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Elmshorner Nachrichten

08. Dezember 2016 | 12:59 Uhr

Verordnung bedroht „Gloria“ : Sicherheitsauflagen könnten das Ende für Traditionsschiffe bedeuten

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Hafen Elmshorn: Die Sicherheitsauflagen könnten das Ende für Traditionsschiffe bedeuten. Politiker und Verband kämpfen.

Elmshorn | Er ist ein echtes Schmuckstück im Elmshorner Hafen: Der Ewer „Gloria“. Jetzt sorgt jedoch eine drohende Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen für deutsche Traditionsschiffe für Besorgnis im Trägerver-ein. Denn: Der neue Verordnungsvorschlag von Verkehrsminister Alexander Dobrindt, der zum 1. Januar 2017 in Kraft treten soll, würde das Ende für rund 90 der 100 Traditionsschiffe in Deutschland bedeuten. Das ist die Sorge des Dachverbands der Traditionsschiffe, der Gemeinsamen Kommission für Historische Wasserfahrzeuge (GSHW). Ulrich Grobe, Vorsitzender des Gloria-Betreibervereins, wird deutlicher: „Aus dieser Verordnung für Traditionsschiffe ist schlimmer Schwachsinn herausgekommen.“

Vor allem stören Grobe die geforderten baulichen Veränderungen. Die Verordnung macht keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Schiffen – die „Gloria“ müsste also die selben Vorschriften erfüllen, wie ein historischer Dampfeisbrecher. „Wir bräuchten zum Beispiel an Stelle eines 30 Kilo schweren Ankers und einer 50 Meter langen Kette einen 100 Kilo schweren Anker und eine 160 Meter lange Kette“, sagt Grobe. „Um den Anker zu heben, bräuchten wir einen Kran an Bord. Und durch das zusätzliche Gewicht würde das ganze Schiff nach vorne kippen.“ Die „Gloria“ würde hinten ein Gegengewicht benötigen – „und dafür ist einfach kein Platz an Bord“, sagt Grobe.

Ähnliches gilt für ein Schott, also eine wasserdichte Wand, die im Schiff eingebaut werden müsste. „Das ist völlig unsinnig für die ,Gloria’“, sagt Grobe. Insgesamt würden die Umbaumaßnahmen – von denen viele auf der Gloria nicht umsetzbar sind – rund 35.000 Euro kosten. Einmal ganz abgesehen von den vorgeschriebenen Fortbildungsmaßnahmen für die 30-köpfige Besatzung des Ewers und regelmäßige Lehrgänge für Atemschutzträger und Sanitäter, die in Zukunft immer mit an Bord sein müssten. Auf der „Gloria“ fahren in erster Linie Senioren als Besatzung mit – und das ehrenamtlich. „Das ist für uns überhaupt nicht zu leisten“, sagt Grobe.

Grobe hält die Verschärfungen der Sicherheitsvorschriften für viel zu übertrieben für ein Schiff wie die „Gloria“. Dabei hat er grundsätzlich Verständnis dafür, dass eine neue Verordnung für die Traditionsschiffe her muss. Denn ursprünglich habe die Berufsgenossenschaft Verkehr die Anpassung der Verordnung gefordert, um eine eklatante Gesetzeslücke zu schließen. „Es gab zum Beispiel Leute, die kein ordentliches Schiffspatent hatten, aber professionell Angeltouren anbieten wollen“, erzählt Grobe. „Diese Leute haben sich einfach ein Traditionsschiff gekauft, um die Vorschriften für reguläre gewerblich betriebene Schiffe zu umgehen.“ Die Auflagen für Traditionsschiffe sind nur deshalb deutlich geringer als sonst für gewerblich betriebene Schiffe üblich, weil sie als schwimmende Museen betrieben werden. Die Schifffahrtstradition soll lebendig gehalten werden.

Über das Ziel hinaus geschossen

Mit der neuen Vorlage scheint das Verkehrsministerium jedoch über das Ziel hinaus geschossen zu sein. Deshalb haben sich in den vergangenen Wochen zahlreiche Politiker aus den nördlichen Bundesländern für eine Überarbeitung der Sicherheitsregeln eingesetzt. Auch der Elmshorner Bundestagsabgeordnete Ernst-Dieter Rossmann (SPD) gehört dazu. Grundsätzlich bestreitet niemand, dass es eine neue Verordnung für die Traditionsschiffe geben müsse. Viele Regelungen sind sinnvoll, zum Beispiel die Forderung nach einem Nachweis, dass sich ein Schiff aus einer Schieflage wieder selbstständig aufrichten kann. „Bürokratische Hürden und unerfüllbare Sicherheitsauflagen dürfen aber nicht dazu führen, dass Traditionsschiffe aus unseren Häfen verschwinden“, erklärt Rossmann.

Mittlerweile gebe es erste Signale von Verkehrs-Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU), dass das Ministerium auf die Bedenken eingehen möchte. Und das Land Schleswig-Holstein strebe eine Regelung an, die sowohl das öffentliche Sicherheitsinteresse als auch den Erhalt der Traditionsschifffahrt im Auge habe. Rossmann: „Ich hoffe sehr, dass mit Übergangsfristen und Bestandsregelungen eine Lösung gefunden wird, mit der alle zufrieden sein können.“

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erstellt am 04.Nov.2016 | 16:32 Uhr

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