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Elmshorner Nachrichten

11. Dezember 2016 | 09:05 Uhr

Serie: Made in Elmshorn : Schnelle Hilfe in der Backstube

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Elmshorner Firma Hanse Backtechnik KG springt bei Notfällen rund um die Uhr ein.

Elmshorn | „Dann fahren wir hin, gucken und machen das heil.“ Dieter Möller beschreibt in nüchterner Handwerker-Manier das Metier der Firma, die ihm gemeinsam mit zwei Kompagnons gehört und die er als Geschäftsführer leitet: Die Elmshorner Hanse Backtechnik KG repariert und wartet Bäckereimaschinen. Das sind Teigmaschinen, die viele Kilo Teig auf ein Mal kneten, Brötchenpressen, die den Teig exakt gleichmäßig verteilen und für die richtige Form sorgen, Anschlagmaschinen, mit denen Konditoren die sahnigen Beläge ihrer Torten herstellen, oder auch Pflaumenentkernungsmaschinen oder ganze Brötchenstraßen, die pro Stunde 5 000 Teiglinge formen, garen und auf Backbleche verteilen.

Möllers Kunden sind, grob gesagt: „alle Bäckereien hier“. „Hier“ reicht dabei von Hannover bis nach Dänemark, im Auftrag von Herstellern stellen die Elmshorner Monteure auch schon mal neue Maschinen in Spanien oder Polen auf.
Alle Bäcker arbeiten mit Maschinen, aber die Hersteller halten sich mit dem Kundendienst zurück, und weil die Anforderungen speziell sind, gibt es kaum Konkurrenz für Hanse: „Ab und zu versucht sich mal einer, aber das dauert meistens nur kurz“.

Die acht Mann von Hanse Backtechnik sind an 365 Tagen im Jahr jeweils 24 Stunden lang zu erreichen: Wenn eine Maschine kaputt geht, tut sie das logischerweise meistens während der Backzeit, und die liegt zum großen Teil in der Nacht. Und wenn etwas kaputt geht, muss es schnell gehen, die Zeit läuft, bis die Brötchen im Laden liegen müssen. „Ideen, improvisieren, dass das wenigstens einen oder zwei Tage lang läuft“ sind dann notfalls bei den Monteuren gefragt.

Für diese Arbeit braucht Möller Mitarbeiter, die fit in Mechanik und Elektrik sind. Meistens stellt er Elektriker oder Mechatroniker ein: „Einen Elektriker kriegt man leichter zur Mechanik als umgekehrt“. Neben dem Fachlichen müssen seine Leute es hinkriegen, Probleme vor Ort allein zu lösen, und solche Monteure zu finden, fällt ihm nicht leicht: „Das selbstständige Arbeiten ist heute schwierig“.

Was ausgerechnet an Bäckereimaschinen besonders ist, lässt sich in der Werkstatt und im Lager des Elmshorner Unternehmens begutachten. Da steht eine Teigmaschine mit einem gegossenen Gehäuse mit rund 500 Kilo Gewicht. Gleich sieben Keilriemen verlaufen parallel zwischen dem Drehstrommotor und der Welle, um die enormen Kräfte zu übertragen, mit denen sich die Knethaken durch 120 Kilo Teig arbeiten.

Neben dem massiven Material fällt auf, dass vergleichsweise wenig Elektronik blinkt oder fiepst. Die ist zwar auch in Bäckereien auf dem Vormarsch, erklärt Dieter Möller, aber sie hat einen großen Nachteil: „Wenn die Elektronik kaputt ist, wird es teuer“. Reparieren heißt im Wesentlichen Module austauschen, und das kostet eigentlich immer mehr als 1 000 Euro.

Außerdem sind Bäcker altmodisch und als kleine Unternehmer sehr kostenbewusst. Viele gucken beim Backen immer noch ins Rezeptbüchlein, arbeiten mit einer mechanischen Waage mit verschiebbaren Gewichten und stellen ihre mechanischen Uhren selbst ein, berichtet Möller. Und manchmal müssen sie sogar so arbeiten, um das Vertrauen ihrer Kunden zu behalten: Der Geschäftsführer erzählt von einem Bäcker, der seine Spekulatius viele Jahre lang von Hand ausstach, bis die Schulter muckte und er eine Maschine dafür anschaffte. Seine Kunden mieden die jetzt gleichmäßigen Kekse, argwöhnten, dass er die zukaufe. Die Maschine gab der Bäcker wieder zurück.

Bäcker wissen eine Maschine zu schätzen, die 35 oder 40 Jahre täglichen Einsatz aushält. „Lager, Motoren, Schalter: Das kann man alles austauschen“, schwärmt Möller von den Geräten. Sogar für 40 Jahre alte Maschinen gebe es noch Ersatzteile.

Diese Langlebigkeit gehört zu einem weiteren Geschäftszweig der Hanse Backtechnik: Die Elmshorner kaufen alte Geräte auf – zum Beispiel aus Insolvenzen, von denen es laut Möller in den vergangenen Jahren viele gab –, arbeiten sie auf, lackieren sie neu und verkaufen sie gebraucht. Eine Teigmaschine kostet neu um die 25 000 Euro, da lohnt sich unter Umständen der Griff zum Gebrauchtgerät.

Angefangen hat Möller die Arbeit in den Bäckereien 1973 in Hamburg. Sein damaliger Arbeitgeber übernahm den Kundendienst für solche Maschinen, der Bereich wuchs. 2007 machte sich Möller mit drei Kollegen in Elmshorn selbständig. Er kommt aus Krempe, die Immobilie im Elmshorner Industriegebiet samt Halle bot sich an.

Inzwischen ist Hanse Backtechnik ein Grundstück weiter gezogen und verfügt über große Flächen für Werkstatt und Lager. „In Hamburg bezahlt man für eine kleine Werkstatt schon einen Horrorpreis“, da bleiben die Servicetechniker lieber in Elmshorn. Von den vier Firmengründern sind noch drei Gesellschafter dabei: Möller, der sich vor allem ums Kaufmännische kümmert, Metallbauer Ernst Hinz und Service-Fachmann Thomas Schmied.


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