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Elmshorner Nachrichten

03. Dezember 2016 | 14:47 Uhr

Kunstvolle Theater-Improvisation

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kranhaus Hamburger Gruppe „Luv und Lee“ überzeugen mit Spontaneität und kreativem Humor / Gelungene Premiere

Das Spiel lebt davon, dass die Schauspieler auf der Bühne spontan zufällige Sätze aus dem Publikum in ihr Spiel einbauen müssen. Diese Sätze passen aber überhaupt nicht in die Szene und das Ganze hangelt dadurch ständig an der Kante zum Absurden entlang und wird mit Gelächter gerettet. Besonders schön wird es zun Beispiel, wenn die Frau auf der Bühne den Mann wegen seines seidigen Haares anflirtet und er von seinem Spickzettel vorliest: „Sitzen meine Extensions?“, sprich: Haarverlängerungen. So ein unplanbares Glanzlicht bringt natürlich extra viel Applaus.

Die Schauspieler hatten im Kranhaus selbst immer wieder mit dem Lachen zu kämpfen, aber das machte den ganzen Abend nur um so lebendiger. Am Sonnabend gab es in dem Veranstaltungszentrum zum ersten Mal Improvisationstheater. Die Hamburger Gruppe „Luv und Lee“ trat auf, bestehend aus Mona Tawussi und Felix Schwarzkopf mit ihrem Pianisten Sebastian Reinhardt. Rund 50 Besucher waren gekommen und sie waren durchweg begeistert. „Sehr gut, sehr spritzig“, lobte Michael Prause aus Elmshorn bei seinem ersten Besuch eines Improvisationstheaters: „Es lebt einfach.“ Michaela Hans war zum ersten Mal überhaupt im Kranhaus und fand es „sehr lustig“. Für sie und ihren Begleiter Volker Hertel war der Abend ein Versuch, sich auf das Unbekannte im Kranhaus einzulassen. Der freie Eintritt machte die Entscheidung noch ein bisschen einfacher. „Wir haben es nicht bereut“, kommentierte Hans das Experiment. Sie lobte das Kranhaus: „Das Haus ist relativ gut gefüllt, so viel können die nicht falsch machen.“ Volker Hertel pflichtete ihr bei: „Das kann Elmshorn brauchen, mehr davon.“ Zur Gruppe „Luv und Lee“ sagte er: „Die machen das sehr gut.“

Improvisationstheater lebt von der Spontaneität der Darsteller. Tawussi und Schwarzkopf ließen sich Charaktere und Orte vom Publikum vorgeben, die Zuschauer beschrieben in der Pause Spickzettel mit Sätzen, die ad hoc ins Spiel eingebaut werden mussten. Leere Stühle mitten im Publikum wurden von ihnen als Überstieg in ein imaginäres Boot genutzt. Sie holten zwei Zuschauer, Sascha und Merit, auf die Bühne, die ihnen Stichwörter zurufen sollten. Die Freude am Spielen, das Vergnügen am ständigen Ritt auf der Rasierklinge, strahlten den beiden Schauspielern aus allen Knopflöchern. Der Spaß übertrug sich nahtlos ins Publikum, das die Aufführung mit so viel begeistertem Applaus bedachte, das Mona Tawussi ihre Zuschauer zwischendurch sogar bremsen musste.

Einen großen Anteil nahm die Musik ein. Mit Sebastian Steinhardt gehört ein Live-Pianist zum Ensemble. Mit seinem Instrument untermalte er die Vorstellung und trug viel zur Atmosphäre bei. Aber Tawussi und Schwarzkopf gaben auch immer wieder Gesangseinlagen. Da trauerte eine Frau mit einer Jazzballade um ihr Quietscheentchen oder sie trällerte als Frisörin ein Liedchen.

Im „Musikstile-Switch“ wurde die Musik sogar zum wichtigsten Stilmittel: Auf Zuruf des Pianisten sprangen die Darsteller in ein vorgegebenes Genre. Sie mussten die „Droge“ Islamoos im Stil afrikanischer Tänze besingen und im nächsten Moment zu Irish Folk wechseln.


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