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Elmshorner Nachrichten

08. Dezember 2016 | 03:12 Uhr

Neuendorf : Nun klingt die Orgel wieder richtig gut

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Nach rund acht Jahren wurde die Sanierung des 250 Jahre alten Instruments in der Neuendorfer Trinitatis-Kirche abgeschlossen.

Neuendorf | „Das ist eine echte Bereicherung der schleswig-holsteinischen Orgellandschaft“, schwärmte Kristian Schneider. Der Elmshorner Schneider ist Kirchenkreis-Kantor in Rantzau-Münsterdorf und hat sich dafür engagiert, dass in Neuendorf eine ganz besondere Orgel zu neuem Leben erweckt wurde. Wie gut das mehr als 250 Jahre alte Instrument in der Trinitatis-Kirche klingt, demonstrierte er gemeinsam mit dem Neuendorfer Organisten Stefan Haack beim Orgelfest zur Feier der Sanierung.

„Wir sind so stolz, dass wir sie haben“, sagte Neuendorfs Pastor Frank Petrusch. Hinter ihm hing eine Leinwand von der Empore, auf die projizierte er Bilder von der Restaurierung. Neben dem Rednerpult standen viele Thermoskannen mit Kaffee und ein üppiges Kuchenbuffet. Alles zu Ehren der Orgel, die Matthias Schreiber 1759 in Neuendorf fertig gestellte und die jetzt, nach diversen Eingriffen, wieder klingt wie damals.

Die Sanierung der Neuendorfer Orgel steckte voller Schwierigkeiten, das verdeutlichte Petrusch in seinem Rückblick. Angefangen hatte alles vor acht Jahren mit der Feststellung, dass die Orgel schimmelte. Der Kirchenvorstand beschloss, vor der Orgelsanierung noch den Fußboden im Altarraum neu zu verlegen, damit der Bau-Staub nicht ein frisch gereinigtes Instrument gleich wieder beeinträchtige. Aber was sich einfach anließ, wurde langwierig, als das Denkmalschutzamt sich einschaltete: Es dauerte sieben Jahre, bis der neue Fußboden verlegt war. Zeit, in der die Orgel „vor sich hin kümmerte“, erklärte Petrusch.

Aber: „Dann kam Herr Schneider“, Petrusch lobte das Engagement des Kirchenkreis-Kantors, der die Reparatur vorantrieb. Eine weitere Verzögerung konnte allerdings auch Schneider nicht verhindern: Als die Orgel eigentlich fertig war – das heißt: auseinander gebaut, zum Orgelbauer in die Niederlande transportiert, dort repariert und gestimmt, zurückgebracht nach Neuendorf und wieder aufgebaut –, hörte Orgelbauer Dick Koolmanns beim Probespielen vor allem: „Pfft“. Dichtungsringe waren porös, ein Schaden, der vorher nicht zu entdecken war. Also alles nochmal auseinander bauen, neue Dichtungsringe anfertigen und einsetzen. Ein Bild, das die Innereien der Orgel ausgebreitet zeigt, kommentierte Koolmanns in Neuendorf mit seinem niederländischen Akzent angesichts der damals bevorstehenden Arbeit: „Wenn man das zum ersten Mal sieht, wird man müde“.

Orgelbauer Dick Koolmanns erklärte den Besuchern seine umfangreichen Arbeiten an der Neuendorfer Orgel.
Orgelbauer Dick Koolmanns erklärte den Besuchern seine umfangreichen Arbeiten an der Neuendorfer Orgel. Foto: Roolfs

Eine Orgel restaurieren ist offenbar eine Arbeit, bei der auch Fachleute immer wieder Überraschungen erleben. Koolmanns berichtete von Bauteilen, die auch in verschiedenen Kombinationen und gedreht und vertauscht nicht recht zueinander passen wollten. Die Orgelbauer stellten schließlich fest, dass die Teile sich gar nicht exakt fügen sollten: „Obwohl es nicht passt, klingt es doch.“ Das betreffende Register, die Viola da Gamba, klingt eher zart und braucht gar nicht den vollen Luftstrom, da macht es nichts, wenn die entsprechenden Löcher nicht genau aufeinander stehen.

Dass die Neuendorfer Orgel etwas Besonderes ist, merkten manche Besucher schon beim Eintreten in die Kirche: Tür in der Seitenwand, Altar beim Eintreten links, also wanderten die Augen automatisch an die rechte Stirnwand, denn meistens sind die Instrumente gegenüber vom Altar aufgestellt. Aber in Neuendorf findet sich an dieser Stelle nur eine Empore. Die Orgel befindet sich über der Eingangstür, aufgeständert an der Seitenwand. Diese Bauweise ergab sich, weil an der Stirnseite des Kirchenraums kein Platz für das gewünschte große Instrument mit 21 Registern war.

Pastor Frank Petrusch wünschte der sanierten Orgel viele Zuhörer.
Pastor Frank Petrusch wünschte der sanierten Orgel viele Zuhörer. Foto: Roolfs

Schon der Bau der Orgel verzögerte sich im 18. Jahrhundert, berichtete Petrusch. Sturmfluten verhinderten den Bau, und die Finanzierung wurde zu einem diplomatischen Streit, den schließlich der dänische König entscheiden musste. Teuer ist die Neuendorfer Orgel jetzt wieder geworden: Knapp 100.000 Euro kostete die gesamte Sanierung. Gut 46.000 Euro sind schon an Spenden eingelaufen. Den Optimismus der Neuendorfer, den Rest gesammelt zu bekommen, illustrierte Frank Petrusch mit der Reaktion auf die erste Rechnung in Höhe von rund 70.000 Euro: „Das schaffen wir, wir haben ja schon 6.000 Euro.“

Und wie klingt sie nun? „Super“, Kantor Kristian Schneider war begeistert. Die offizielle Premiere an der sanierten Orgel spielte der Neuendorfer Kirchenmusiker Stefan Haack, danach führte Schneider den neuen alten Klang vor. Seit einem Rückbau in den 1980er Jahren klingt die Neuendorfer Orgel wie beim Bau 1759. „Ungleich schwebende Stimmung“ lautet der Fachbegriff für die mühsame Arbeit beim Stimmen des Instruments, die Orgelbauer Koolmanns Detektivarbeit abverlangte, bis er ein historisches Stimmungssystem fand, das zum Neuendorfer Instrument passt. Schneiders Fazit: „Das ist wirklich eine Perle.“

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erstellt am 20.Apr.2016 | 17:00 Uhr

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