: Das Schleswig-Holstein Musik Festival ist längst nicht mehr nur Klassik-Kaleidoskop auf hohem Niveau. Gut so, denn schließlich umfasst das Wort Musik mehr als traditionelles Konzertgut. Aufgabe des Publikums ist es, sich darauf einzulassen. Zum Beispiel auf das Gesamtkunstwerk „Mnozil Brass“. Die siebenköpfige Blaskapelle aus Wien eröffnete am Montag die Elmshorner Festival-Saison in der alten Reithalle vor 1000 Besuchern mit ihrem Programm „Yes, Yes, Yes“.

Aber was heißt schon Blaskapelle? Die fidele Herrenriege taugt ebenso gut als A-cappella-Chor, Theatercompanie und Ensemble für schlauen Schabernack. Alles irgendwo zwischen Karl Valentin und Monty Python – es gibt schlechtere Referenzen. Das funktioniert aber nur deshalb so gut, weil „Mnozil Brass“ musikalisch weltklasse sind und so niemals der Verdacht aufkommt, das Humoristische müsse dringend vom Musikalischen ablenken.

Gesang und Geste: Die Musiker diesmal ohne Instrumente.
Gesang und Geste: Die Musiker diesmal ohne Instrumente. Foto: Marek
 

Es ist gar nicht so einfach, dem Geheimnis des enormen Erfolgs der Gruppe auf die Spur zu kommen. Aber ein stichhaltiges Indiz war in Elmshorn ganz sicher die erste Zugabe in kleiner Besetzung. Thomas Gansch (Trompete), Leonard Paul (Basstrompete) und Albert Wieder (Tuba) hatten ihre intime Version von „Land of make believe“ von Chuck Mangione ausgewählt. Gänsehaut pur, fein und geistvoll musiziert, sehr berührend. So als wollten die Künstler ihr Publikum wieder in die Realität zurückholen, nach dem mehr als zweistündigen sinnenfrohen Spektakel auf der Bühne.

Keine Angst vor Klamauk:  Zoltan Kiss als schräger DJ.
Keine Angst vor Klamauk: Zoltan Kiss als schräger DJ. Foto: Marek
 

Was war da überhaupt zu hören? Weltmusik? Cross-Over? Oder einfach nur „Mnozil Brass“? Eigentlich egal, die Arrangements waren ungeheuer vielfältig, oft wanderte der Klang ins Unerwartete, weg vom nur schmetternden Miteinander. Genauso klug organisiert wie der Klang war der Humor der Österreicher. Sieben Typen standen da auf der Bühne, die äußerlich kaum unterschiedlicher sein könnten. Alle zusammen nahmen sich selbst kräftig auf die Schippe. Rotzfrech führte Thomas Gansch auf spanisch durch das Programm. Was ist schon Sprache. Gern ließen sich die Musiker von ihrer eigenen Albernheit mitreißen. Das Publikum war längst zu allem bereit, und wenn nicht – auch recht.

Selbst als die Instrumente schwiegen, war „Mnozil Brass“ klasse. Dvoraks kleine Frühlingsweise, gesungen im Stil der Comedian Harmonists war schlicht bezaubernd. Genauso wie das Adagio aus dem Spartaxus-Ballett von Chatschaturjan – diesmal mit Blech. Pop-Medleys, Samba, Rock und Jazz präsentierte „Mnozil Brass“ mit viel Körpereinsatz. Dabei beherzigten die Wiener eine Regel ganz penibel: kein guter Witz ohne richtiges Timing. Das beherrschten die Musiker spielerisch und so wurde sogar bodenlos Albernes zur Humorpraline.

Mit rund 1000 Besuchern war die Elmshorner Reithalle zum Festival-Auftakt voll besetzt.
Mit rund 1000 Besuchern war die Elmshorner Reithalle zum Festival-Auftakt voll besetzt. Foto: Marek
 

Eine tumbe Plexiglasschüssel durfte zum Hightech-Astronautenhelm werden, und als die Musiker zu den Klängen von „Also sprach Zarathustra“ (Richard Strauss) als Affenhorde über die Bretter turnten und Kubricks Filmklassiker „2001: Odyssee im Weltraum“ huldigten, war der Spaß richtig schräg. Alles ist möglich bei „Mnozil Brass“, nur Langeweile nicht. Das Konzert in der Reithalle war bereits nach wenigen Tagen ausverkauft. Das ist ein Zeichen. Konzerte wie der Abend mit „Mnozil Brass“ stehen für den konzeptionelen Wandel beim Musik Festival – und dafür, dass die Richtung stimmt.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 06.Jul.2016 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen