zur Navigation springen

Elmshorner Nachrichten

08. Dezember 2016 | 17:05 Uhr

Großer Wurf : Premiere: „Ein großer Wurf“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Theater An der Dittchenbühne wurde das Stück „Das Bernsteinzimmer“ zum ersten Mal gezeigt / Zweite Aufführung: 11. September

Seit 1945 ist das während der deutschen Besatzung St. Petersburgs geraubte Bernsteinzimmer verschollen. Über seinen Verbleib gibt es eine Fülle von Spekulationen. Die einschlägige Literatur allein nennt hunderte von Orten, wo es verborgen sein könnte. Fest steht lediglich, dass es letztmals in Königsberg gesehen worden ist.

Während seines einjährigen Aufenthaltes in der Stadt (1994) hat der Chef der Dittchenbühne Elmshorn, Raimer Neufeldt, zwar nicht das Bernsteinzimmer, aber das Thema für sich entdeckt. Er recherchierte gründlich in einschlägiger Literatur, Zeitungen und Zeitschriften und schrieb ein Kriminallustspiel, das nun in der Dittchenbühne seine Premiere erlebte.

Mit dabei waren insgesamt 140 Zuschauer, die sich von dem packenden, teilweise auch humorvollen Geschehen auf der Bühne gefangen nehmen ließen und in anerkennendem Beifall ausbrachen, als sich schließlich wieder der Vorhang senkte. Premiere gut, alles gut.

Das Theaterstück erzählt die Geschichte des Bernsteinzimmers, verpackt in eine spannende Rahmenhandlung, die dem Stück seine besondere Würze verleiht. Den Auftakt bildet eine Szene in der Praxis eines Psychiaters mit Anastasia Rohde (Maya Trojanowski). Sie ist die Nichte des Kunsthistorikers Alfred Rohde (Ralf Skala), der das Bernsteinzimmer am Kriegsende aus Königsberg fortschaffen ließ, und glaubt zu wissen, wo es abgeblieben ist.

Krank sei sie nicht, versichert sie dem Arzt, der völlig überfordert zu sein scheint. Dann erfolgt der Rückblick auf die Anfänge des Bernsteinzimmers – ein Geschenk des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I (Kai Göhring) an seinen Alliierten, Zar Peter den Großen, um sich seine militärische Unterstützung zu sichern. „Ich könnte dafür sicherlich 55 lange Kerls bekommen“, hofft er.

Nach der Fertigstellung wird das Bernsteinzimmer in den Katharinenpalast nach Zarskoje Selo gebracht – bis es etliche Jahre später ins Visier der Nationalsozialisten gerät. Als deutsches Kulturgut soll es heim ins Reich gebracht werden. Der ostpreußische Gauleiter Erich Koch beauftragt den erwähnten Kunsthistoriker Alfred Rohde, neben Anastasia dominierende Figur des Stückes, mit der Organisation der Rückholaktion. Diese erfolgt noch im selben Jahr, als die Wehrmacht das Bernsteinzimmer vor Leningrad aufspürt: Es kommt im Königsberger Schloss unter. Als die Rote Armee gegen Ende des Zweiten Weltkriegs den östlichen Teil des Deutschen Reiches erobert, wird es in den Kriegswirren auf Befehl Alfred Rohdes abtransportiert. Doch wohin? Weiß seine Nichte wirklich mehr? Die Zuschauer kennen nun die Antwort.

Mit der Aufführung der Kriminalkomödie unter der Regie von Maria von Bismarck ist dem Ensemble der Dittchenbühne Elmshorn ein großer Wurf gelungen. Es bot eine überzeugende Gesamtleistung und begeisterte durch seine mitreißende Spielfreude und sein Temperament. Zu keinem Zeitpunkt war das Stück langatmig. Die Charaktere wirkten authentisch.

Das Stück wird erneut am Sonntag, 11. September, gezeigt. Die Aufführung beginnt um 15 Uhr. Im Herbst unternimmt die Dittchenbühne Elmshorn damit ihre traditionelle Ostseetournee.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen