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Elmshorner Nachrichten

06. Dezember 2016 | 18:53 Uhr

„Mein Glaube wurde stets respektiert“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Porträt Matthias Röhl ist Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage / Er berichtet über sein Leben als Mormone

In dieser Rubrik stellen wir Menschen vor, die in der Region Elmshorn leben und/oder hier berufstätig sind. Sie erlauben Einblicke in ihr Leben und sind unsere „Menschen am Montag“

Sie sind Christen, glauben an Gott, besuchen sonntags den Gottesdienst und feiern das Abendmahl – und doch erscheinen die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage – oder kurz: Mormonen – als Exoten, die ihren Glauben doch in vielem anders leben als „man“ es hierzulande kennt. Matthias Röhl ist einer von ihnen.

Ihr seid das doch, die Leute an der Haustür bekehren wollen, Tee und Zigaretten ablehnen und in Vielweiberei leben? – Solche Fragen werden dem Bankfachwirt häufig gestellt und er geht entspannt damit um: „Ja, wir missionieren bei unseren weltweiten Einsätzen, und nein, die Polygamie wurde 1890 beendet.“ Außerdem lebe man nach einem Gesundheitskodex, der aufputschende, abhängig machende Dinge ablehne. Dazu gehöre beispielsweise Kaffee, schwarzer Tee oder Zigaretten.

Seit 2001 haben die zurzeit 157 Gemeindemitglieder ihr eigenes Gotteshaus am Ramskamp, finanziert durch die weltweite Kirche der Mormonen und aus Spendengeldern von Mitgliedern, die keine Kirchensteuern zahlen, aber freiwillig einen Zehnten ihres Einkommens abgeben. Der Andachtsraum ist mit Stühlen eingerichtet, anstelle eines Altars gibt es ein Podium mit Mikrofon. Gemeindemitglieder können dort sonntags – vom Kind bis zum Greis – , leicht erhöht sitzend, zu Themen über Gott und die Welt sprechen.

Ein Kreuz wird man in keinem Raum finden. „Wir glauben, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist und wir durch sein Sühneopfer von unseren Sünden erlöst werden“, erklärt Röhl. Anstelle von Predigten gibt es bei den Mormonen Ansprachen, statt des Pastors einen Gemeindepräsidenten. Neben dem schulischen Religionsunterricht besuchen die Jugendlichen die Sonntagsschulen der Kirche Jesu Christi, in der sie alles um die Grundlagen der Bibel und dem Buch Mormon lernen. Außerdem haben sie mehrmals in der Woche Religionsunterricht.

Die einzelnen Gemeindemitglieder nehmen (rotierend) unterschiedliche Aufgaben war, arbeiten als Jugendleiter, betreuen die Frauengruppe, sind für die Kinderbetreuung verantwortlich oder unterrichten. „Wir sind alle nicht vollkommen, haben aber an uns den Anspruch, unsere Arbeit möglichst gut zu machen“, sagt Röhl. Gemeindemitglieder kümmern sich umeinander, Alleinstehende werden von der Gemeinschaft betreut.

Der siebte Tag der Woche ist für Röhl ein „Wonnetag“ an dem er möglichst nicht arbeitet. „Ich würde auch zu keinem verkaufsoffenen Sonntag gehen oder zum Tanken fahren“, erklärt er. So intensiv seinen Glauben zu leben, bedeutet für ihn viel. Aus einem gläubigen Elternhaus kommend, fühlt er sich von Kindesbeinen an der Mormonengemeinschaft verbunden und versucht, dies auch an seine sechs Kinder weiterzugeben – doch gestehe er jedem zu, das zu leben, was er für richtig hält. „Ich wurde für meinen Glauben stets respektiert und meine Freunde haben mich eher bestärkt als herausgefordert“, erinnert er sich an seine Schulzeit an der KGSE. Nach dem Abitur war Matthias Röhl, wie viele junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren, für zwei Jahre als Missionar unterwegs. Missionieren ist bei den Mormonen gern gesehen, wird aber nicht erzwungen. „In der Zeit sollte man möglichst nicht nach zu Hause zurückkehren, sondern weltweit unterwegs sein und gedanklich für andere Menschen da sein“, erklärt Röhl. Er hatte mit Zeitungsaustragen Geld zusammengespart und suchte im kanadischen Torrnto das Gespräch mit Menschen um mit ihnen über Gott und den Glauben zu reden. „Missionieren ist ein Dienst, der einem hilft zu reifen. Man lernt zu geben und zu verzichten“, meint er.

Wieder zurück in der Heimat, lernte er seine Frau kennen. Sie gehört ebenfalls den Mormonen an. Doch „Andersgläubige“ zu heiraten sei bei den Christen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage kein Problem, meint Matthias Röhl. Die Hochzeit im Tempel ist für Mormonen sehr wichtig. Davon gibt es in Europa nur wenige, und so finden meist große Familienreisen zu diesen Anlässen nach Frankfurt, Kopenhagen, Freiberg sowie in die Niederlanden oder die Schweiz statt. „Wir binden uns für alle Zeit und Ewigkeit“, erklärt Röhl mit dem Hinweis, dass Mormonen sexuelle Beziehungen nur innerhalb der Ehe gutheißen.

Ob sich alle Mormonen daran halten? Ihren Zehnten zahlen? Den Sonntag und die Familie ehren? Röhl schmunzelt. „Das muss jeder für sich selbst herausfinden, ob es der Weg ist, den man gehen möchte.“ Es wäre schön und ehrenhaft, doch inwieweit jeder seinen Glauben im täglichen Leben umsetzt, muss er für sich selbst entscheiden.“

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erstellt am 01.Aug.2016 | 16:00 Uhr

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