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Elmshorner Nachrichten

04. Dezember 2016 | 15:24 Uhr

Alsan : Päckchen-Margarine in Bestform

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

3500 Tonnen verkauftes Streichfett im Jahr – Für das Horster Familienunternehmen Alsan läuft es dank innovativer Verpackungsidee wie geschmiert

Eigentlich war Volker Struves Idee simpel. Seine Frau Heidekatrin hatte Anteile an einer Margarinefabrik geerbt, zwei externe Geschäftsführer hatten vor allem Schulden hinterlassen und der Besitzer eines Fotostudios in Elmshorn sollte die Fabrik in Hahnenkamp jetzt retten. Sein Einfall: Er verpackte die Margarine in rechteckige Halbpfund-Päckchen in Folie – wie Butter.

Die Idee funktionierte. Bis heute ist Alsan die einzige Margarine, die wie Butter daherkommt. Mit drei Produktlinien – normaler Margarine, Bio-Margarine und einer fettreduzierten Variante – erzielt Alsan rund acht Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Zwölf Mitarbeiter sorgen in Horst dafür, dass rund 3500 Tonnen Margarine pro Jahr in ganz Deutschland und in Österreich verkauft werden.

Vorher musste Volker Struve in den späten 1960er Jahren mit seiner Verpackungsidee allerdings noch eine hohe Hürde nehmen: Es war gesetzlich verboten, Margarine wie Butter verpackt anzubieten. Struve löste das Problem bauernschlau: Er packte vier Päckchen in einen Karton als Verkaufsverpackung. Diese Kilo-Kartons sind im Laden unpraktisch, aber der Vertrieb lief damals hauptsächlich über selbstständige Vertreter. Die klapperten vor allem Betriebe ab und verkauften aus rollenden Kiosken. „Das ging ganz gut, die Firma erholte sich“, berichtet Jan Struve, der Sohn Volker Struves und heute geschäftsführender Gesellschafter bei Alsan.

Als er die Leitung Anfang der 1990er Jahre übernahm, stand er vor einem ähnlichen Problem wie sein Vater: Die Wirtschaft schwächelte. Aber es gab auch eine große Erleichterung: Das Gesetz, das den Margarine-Verkauf im Ziegel verbot, war abgeschafft. Jan Struve fuhr in die Supermärkte und pries sein regionales Produkt an. „Es war letztendlich gar nicht so schwierig“, erinnert er sich. Heute ist Alsan in den wichtigen Ketten gelistet, nur die Discounter führen die Horster Margarine nicht. „Wir sind eine der wenigen Fabriken, die das konzernunabhängig als Familienbetrieb machen.“

Mitte der 1990er kam Struve eine andere Entwicklung zu Hilfe: Naturkostmärkte entstanden. Die Horster stellten als eine der ersten Fabriken Bio-Margarine her, die heute rund 50 Prozent des Umsatzes ausmacht. Auch die konventionelle Margarine hat Eigenschaften, die in die Zeit passen: Als reines Pflanzenprodukt ist sie für vegetarische und vegane Ernährung geeignet, für Allergiker ist interessant, dass sie ohne Milchprodukte hergestellt wird. Ursprünglich wurde das Produkt vor allem zum Backen vermarktet und als günstiger Butter-Ersatz. Die Backschiene verfolgt Struve inzwischen nicht mehr: Der Preiskampf hat ihm das Geschäft verdorben.

Das Design der Margarine-Ziegel hat sich in den vergangenen 40 Jahren kaum verändert. Das Rezept ist ebenfalls im Grunde einfach: Palmfett, Kokosfett, Rapsöl und Wasser werden mit Hilfe eines Emulgators zu einer streichfähigen Masse vermengt. Geschmacksvarianten wie bei Butter gibt es kaum: „Kräuter und Geschmacksrichtungen funktionieren bei Margarine nicht“, resümiert Jan Struve.

Angefangen hat die Alsan-Geschichte 1938 in Elmshorn. Damals taten sich ein Molkerei-Fachmann, ein Chemiker, ein Kaufmann und ein Bauer zusammen und gründeten eine Margarinefabrik. Die Anteile an der Alsan Werk Johs. Thormählen GmbH Co. KG, so der offizielle Name, liegen bis heute bei den vier Familien. Im Zweiten Weltkrieg brach die Produktion ein, danach lief sie schleppend wieder an. Bis 1966 führte der Kaufmann aus dem Gründungsteam, Johannes Thormählen, die Geschäfte. Er kaufte auch das Grundstück in Hahnenkamp und baute die neue Fabrik, aber als er 1966 starb, stand die Firma ohne Geschäftsführer da – bis Volker Struve kam, dessen Frau die Enkelin von Richard Frahm, des Molkerei-Experten aus der Gründungszeit, war. „Er war der einzige, dem man zutraute, den Karren aus dem Dreck zu ziehen“, so sein Sohn. Der hat sein Unternehmen inzwischen so organisiert, dass er nicht jeden Tag dort sein muss. Und wenn Jan Struve aus Hamburg rausfährt zur Fabrik, dann tut er das per Fahrrad oder mit der Bahn.

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