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Elmshorner Nachrichten

06. Dezember 2016 | 17:10 Uhr

Diskussion : Rezepte gegen Null Bock auf Politik

vom

Junge Menschen diskutierten in Elmshorn mit SPD-Vize Ralf Stegner über Politikverdrossenheit und die Bedeutung von Parteien.

Ein Großteil der jungen Menschen in Großbritannien ist laut Studien der Ansicht, dass ihr Land in der EU bleiben sollte. Trotzdem gingen viele nicht zur Wahl, so dass letztlich für den Brexit gestimmt wurde. „Sie haben gedacht, es kommt nicht auf sie an“, zog Beate Raudies, SPD-Landtagsabgeordnete des Elmshorner Wahlkreises, als Fazit und wies auf ein Phänomen hin, das auch in Deutschland zu einem immer größeren Problem wird.

„Null Bock auf Politik?“, unter dieser Leitfrage stand die von Raudies initiierte Diskussionsrunde zum Thema Politikverdrossenheit unter jungen Menschen. Zur Veranstaltung im Jim Coffey war das Lokal fast voll besetzt. An Raudies Seite beteiligten sich Vertreter verschiedener Jugendorganisationen und ihr Parteikollege, Ralf Stegner, stellvertretender Bundesvorsitzender und Landesvorsitzender der schleswig-holsteinischen SPD, an der Diskussion.

Schon zu Beginn der Veranstaltung wird klar, dass es verschiedene Gründe geben muss, warum junge Menschen sich seltener politisch beteiligen. So tragen auch die Alten Schuld daran. „Wenn sich so ein junger Mensch mal politisch äußert, bekommt er von den Älteren oft zu hören: Du weißt doch gar nichts! Du bist noch so jung, du hast doch gar keine Ahnung“, erklärte Marcello Hagedorn von den Elmshorner Jusos. Dabei hätten die Jungen ziemlich viel Ahnung, erklärte Stegner. So gab er als Beispiel, dass sich viele junge Menschen für Schwächere einsetzen oder sich kreativ mit dem Kampf gegen Rechtsextremismus auseinandersetzen.

Einen weiteren Grund der Politikverdrossenheit sah die Runde darin, dass Politiker zu wenig auf Kinder und Jugendliche zugehen. „Ich habe mich gefragt, wie oft war eigentlich ein Politiker an unserer Schule? Ich glaube, nur einmal“, erklärte Hagedorn. Ein Missstand, wie auch die Berufspolitiker Raudies und Stegner feststellen und von einer Entscheidung im Landtag berichteten, wonach Politiker öfter Schulen besuchen sollen. Svea Knutzen, die als Mitglied des Kinder- und Jugendbeirats auf dem Podium saß, sprach ein weiteres Problem an der Schule an: „Ich finde, man bringt den jungen Menschen viel zu spät bei, worum es in der Politik und Demokratie geht.“ So seien diese Themen im Unterricht an ihrer eigenen Gemeinschaftsschule erst in der zehnten Klasse behandelt worden. „Das heißt, die Hauptschüler haben das gar nicht mitbekommen.“

An dem Abend werden eine Reihe von Ursachen aufgezählt, warum viele junge Menschen Politik nicht interessant finden. Ein Grund wird aber auffällig oft genannt: Mangelndes Vertrauen in die Parteien. Mehrmals ist von nicht eingehaltenen Wahlversprechen die Rede. Diese würden nicht nur junge Menschen frustrieren und desillusionieren, sondern auch viele Migranten, erklärte Scherin Sallam vom Jugendrat des Einwandererbundes. Für die SPD wies Stegner diesen Vorwurf weit von sich. Die Partei habe eine Broschüre herausgegeben, in der Bilanz zwischen Wahlprogramm und tatsächlichen Beschlüssen gezogen werde: „Da stellt man fest, etwa 90  Prozent haben wir gehalten.“

Generell kommen Parteien an dem Abend nicht gut weg. Das Geklüngel nerve, sagte jemand im Publikum. Außerdem seien Parteien zu statisch, weswegen viele den Parteieintritt scheuen. Dazu Stegner: „Wenn wir direkte Demokratie machen, brauchen wir die Parteien nicht. Solch eine Abstimmung ist schon irgendwie demokratisch, aber nicht unbedingt gerecht.“ Mit seiner Antwort bezog er sich auch auf die Brexit-Entscheidung. „In Parteien lernt man, sich nicht immer selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern auch an andere zu denken.“

Am Ende zieht die Runde das Fazit, dass mehr in politische Bildung investiert werden müsse. Dafür hatte ganz zu Anfang auch Mats Hansen, Vorsitzender des Kreisjugendrings argumentiert. Seiner Meinung nach solle demokratisches Handeln schon im Kindergarten geübt werden, „denn keiner wird dumm geboren. Und keiner wird rechtsradikal geboren.“

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erstellt am 20.Jul.2016 | 10:00 Uhr

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