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Elmshorner Nachrichten

29. Juni 2016 | 23:53 Uhr

Elmshorn : Premiere an der Dittchenbühne

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Dunkle Zeiten, schwere Kost - Premiere der Bühnenfassung des Romans „Katzensteg“ von Hermann Sudermann. Viel Applaus für das Ensemble.

Elmshorn | „'Also doch?' fragte sie und wischte sich die Augen. 'Aber, nicht wahr, wenn ich dich sehr bitte, lieber Boleslav ...'“ So schwülstig klingt die Vorlage, und Raimar Neufeldt hielt sich bei der Umsetzung des Romans in ein Bühnenstück getreulich an Tonfall und Handlungsfäden des Originals. Der Roman „Katzensteg“ von Hermann Sudermann erschien 1890, die Handlung spielt rund 75 Jahre früher, als die Preußen sich Napoleons erwehrten. Die Bühnenfassung feierte am Freitag in der ausverkauften Elmshorner Ditttchenbühne Premiere.

Schweren Stoff brachte Regisseur Klaus Falkhausen da auf die Bühne. Der Sohn büßt für den Landesverrat seines Vaters, die dumpfen Dörfler wollen Schnaps oder Blut saufen, der Tischler ertränkt im Alkohol seinen Kummer darüber, dass seine Tochter beim „Baron“ in Unehre fiel. Später stellt sich noch heraus, dass er selbst seine Tochter geschlagen und erpresst hat, als sie in adligen Diensten stand. Der Wirt und Dorfschulze stachelt seine Gäste zum Mord an, sein Sohn rebelliert gegen den Sohn des Baron, dafür droht ihm als Offizier die Erschießung. Es geht viel um Ehre und Patriotismus: „Mag ich auch ein Lump sein, so liebe ich doch mein Vaterland“, stellt der Tischler klar.

Die Geschichte: Der preußische Offizier Boleslav von Schranden kommt unter einem falschen Namen nach Hause – nach Ostpreußen, woher auch Autor Sudermann stammt, das Stück wird schließlich in der Dittchenbühne inszeniert – um seinen Vater zu beerdigen. Die Bewohner des Dorfes am väterlichen Schloss schneiden ihn: Der Tischler will keinen Sarg fertigen, der Pastor den Toten nicht beerdigen. Denn der hat Preußen verraten, den Franzosen geholfen und seine Magd Regine auch noch darin verwickelt. Regine und Boleslav werden als Verfemte zueinander getrieben und verlieben sich, am Schluss stirbt sie unter tragischen Umständen und Boleslav verlässt seine Heimat.

Schutzsuchend wirft sich Regine (Pia Mareike Heyne) Boleslav (Sascha Müller) zu Füßen.
Schutzsuchend wirft sich Regine (Pia Mareike Heyne) Boleslav (Sascha Müller) zu Füßen. Foto: Roolfs

So düster, wie das alles klingt, ist es auch inszeniert. Die Dorfkneipe und der namengebende Katzensteg bilden wechselweise die Kulisse mit viel rohem Holz; die Kostüme fügen sich ins Bild. Ganze Arbeit hat Gastregisseur Falkhausen mit den Laien geleistet, die auf der Dittchenbühne stehen. Ein bisschen gestelzt und gewollt wirkt das Spiel ab und zu, aber im Großen und Ganzen liefert das Ensemble eine gute Leistung ab. Und das Exaltierte gehört schließlich zum Programm: Hier läuft die Magd noch quer durch die Schankstube, um sich schluchzend dem schützenden Offizier zu Füßen zu werfen und seine Stiefel zu umklammern. Da wird ins Publikum räsoniert oder als Schlussbild einer Szene steht die betrogene Geliebte an der Rampe, blickt wehmütig übers Publikum und presst eine Hand an ihre Brust. Insofern: Passt schon alles.

Umgebaut wird bei gedämpftem Licht auf offener Bühne, die Schauspieler packen sichtbar mit an. Bevor das große Licht angeht, kann das Publikum beobachten, wie die Positionen eingenommen werden. Und es gibt recht viele Szenenwechsel. Ins Fließen kommt das Stück dadurch nicht. Es hat etwas Demonstratives: Seht her, wir zeigen euch, wie es damals in Schranden zuging!

Als Bühnenautor gehörte Sudermann in die Nähe des Naturalismus, einer kurzen Strömung in der deutschen Literaturgeschichte, deren Anliegen es war, dem Publikum vor Augen zu führen, wie es beispielsweise in den Stuben der einfachen Leute aussah, welche Dramen sich dort abspielten, angeheizt von widrigen äußeren Umständen. Diese Linie greifen Bearbeiter Neufeldt und Regisseur Falkhausen auf. Das Premierenpublikum beklatschte die schwere Kost ausgiebig, sogar Szenenapplaus gab es immer wieder. Weitere Vorstellungen: an den kommenden Sonntagen jeweils um 16 Uhr in der Dittchenbühne; Infos im Internet unter dittchenbuehne.de.

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erstellt am 29.Feb.2016 | 16:30 Uhr

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