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Elmshorner Nachrichten

04. Dezember 2016 | 00:50 Uhr

Serie: Mein Lieblingsplatz : Stadtführerin Annkatrin Holbach - zwischen Natur und Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Stadtführerin Annkatrin Holbach mag den Elmshorner Rosengarten und seine Geschichte besonders gern.

„Schönheit“ ist nicht gerade ein Begriff, mit dem Elmshorn im Allgemeinen verbunden wird. Dennoch fühlen sich viele Menschen in der Krückaustadt wohl und die meisten haben mit der Zeit ihre ganz persönlichen Lieblingsorte gefunden – sei es mitten in der Natur oder ganz zentral in der Stadt. Einige Elmshorner haben uns ihre Lieblingsorte verraten. Um diese Plätze und die Geschichten dahinter geht es in der EN-Serie.

In den Beeten blühen Rosen und Hortensien in bunten Farben. Annkatrin Holbach schlendert über die kleinen verschlungenen Wege durch den Rosengarten und zeigt auf einen Baum mit herzförmigen Blättern. „Dieser dort drüben ist ein Lebkuchenbaum“, sagt sie. „Wenn sich das Laub verfärbt, riecht es nach Lebkuchen, daher kommt der Name.“

Die Natur- und Landschaftsführerin liebt die Natur, besonders Bäume, deshalb ist für sie der Rosengarten einer ihrer Lieblingsplätze in Elmshorn. Holbach geht an einem Notenschlüssel aus Lavendel vorbei, den die Initiative Elmshorn hier anlässlich der Veranstaltung „Jazz ’n’ Roses“ gepflanzt hat und kommt bei einer großen geschwungenen Bank an – ebenfalls ein Geschenk der Initiative. „Hier sitze ich gerne, wenn ich herkomme, um meine Führungen zu planen“, sagt Holbach. Den Rosengarten mag sie zu allen Jahreszeiten, im Frühjahr, „wenn das Laub herauskommt und die frischen Buchenblätter zarter schmecken als jeder Salat“ genauso wie im Herbst, wenn die Baumkronen in Rot- und Gelbtönen leuchten. Ursprünglich wollte Holbach Biologie studieren, „aber ich wollte auf keinen Fall Hühnchen sezieren“. So wurde es also Geographie, aber das Interesse an der Botanik blieb ihr erhalten. „Bei meiner späteren Ausbildung zur Natur- und Landschaftsführerin ging es dann um das große Ganze“, sagt Holbach. In ihren Stadtführungen durch Elmshorn verbindet sie Geschichte mit Natur, weiß über die Flora des Stadtwalds ebenso Bescheid wie über die Historie der Ewerschifffahrt. Oft gibt es auch ungeahnte Verbindungen, wie etwa im Liether Stadtpark, wo im 30-jährigen Krieg die Schanzen zur Abwehr gegen Wallenstein und seine Truppen aufgestellt worden waren.

„Vor mehr als hundert Jahren war das hier alles Dünengelände“, sagt Holbach. Ende des 19. Jahrhunderts habe die Stadt auf der Suche nach den besten Wasservorkommen an verschiedenen Stellen Bohrungen durchgeführt, sei westlich der Uetersener Chaussee fündig geworden und habe Flächen aufgekauft. 1902 wurde mit der Wasserförderung begonnen. „Es gibt Fotos vom Wasserwerk mitten in den Dünen“, erzählt Annkatrin Holbach. Der Stadtverordnete Matthias Kruse setzte sich für eine Aufforstung ein, mit der man schon im Frühjahr 1902 begann. Die Dünen mussten weichen.

Auf dem Boden mit besserer Ackerkrume entschied sich die Stadt im Jahr 1912 für die Anlage eines Parkes, des heutigen Rosengartens. Er wurde durch die Baumschulfirmen Timm und Mohr angepflanzt und erhielt anlässlich des 25-jährigen Kaiserjubiläums den Namen Kaiser-Wilhelm-Park, nach dem 1. Weltkrieg wurde der Name in Volkspark umgewandelt. Später, nach dem 2. Weltkrieg, pflanzten Elmshorner Bürger im heutigen Rosengarten Gemüse zur Lebensmittelversorgung an. „1947 ging es der Bevölkerung aber wieder besser, ab diesem Jahr wurden die Kleingärten beseitigt und der Rosengarten entstand neu“, berichtet Holbach. „Den haben damals die Baumschulen gestiftet, 6000 Rosen wurden damals gesetzt. Und für Jazz ’n’ Roses hat die Initiative Elmshorn im Jahr 1992 den Park saniert, die Wege und Rabatten neu gestaltet.“

Parks wie der Stadtpark oder auch der Steindammpark machen für Holbach den Reiz Elmshorns aus. Auch wenn die Innenstadt nicht vergleichbar sei mit Städten mit gewachsenem Altstadtkern – Holbach weiß die Vielfalt der alten Industriestadt durchaus zu schätzen. „Gerade im Bereich der Krückau ist Elmshorn sehr grün – wer hat schon zwei Stadtparks mitten in der Stadt?“ Die Vielfalt der Krückaustadt sieht sie in den eigenen abwechslungsreichen Führungen bestätigt. „In neun Jahren habe ich 27 verschiedene Touren durch die Stadt entwickelt. Das ist für eine relativ kleine Stadt schon eine ganze Menge.“ Sei es der Ochsenweg, die schönen Unternehmervillen, der Hafen oder die kleinen, skurrilen Geschichten – jedes Thema fände seine Anhänger.

Privat unternimmt Annkatrin Holbach gerne lange Spaziergänge entlang der Krückau, mit ihrem Mann, dem Bürgervorsteher Karl Holbach. „Er fotografiert sehr viel und ich helfe ihm dabei, die spannenden Details zu entdecken.“ Und davon gebe es in der Stadt mehr als genug.

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erstellt am 03.Sep.2016 | 10:00 Uhr

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