zur Navigation springen

Musical statt Predigt : Reformation trifft auf Postmoderne

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Statt einer Predigt gibt es am Ostersonntag in der Gemeinde Zum Guten Hirten ein Musical – über Martin Luther.

Elmshorn | „Auf der einen Seite steht Luther und auf der anderen Seite sein Gegenspieler, von der Arbeitsgemeinschaft theologischer Infragestellung“, sagt Pastor Hartmuth Wahnung. „Und zwischen diesen beiden gegensätzlichen Polen spielt sich alles ab.“ Es sind keine geringeren Fragen als die nach dem Kern des christlichen Glaubens, der Osterbotschaft und der Relevanz Gottes, die Luther und sein Kontrahent ausfechten. Und diese komplexe theologische Fragestellung packt die Gemeinde zum Guten Hirten in ein unterhaltsames Musical.

Musik, Tanz, Video und Schauspiel in einer Kirche und das auch noch in einem Gottesdienst am Ostersonntag – das ist ungewöhnlich. In der Gemeinde Zum Guten Hirten ist das jedoch seit 2005 alle zwei Jahre Tradition.

In den ersten Jahren orientierte sich das Musical-Team, bestehend aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen, noch an den Passionsspielen in Süddeutschland. Inzwischen will die Gruppe nicht die Auferstehung Jesu selbst zeigen, sondern welche Auswirkungen diese auf die Menschen hat. Klar, dass Pastor Wahnung im Lutherjahr thematisch nicht um den Reformator herumkam. Und so heißt das neue Stück „Geistesblitz – Ein Gewitter mit Folgen“.

Wie in jedem Jahr verfasste der christliche Sachbuch-Schriftsteller André Wilkes das Skript. Im Mittelpunkt des Stücks stehen der Reformator Martin Luther (Hannes Kröger) und der Vertreter der Arbeitsgemeinschaft theologischer Infragestellung (Aron Ambroz). Sie stehen rechts und links von der Bühne und werfen sich gegenseitig ihre Argumente an den Kopf. Das ist mal skurril, mal faszinierend – schließlich stoßen Postmoderne und Reformation aufeinander. Für den einen ist Ostern nur Eiersuchen und ein paar Tage frei, für den anderen ist es der wichtigste Tag des Jahres. Und so lautet dann auch der erste, völlig ernst gemeinte Rat des Kritikers an Luther: „Wir wissen ja nicht, was du nimmst, aber nimm weniger.“

Ihre Thesen untermauern beide Charaktere mit Beispielen – und die bringen die rund 50 Mitglieder des Musical-Teams im Alter zwischen zehn und 25 Jahren auf die Bühne. Da gibt es Tänze und Poetry Slams, Theater-Szenen, Songs von der Band und Videoeinspielungen. „Das ist bei uns nicht wie beim König der Löwen, bei uns kann nicht jeder singen, tanzen und schauspielern. Aber alle können ihre Talente ausprobieren“, sagt Gemeindepädagogin Debroah Kober. „Das macht den Jugendlichen viel Spaß, sie entdecken sich selbst, tanken Selbstbewusstsein und nebenbei beschäftigen sie sich mit den theologischen Fragen.“ Eine große Motivation für die Jugendlichen ist, dass sich an ihrem Projekt ein echter Prominenter beteiligt. Der Komiker Markus Majowski, auch bekannt aus dem Dschungelcamp 2017, übernimmt eine Rolle im Musical. „Er hätte gern den Luther gespielt, aber leider hat sein neues Stück gerade Premiere gefeiert“, sagt Pastor Wahnung. Dafür fliegt jetzt das Video-Team, gesponsert von der Lufthansa, nach Frankfurt und dreht die Einspieler mit Majowski vor Ort.

Mit den Proben hat die Gruppe im Januar begonnen. Jetzt, in der heißen Phase, treffen sich die einzelnen Gruppen jede Woche. Schließlich ist es nur noch rund ein Monat bis zur Premiere des Stücks.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 15.Mär.2017 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen