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Elmshorner Nachrichten

23. Januar 2017 | 13:49 Uhr

Radfahrer kämpfen für ihr Recht

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Veloroutenkonzept Diskussionsrunde zeigt: Viele Autofahrer nehmen zu wenig Rücksicht auf Fahrradfahrer auf der Straße

„Ich empfehle, einfach selbstbewusst auf der Straße zu fahren“, rät Verkehrsplanerin Ellen Unger den Elmshornern: „Je mehr das tun, desto eher gewöhnen sich die Autofahrer daran.“ Ein Zuhörer berichtete ihr von seinen Erfahrungen damit: „Ich habe probiert, auf der Ost-West-Brücke auf der Straße zu fahren. Das Hupkonzert war unglaublich.“ Dabei war der Mann im Recht: Gesetzlich gehören Radfahrer auf die Straße, es sei denn, ein vernünftiger Radweg steht zur Verfügung und ein Schild schreibt ihm dessen Benutzung vor. Solche Radwege gibt es in Elmshorn allerdings fast gar nicht, auch an der Ost-West-Brücke nicht: Dort dürfen Radfahrer zwar den Bürgersteig benutzen, müssen das aber nicht tun.

Der Weg zur Fahrradstadt ist für Elmshorn noch weit. Das zeigte sich bei einer Veranstaltung der Arbeitsgruppe (AG) Radwege, in der Politik, Verwaltung, Polizei, Beiräte und Vereine wie der Fahrradclub ADFC zusammenarbeiten. Die AG informierte über den aktuellen Stand des Veloroutenkonzepts in Elmshorn, rund zwei Dutzend Zuhörer waren in den Kollegiumssaal gekommen. Die allermeisten waren offenbar Radfahrer.

Das Veloroutenkonzept soll Elmshorn für Radfahrer attraktiv machen. Fahrradstraßen, brauchbare Radwege, Schutzstreifen auf den Fahrbahnen wie zum Beispiel auf dem Steindamm und elf besonders fahrradfreundliche Strecken quer durch die Stadt gehören dazu. 200  000 Euro stehen dafür pro Jahr zur Verfügung. Bei diesem knappen Budget wird es noch dauern, bis die Hinweisschilder auf die Velorouten kommen, die sich ein Zuhörer wünschte. „Wir gehen davon aus, dass wir im übernächsten Jahr erste Schilder an den Knotenpunkten aufstellen“, sagte Jürgen Heesch, AG-Mitglied für die SPD. „Wir geben das Geld lieber für die Sanierung der Radwege aus als für Schilder“, erklärte Silke Pahl, die für die Bündnisgrünen in der AG sitzt.

Aber sogar wenn alle Voraussetzungen günstig erscheinen, werden die Radfahrer-Wünsche nicht unbedingt berücksichtigt, wie das Beispiel Ansgarstraße zeigt. Forschungsergebnissen zum Trotz, die belegen, dass Radfahrer auf der Straße sicherer fahren, weil sie dort besser gesehen werden, wurde beim Neubau der Straße der Radweg vom zuständigen Ausschuss auf den Bürgersteig verlegt. „Gut vorbereiten“ nannte Heesch als Rezept für die Fahrrad-Lobbyisten beim nächsten Bauprojekt, damit an der Ollnsstraße die Radfahrer auf die Straße kommen.

Ellen Unger kümmert sich im Rathaus um die Verkehrsplanung und setzt auf viele kleinere und größere Maßnahmen: Ampeln bekommen Signale für Radfahrer, Furten sollen das Überqueren großer Straßen erleichtern, Radwege werden begradigt, Kreuzungen umgestaltet mit „indirekten Linksabbiegern“ und „Wartetaschen“. Unger gab aber auch zu, dass einige große Lücken vorerst nicht geschlossen werden: Ramskamp, Koppeldamm und Köllner Chaussee zum Beispiel. Dort wäre ein Um- oder Neubau Millionen Euro teuer.

Immerhin: In diesem Jahr soll die zweite der elf Velorouten durch Elmshorn feierlich eröffnet werden. Kommunikation ist wichtig, betonte Thomas Möller, Landesvorsitzender des ADFC: „Viel Öffentlichkeitsarbeit wirkt auf Dauer doch motivierend.“ Er regte an, dass Elmshorn in der Metropolregion als fahrradfreundliche Stadt punkten könne. Werner Steinke wies darauf hin, dass Radfahrer ihr Geld eher in der Innenstadt lassen als Autofahrer, die zum Markt auf der „grünen Wiese“ mit seinen kostenlosen Parkplätzen fahren.

Aber die Elmshorner haben offenbar noch viel grundlegendere Probleme: Seit es in Elmshorn vier Fahrradstraßen gibt, rufen immer wieder Autofahrer im Rathaus an, um sich darüber zu beschweren, wie rücksichtslos die Radfahrer in diesem Straßen unterwegs seien. „Ich bin verwundert, wie viele Leute das nicht wissen“, bekannte Ellen Unger: In Fahrradstraßen müssen Autofahrer Rücksicht auf Radfahrer nehmen und dürfen maximal 30 fahren. Zur Unwissenheit kommt schlechtes Benehmen: „Wir haben es da mit Charakterschwächen zu tun“, befand Frank Hesse, Vertreter der Polizei in der AG Radwege.

„Die Entwicklung in Elmshorn ist auf dem richtigen Weg, aber das war harte Arbeit“, resümierte Christian Hoyer, bei den Grünen seit langem Fahrrad-Aktivist. Rund 30 Jahre ist es her, dass seine Partei – damals noch als Wählergemeinschaft WGE – die ersten Anregungen in die Ortspolitik brachte. Ein erstes Gutachten und eine erste AG aus den 1990er-Jahren gingen unter, bis das Thema nach der Jahrtausendwende langsam wieder auf die Tagesordnung kam.

Für die Praxis haben die Radfahrer noch viele offene Wünsche: Eine Zuhörerin wünschte sich eine Radkarte mit Hinweisen auf schlechte Wegstrecken. Ellen Unger winkte ab: „Wir haben so viele Wege in schlechtem Zustand, das würde den Plan überfordern.“ Immerhin, es soll überhaupt ein Plan kommen: ein Stadtplan mit eingezeichneten Velorouten.

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