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Elmshorner Nachrichten

04. Dezember 2016 | 13:23 Uhr

Milchpreise verursachen Armut

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Meierei Horst Besuch aus Burkina Faso

Die Meierei Horst erhielt am Mittwoch Besuch von einer zweiköpfigen Delegation aus dem westafrikanischen Staat Burkina Faso, früher: Obervolta. Es handelte sich dabei um Mariam Diallo, Präsidentin der Kleinmolkereien ihres Landes, sowie um René Millogo: Er leitet die Misereor-Partnerorganisation Plate-forme d’Actions à la Sécurisations des Ménages Pastoraux (PASMEP).

Beide hielten sich im Auftrag von Misereor eine knappe Woche in Deutschland auf, die ausgefüllt war mit Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen in Fachschulen zum Thema „Auswirkungen der Milchimporte auf die heimische Wirtschaft“ sowie mit Besichtigungen von konventionellen und Bio-Betrieben. Begleitet wurde sie dabei von Christoph-Robert Lutze, Mitglied im Landesteam des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter (BDM).

Die Besucher aus Burkina Faso zeigten sich stark interessiert an dem Horster Betrieb, dessen verschiedene Bereiche sie während eines Rundgangs kennenlernten. Im Anschluss daran fand ein Gespräch mit dem Vorstand der Molkerei statt, bei dem es unter anderem um das Projekt „Fairer Handel“ ging, das die Meierei Horst entschieden unterstützt. Außerdem erhielten die Gäste wissenswerte Informationen über die konventionelle und Bio-Produktion des Betriebes sowie über dessen Vermarktungswege und Anforderungen an die Produzenten. Nach dem Meiereibesuch ging es weiter zum Hof Dannwisch, wo die Delegation die perfekte Kreislaufwirtschaft und den integrierten Laden bewunderte.

Hintergrund des Besuchs ist, dass die europäischen Firmen Milchpulver in Burkina Faso zu einem äußerst niedrigen Preis vertreiben können. „Es kommt dort für etwa 25 Cent an“, so Lutze im Gespräch mit dieser Zeitung. „Dies ist nur deshalb möglich, weil der Erzeugerpreis beispielsweise in Deutschland durch das zu große Überangebot so niedrig ist. Die Bauern hier erhalten nur einen Preis um 22 Cent.“

In Burkina Faso müssen die Frauen von der Milch ihre großen Familien ernähren und die Schulausbildung ihrer Kinder bezahlen: Eine Alternative zu ihrer Produktion haben sie nicht. Wenn sie aufgrund des billigen Milchpulvers nichts mehr verkaufen können, bedeutet es Hunger und Elend. Deshalb forderten die Afrikaner eine höhere Besteuerung der Milchpulverimporte von fünf auf 35 Prozent und zudem, das Überangebot an Milch in Europa zurückzufahren: Dies soll zur Entlastung der weltweiten Märkte führen.


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erstellt am 06.Okt.2016 | 12:23 Uhr

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