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Elmshorner Nachrichten

08. Dezember 2016 | 15:24 Uhr

„Kunststoff wird es immer geben“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Firmenporträt Max Steier gründete das Unternehmen 1936 in Berlin / Exporte ins europäische Ausland und Übersee

Petra Czapla sitzt an einem Metalltischchen. Unter dem Tisch läuft ein endloses Band zu ihr hin: gelbe Folie, darauf befinden sich selbstklebende Kreise aus hellem weichem Material. Die Folie mit den Kreisen trennt sich vor Czapla von einer Trägerschicht, die als Ausschuss vor ihr auf dem Tisch aufgespult wird. Mit geübtem Blick kontrolliert Czapla, ob die kleinen Kreise mit einem Durchmesser von vielleicht drei Zentimetern korrekt ausgestanzt sind, inklusive einem kleinen Stückchen extra zum Anfassen und Abziehen. Wenn man das macht, löst sich das Innere des Kreises, übrig bleibt ein kleiner, selbstklebender Ring aus weichem Material: Das ist es, was der Kunde eigentlich braucht.

„Präzisionskontrolle bei einem Stanzling mit Innenausstanzung“ lautet die fachlich korrekte Bezeichnung für Czaplas Arbeit. Sie arbeitet in Kölln-Reisiek in einem der Werke der Max Steier GmbH & Co. KG. Das ist ein Elmshorner Familienunternehmen, das sich 1961 in die Nachbargemeinde ausdehnte. Steier verarbeitet Kunststoff in zwei Unternehmenszweigen: Steierplast stellt Ringbücher, Mappen, Hüllen, Namensschilder und anderes mit individuellem Firmenlogo her. Steierform produziert selbstklebende Spezialteile für die Industrie: Automobilhersteller, Elektroindustrie, Flugzeug- und Maschinenbau und andere.

Monika Dormann, bei Steier fürs Marketing zuständig, gibt ein Beispiel dafür, wo in modernen Produkten überall selbstklebende Kunststoffe verarbeitet werden: Hinter dem Display einer Waschmaschine verhindert eine transparente Folie das Beschlagen des Displays. Es gibt besondere Formen zum Verbinden, Abdecken oder weich Lagern. Die Elmshorner Ingenieure sind schon bei der Entwicklung dabei, wenn für ein neues Auto- oder Handy-modell festgelegt wird, wo in welcher Phase der Produktion was wie geklebt, gehalten oder verdeckt werden soll. Früher wurden die Ampelmännchen auf diese Weise hergestellt: Ihre Form wurde als Folie auf das Glas geklebt und das Glas gesandstrahlt: Unter der Folie blieb es klar, nach dem Abziehen konnte das Männchen leuchten.

Die Ursprünge der Firma reichen nach Berlin zurück: Dort gründete Max Steier 1936 eine Firma. In den Kriegswirren kam er nach Elmshorn, wo er Glucose und Zuckerderivate unter anderem an die Elmshorner Fleischwarenproduzenten verkaufte. Zum Abpacken seiner Waren setzte er auf das damals brandneue Material Polyethylen, einen Kunststoff aus den USA. Die Beutel passten jedoch nicht für seinen Bedarf, also fing er an, sie selbst zurechtzuschweißen – der Anfang der Kunststoffverarbeitung.

Die Firma ist noch heute im Familienbesitz; geführt wird sie von Michael Dormann und, in der vierten Generation, von Karl-Christian Dormann. 168 Beschäftigte arbeiten heute für Max Steier an zwei Standorten. Hauptsitz ist in einem Reetdachhaus am Elmshorner Steindamm, die neueren Werke stehen in Kölln-Reisiek.

Steier kauft weltweit Kunststoffe ein; Farbe, Materialstärke, Oberflächenbeschaffenheit und die Grundmaterialien werden dabei auf den jeweiligen Einsatzzweck abgestimmt. Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polyvinylchlorid (PVC) sind, rein oder in Kombinationen, die Standardmaterialien; seltener kommen Aluminium, Gewebe oder Kork zum Einsatz. Geliefert wird grundsätzlich in Rollen. Wenn das Material bereits selbstklebend ankommt, geht es direkt ans Schneiden und Stanzen der benötigten Form. Sonst wird der Kunststoff bei Steier mit einer Klebeschicht versehen und dann weiter verarbeitet.

„Kunststoff wird es immer geben“, da ist sich Monika Dormann sicher; viele Anforderungen ließen sich anders gar nicht erfüllen. Es gibt Versuche mit nachwachsenden Rohstoffen: Folien aus Mais. Bei Steier steht eine Maschine, die den besonderen Anforderungen dieses Materials gewachsen ist, aber noch ist das „zu teuer“, sagt Dormann. Und bei Steierform, dem Industrielieferanten, stelle sich die Frage gar nicht: Dort wird nach Kundenwunsch geliefert.

Steier exportiert einen großen Teil seiner Produktion hauptsächlich ins europäische Ausland. Aber auch nach Asien und Amerika gehen Lieferungen. „Schnell und präzise liefern, das richtige Material verwenden“, mit diesem Rezept lohnt sich die Produktion in Deutschland. Und mit Technikern, die für viele Probleme die richtigen Lösungen entwickeln, ob ein Material nun besonders stark haften soll, Säuren widerstehen oder Hitze aushalten muss. „Es bleibt immer spannend“, findet Dormann.

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