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Elmshorner Nachrichten

08. Dezember 2016 | 09:06 Uhr

„Es wird sich alles fügen“ : Pastorin Frauke Piepenburg verlässt die Emmausgemeinde

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Porträt: Pastorin Frauke Piepenburg verlässt die Emmausgemeinde. Aus- und Einsegnung ist am 2. Advent in der Thomaskirche.

Elmshorn | In dieser Rubrik stellen wir Menschen vor, die in der Region Elmshorn leben und/oder hier berufstätig sind. Sie erlauben Einblicke in ihr Leben und sind unsere „Menschen am Montag“

Sie kann zuhören, ist einfühlsam, aufmerksam und behandelt jeden Einzelnen wertschätzend: Die Liste der Adjektive, mit denen Menschen Pastorin Frauke Piepenburg beschreiben, könnte noch um einiges verlängert werden. Man mag sie und so wird es sicher viele betrüben, dass sie zum 30. November ihre Emmaus-Kirchengemeinde verlassen wird. 28 Jahre lang hat sie in der Thomaskirche und nach der Fusion dann auch „in Stift“ seelsorgerisch gearbeitet. „Und das werde ich auch weiterhin“, meint die 57-Jährige, doch es sei Zeit, noch einmal eine neue Herausforderung anzunehmen. Das heißt in ihrem Fall, eine übergemeindlich angesiedelte halbe Pfarrstelle für Seniorenarbeit anzunehmen (vorher durch den in den Ruhestand gegangenen Pastor Johannes Roos besetzt). „Ich werde in Elmshorn Ansprechpartnerin für die Senioren und Mitarbeiter im Lindenpark, Haus Flora und der Awo-Wohnpflege sein“, meint sie. Dazu gehöre es, zwei Mal im Monat Andachten zu halten, an festen Tagen in jeder Einrichtung für Gespräche zur Verfügung stehen und sich – wie auch immer der Bedarf sein wird – in die Seniorenbetreuung einzubringen. „Es wird sich fügen“, meint sie – ein Spruch, der sie ihr berufliches Leben lang begleitet und stets Zuversicht und Halt gegeben hat.

Aufgewachsen ist Frauke Piepenburg in Tornesch. In Uetersen besuchte sie die Schule, studierte in Hamburg Theologie. Bis auf ein Gastsemester in Tübingen sei sie dem Norden also immer verbunden und treu geblieben, meint sie. Nach dem Vikariat in Lübeck bekam die junge Pastorin ihre erste Stelle in Elmshorn an der Thomaskirche. „Und hier bin ich seit 28 Jahren immer noch“, meint sie mit ihrem leisen Lächeln. 1990 bezog sie mit ihrem Mann – er ist Pastor in Barmstedt – das Haus neben der Kirche an der Breslauer Straße. Dort wuchsen ihre Kinder Jannik, Marieke und Inka auf, dort ist sie eng verwurzelt. Ob Kindergarten- oder Seniorenarbeit, Andachten ausarbeiten, Geburtstagsbesuche machen, kreative oder organisatorische Arbeiten in der Kirchengemeinde begleiten: Frauke Piepenburg liebt es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, deren persönliche Biografie erzählt zu bekommen und sie in einen geschichtlichen Kontext einzuordnen. Gemeinsam im Team etwas gestalten, Impulse geben, möglichst viele Menschen – „mit allen Ecken und Kanten die sie haben“ – zum Mitmachen animieren, das ist ihr Ding.

Als besonders intensiv hat sie die Zeit der Fusion von Thomas- und Stiftgemeinde im Jahr 2013 in Erinnerung. „Das war ein hartes Stück Arbeit, denn es gab große Ängste und Widerstand unter den Menschen.“ Dass alles friedlich über die Runden ging und hoffentlich auch nachhaltig wirkt, ist ihr großer Wunsch. Auch bei „Kirchens“ müsse man Kräfte bündeln, weiß sie, aber das Wichtigste sei es, dass Menschen ihr Gotteshaus, ihren Kirchturm und ihre Pastoren als stabile, verlässliche, vertrauensvolle Konstante vor Ort wissen.

Am Sonntag, 4. Dezember, 16 Uhr, wird Pastorin Frauke Piepenburg  in der Thomaskirche  bei einem festliche Gottesdienst mit viel Musik von Propst Bergemann von den Gemeindeaufgaben entpflichtet und anschließend von dessen Stellvertreter Torsten Becker in ihre neuen Aufgaben eingeführt. Wer sich mit einem Wortbeitrag oder auf andere Weise verabschieden möchte, sollte sich vorher im Kirchenbüro unter der Rufnummer 04121-83900 melden.

Frauke Piepenburg fällt der Abschied von ihrer Kirchengemeinde sichtlich schwer. Es liegt ein neuer Lebensabschnitt vor ihr: Die Kinder sind aus dem Haus, der Umzug mit Ehemann Klaus-Dieter in ihr Tornescher Elternhaus mitsamt den vorab nötigen Umbaumaßnahmen steht an, die neue berufliche Orientierung – vieles ist noch unklar, doch „es wird sich alles fügen“.

„Alle sind traurig, wenn Frauke Piepenburg nun neue Wege gehen wird“, sagt Kirchengemeinderatsmitglied Friedrich Mönkehaus. Bei ihren Gottesdiensten sei immer zu spüren gewesen, dass ihre Botschaft aus dem Herzen kommt. „Sie strahlt eine ganz große Glaubwürdigkeit aus und bei vielen Gesprächen mit Gemeindemitgliedern hörte ich immer wieder, wie behutsam sie mit Menschen umgeht, sie ernst nimmt, stärkt und tröstet.“ Sie leite souverän, arbeite gern im Team und stelle sich dabei nie in den Mittelpunkt. Bemerkenswert sei auch ihre feministisch angehauchte Theologie, erklärt der Prädikant, aber nie mit der Brechstange doch zur Zeit ihres Beginns in der Gemeinde durchaus bemerkenswert und für einige „Altgediente“ nicht immer einfach.

Sie habe Musik und Kunst häufig in die Gottesdienste mit einbezogen – so auch unter dem Motto „Singen und Schweigen“, einer alternativen Form des Gottesdienstes, in dem die Predigt nicht die dominante Rolle spielt. Mönkehaus hebt die integrative Arbeit der Pastorin bei der Zusammenführung der Kirchengemeinden auf, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges (Thomaskirche) und 125-jähriges Bestehen (Stiftskirche) feiern durften.

„Aus Sicht eines dankbaren Wegbegleiters“ verabschiedet sich Günter Szameitpreiks, stellvertretender Gemeinderatsvorsitzender der Emmauskirchengemeinde, mit Erinnerungen an eine Reise einiger Kirchenvorstandsmitglieder: „Wir wollten Rom erleben, erfühlen, Gemeinschaft erfahren. Wir haben miteinander Geschichte lebendig werden lassen und die Gegenwart eingeatmet. Wir haben aber auch in klösterlicher Geborgenheit über den Dächern Roms Andacht gehalten. Und in allem und über allem Frauke Piepenburgs unendliche Einfühlsamkeit erfahren und die Botschaft gehört, die mitten aus ihrem Herzen kam, über Gottes Liebe zu den Menschen. Dafür und für vieles, vieles mehr sei ihr an dieser Stelle gedankt.“

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