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Elmshorner Nachrichten

05. Dezember 2016 | 09:34 Uhr

Konzept zur „zivilen Verteidigung“ : Mit Video: Elmshorner streiten um Hamsterkäufe

vom

Bürger sollen sich in den heimischen vier Wänden einen Lebensmittelvorrat anlegen, um für Krisenfälle gerüstet zu sein. Nudeln, Fischdosen und Mineralwasser horten? shz.de hat nachgefragt.

Elmshorn | Timo Labusch packt zwei Kisten Cola, eine Kiste Wasser und ein paar Süßigkeiten in seinen Kofferraum. Kein Großeinkauf. Er ist öfter im Supermarkt, kauft für den täglichen Bedarf ein, nicht auf Vorrat. Das könnte sich ändern. Der 36 Jahre alte Elmshorner findet es „grundsätzlich richtig“, dass die Bundesregierung den Bürgern empfiehlt, einen Vorrat an Lebensmitteln und Getränken privat anzulegen, um sich in Krisenfällen bis zu zehn Tage selbst versorgen zu können. „Wir leben seit Jahrzehnten völlig sorglos. Die Situation kann sich in der heutigen Welt aber schnell ändern“, sagt der 36-Jährige. Labusch will sich den Vorstoß der Bundesregierung zu Herzen nehmen.

Am Mittwoch, ausgerechnet am Tag der Konserve, stellte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) das neue Konzept zur „zivilen Verteidigung“ vor. Ein Kernpunkt ist die Eigenvorsorge der Bevölkerung für mögliche Ernstfälle – Naturkatastrophen, Terrorangriffe oder Cyberangriffe –  zu verbessern. Eine Aufforderung zu Hamsterkäufen, kritisierten die Gegner des Konzeptes.

Hartmut Laß aus Klein Nordende wird sein Einkaufsverhalten nicht ändern. „Diese ganze Aktion ist Humbug“, sagt der 81-Jährige. Er habe immer etwas zu Hause, um ein paar Tage ohne Einkäufe zu überleben. „Getränke für 20 Jahre“, spottet er. Laß fürchtet, dass Lebensmittel, die auf Vorrat gekauft werden, am Ende dann doch im Mülleimer landen.

Meinungen gehen auseinander

Nudeln, Zwieback, Haferflocken, Fischdosen, Trockenobst, Kaffeepulver und Mineralwasser in den heimischen vier Wänden horten? Die Meinungen über die Vorratshaltung gehen weit auseinander. Elmshorns Stadtrat Dirk Moritz will aus Sicht der Stadt auch keine generelle Empfehlung an die Bürger richten. „Das ist eine ganz individuelle Entscheidung der Menschen.“ Er persönlich sieht Schleswig-Holstein nicht von Erdbeben und Großbränden bedroht. Der Stadtrat fürchtet auch, dass die Gefahr besteht, dass Lebensmittel weggeworfen werden.   

 

Bedrohung, Angst? Karl Heinz Alf schüttelt energisch den Kopf. „Aber vorbereitet zu sein, ist richtig“, betont der Elmshorner. Der 65-Jährige wird in Zukunft „ein bisschen mehr einkaufen“ als bisher. Auch Rahima Nesimovic hält das Vorgehen der Bundesregierung für richtig. Die 51-Jährige kommt aus Bosnien-Herzogowina, hat dort den Krieg miterlebt und weiß genau, wie das Leben in Extrem- und Krisensituationen aussieht. „Es ist wichtig, immer einen größeren Vorrat an Lebensmitteln zu Hause zu haben. Es kann zu Situationen kommen, in denen man seine Wohnung nicht verlassen kann.“

Sabine Hofmann fragt sich, ob das Konzept wirklich durchdacht ist. „Wenn jetzt alle ad hoc ihre Vorräte anlegen, sind die Regale bald leergeräumt.“ Trotzdem: Die 55-Jährige macht sich schon ihre Gedanken. Für eine knappe Woche habe sie meistens Lebensmittel zu Hause. Bei der fünfköpfigen Familie ist der Großeinkauf eher der Regelfall. Verändern werde sie ihr Einkaufsverhalten vorerst nicht.

Ratschläge gibt es seit  Jahren

Die Diskussion um Hamsterkäufe kochte bundesweit hoch. Dabei rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz seit langem, sich Zuhause Vorräte an Trinkwasser und Nahrungsmitteln zuzulegen, am besten auch ein batteriegetriebenes Radio für den Fall des Stromausfalls. Im Internet sind detaillierte Listen mit Tipps für den Katastrophenfall zu finden.

Der Elmshorner Tim Busse empfindet das Thema als aufgebauscht. „Ich fühle mich nicht bedroht und mit meinen Lebensmitteln komme ich auch für zwei Wochen über die Runde.“

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erstellt am 25.Aug.2016 | 08:00 Uhr

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