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Elmshorner Nachrichten

26. März 2017 | 20:59 Uhr

Pferdezucht ist ein hartes Geschäft

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Holsteiner Familie Ahsbahs hat viel Erfahrung

Pferdezucht hat im Norden des Kreises Pinneberg eine lange Tradition. In Bokel sind es vor allem Hans-Joachim und seine Tochter Deike Ahsbahs, die mit ihrem Morgenländer Hof diesen selten gewordenen Berufszweig am Leben halten. Wobei die Zucht längst schon nicht mehr als alleiniger Erwerbszweig ausreichen würde. Obwohl sich die Ahsbahs weit über die Region hinaus einen Namen gemacht haben, ist es ihre Zuchtstutenpension, die das Geschäft am Laufen hält. „Ohne Pension wären wir pleite“, gibt der 68-jährige Senior-Chef zu.

Gerade hat die Saison mit der Geburt des ersten Fohlens so richtig begonnen. „Die Hochzeit ist von März bis Juni“, erklärt Hans-Joachim Ahsbahs, den alle nur Jochen nennen.

Im vergangenen Sommer hat er die Zügel des Hofes in die Hände seiner Tochter Deike übergeben. Seither hat sie das Sagen. Wobei Hans-Joachim Ahsbahs weit davon entfernt ist, sich aufs Altenteil zurückzuziehen. „Ich mache die Aufzucht, meine Tochter kümmert sich vor allem um die Springpferde“, erklärt er die Arbeitsteilung.

95 Prozent der Morgenländer Holsteiner-Zucht seien Springpferde. „Eben, weil Holsteiner damit immer gleichgesetzt werden.“ Seit sieben oder acht Generationen züchten Ahsbahs bereits Pferde. Jochens Vater stammt aus Grevenkop, den Morgenländer Hof brachten seine Großeltern mütterlicherseits ins Familienerbe ein.

Die Liste der sportlichen Erfolge ist lang. Als erstes nennt Jochen Ahsbahs den Hengst Montevideo, der von der Morgenländer Stute Afrika abstamme. Montevideo wurde knapp ein Jahrzehnt lang von Uwe Sauer geritten, der mit dem Pferd zweimal Mannschaftsweltmeister wurde und 1984 in Los Angeles auf Montevideo zu der Equipe gehörte, die den Olympiasieg holte. „Wir haben Montevideo als Fohlen verkauft“, erinnert sich Ahsbahs. „Für gerade einmal 4500 Mark.“ Ein weiteres Vorzeigepferd des Hofes ist Quintero. Den Hengst verkaufte Ahsbahs als Fohlen an den Holsteiner Verband, wo er zu einem der besten Sporthengste der jüngeren Vergangenheit heranwuchs. „Es ist wichtig, dass man sich in diesem Geschäft einen Namen macht“, unterstreicht Ahsbahs die Bedeutung sportlicher Triumphe.

In den Ställen des Morgenländer Hofes stehen aktuell etwa 20 Pensionsstuten. Die Besitzer kommen aus Hamburg, aber auch aus der Schweiz und den USA. Die Pension ist das wirtschaftliche Hauptstandbein der Ahsbahs. „Mit Pferden kann man aus einem großen Vermögen ganz schnell ein kleines machen“, betont Deike die Tücken des Geschäfts.

Die Fohlen des Hofes würden ab dem sechsten Lebensmonat verkauft. Solange die Tiere in Bokel leben, genießen sie eine fast grenzenlose Freiheit. Rund um den Hof liegen die Weiden, auf denen die Pferde ihr Zuhause haben. „Die Pferde können das ganze Jahr über draußen bleiben“, erklärt Jochen Ahsbahs. „Den Pferden geht es draußen am besten“, versichert auch die 34-jährige Deike Ahsbahs. Tägliche Bewegung sei ohnehin das A und O. Über die Jahre haben sich Ahsbahs zu wahren Pferdeexperten entwickelt. 30 Jahre lang gehörte Jochen Ahsbahs der Körkommission an. 2016 war aus Altersgründen Schluss. Als Vorsitzender musste er das Amt in jüngere Hände übergeben.

Pferdezucht: „Es ist schon viel Idealismus dabei“, erklärt Deike Ahsbahs, die sich „ganz nebenbei“ auch noch um ihre eineinhalbjährige Tochter Stine kümmern muss. Jedoch: „Ist es nicht schön, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann?“.

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