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Elmshorner Nachrichten

05. Dezember 2016 | 13:39 Uhr

Mit Kommentar aus der Redaktion : Kranhaus: Neuer Vertrag, alte Sorgen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kulturausschuss: Der Freundeskreis Knechtsche Hallen soll Gebäude bis 2019 nutzen. Streit mit „Haus 13“ schwelt weiter.

Elmshorn | Am Ende war der Beschluss des Elmshorner Kulturausschusses einstimmig. Der Freundeskreis Knechtsche Hallen soll von der Stadt einen neuen Nutzungsvertrag für das Kranhaus an der Schloßstraße bekommen. Dort gibt es seit drei Jahren kulturelle Veranstaltungen.

Ganz einfach ist die Entscheidung den Kommunalpolitikern jedoch nicht gefallen. Die Diskussion über das Thema beherrschte die Sitzung des Kulturausschusses am Montag in der Weißen Villa. Nicht weil das Projekt umstritten ist, sondern weil es seit geraumer Zeit „atmosphärische Störungen“ zwischen den Kranhaus-Betreibern und dem „Haus 13“ gibt. Die Kultureinrichtung an der Adolfstraße befürchtet – wie berichtet – unlautere Konkurrenz.

Die Politiker im Ausschuss wollten genau wissen, wie es um den Zwist steht, bevor sie den neuen Vertrag auf den Weg brachten. Ausschussvorsitzender Thorsten Mann-Raudies (SPD) erinnerte daran, dass es im Frühjahr ein Schlichtungsgespräch unter seiner Leitung gegeben habe. Damals äußerte Jens Berendsen vom Vorstand des „Hauses 13“ die Befürchtung, dass dadurch, dass der Freundeskreis Knechtsche Hallen nur eine geringe Miete (100 Euro) für das Kranhaus bezahle, ungleiche Wettbewerbsbedingungen entstünden. Jens Jähne, Vorsitzender des Freundeskreises, widersprach und wies damals darauf hin, dass sein Verein allen Bürgern eine kulturelle Plattform bieten wolle, es sei nicht vorgesehen, Künstler abzuwerben. Das Gespräch endete ergebnislos, doch immerhin war die Kommunalpolitik auf den Konflikt aufmerksam geworden.

Konkurrenz nur zu gleichen Bedingungen

„Bevor wir über den Vertrag entscheiden, wüsste ich gern, ob der Streit jetzt beigelegt ist. Konkurrenz ist gut, aber bitte zu gleichen Bedingungen“, sagte Mathias Wittorf (CDU). Jens Jähne vom Freundeskreis war zur Sitzung gekommen, um Zweifel auszuräumen. „Aus unserer Sicht gibt es keinen Konflikt.“ Man werbe Künstler nicht aktiv an, sondern stelle lediglich die Räumlichkeiten anderen zur Verfügung. Die Künstler würden per „Hutspende“ honoriert. Termin-Überschneidungen sollten möglichst vermieden werden. Ziel sei es, den Blick der Bürger auf die kulturellen Möglichkeiten zu lenken, die ein Erhalt der Knechtschen Hallen biete.

Jens Berendsen von „Haus 13“ reagierte auf Nachfrage unserer Zeitung verwundert. „Mir wurde von Thorsten Mann-Raudies versprochen, zu der Sitzung des Kulturausschusses eingeladen zu werden. Das ist leider nicht geschehen. Es gibt ganz offenkundig den Willen der Politik, den Konflikt auszusitzen. Wenn seitens Jens Jänes behauptet wird, es gäbe keinen Wettbewerb zwischen Kranhaus und Haus 13, so ist das seine eingeschränkte Wahrnehmung. Tatsächlich baut das Kranhaus das Angebot aus; kürzlich wurde dort erstmalig Impro-Theater gezeigt.“ Der Elmshorner appelliert an die Verwaltung: „Wenn die Stadt Elmshorn tatsächlich den Vertrag mit dem Kranhaus bis 2019 verlängern sollte und erneut mietfrei, dann dokumentiere die Stadt damit, dass sie weiterhin gewillt ist, in den Wettbewerb der Kleinkunstbühnen einzugreifen – zu Gunsten des Kranhauses.“ Die Fronten zwischen den Kultureinrichtungen sind nach wie vor verhärtet, dennoch brachten die Kommunalpolitiker den neuen Vertrag für das Kranhaus auf den Weg. „Der Freundeskreis Knechtsche Hallen braucht Planungssicherheit und das Schlichten des Streits ist nicht Sache der Politik“, sagte Ausschussvorsitzender Thorsten Mann-Raudies. Der SPD-Politiker stellte klar, dass das Kranhaus in schlechtem Zustand sei und der Freundeskreis Geld und viel Arbeit investiert habe, um die Räume „brauchbar“ zu machen. Die geringe Miete sei gerechtfertigt.

Diskussion um mögliche Untervermietung

Mit einem Punkt im Vertragsentwurf beschäftigte sich der Kulturausschuss ausführlich. Ursprünglich war vorgesehen, Untervermietungen im Kranhaus nicht zuzulassen. Die Verwaltung befürchtete Probleme mit den Richtlinien der Städtebauförderung, da das Kranhaus im Sanierungsgebiet liegt. Die Lösung: Die Kranhausbetreiber dürfen nur unentgeltlich vermieten, um eine möglichst große Bandbreite an Veranstaltungen anbieten zu können.

Stadtrat Dirk Moritz wies während der Sitzung ausdrücklich darauf hin, dass es sich beim Engagement des Freundeskreises Knechtsche Hallen im Kranhaus um eine Zwischenlösung handele. Ziel der Stadt sei es nach wie vor, das marode Gebäude mit den vorgelagerten Räumlichkeiten rasch zu verkaufen. Eine Verlängerung des Mietvertrags über 2019 hinaus sei ausgeschlossen. Die Verwaltung rechnet sogar damit, dass sich „deutlich vor 2019 ein Käufer findet, der das Gebäude möglichst zeitnah selbst nutzen möchte“. Bis dahin, so Thorsten Mann-Raudies, seien die Aktivitäten im Kranhaus eine „Win-Win-Situation für die Kulturszene in Elmshorn“.

Das könnte sich aber rasch ändern: Der gesamte Gebäudekomplex ist in sehr schlechtem Zustand und eine Dach-Wand-Verbindung zwischen Kranhaus und den eigentlichen Knechtschen Hallen bereitet der Stadt zurzeit große Sorge. Bei hoher Belastung – zum Beispiel durch Schneelast – könnte die Wand einstürzen. Während einer Begehung wollen Experten der Stadt, Vertreter des Freundeskreises und der Besitzer der Knechtschen Hallen, Kibek-Chef Frank Sachau, den Schaden begutachten. „Dann werden wir entscheiden was zu tun ist, ob und wie das Gebäude gesichert werden muss, um dort Veranstaltungen durchführen zu können“, sagt Rita Schliemann, Leiterin des Kulturamtes der Stadt.

Kommentar: Ein Elmshorner Horrorfilm

Ganz kurz vorweg: Die Elmshorner Kulturpolitiker müssen den Streit zwischen dem Freundeskreis Knechtsche Hallen und dem „Haus 13“ ernst nehmen. Schließlich geht es darum, hoch motivierte  Bürger auf beiden Seiten nicht zu verprellen. Das ist kein Kunststück: Reden hilft immer. Ein anderes und viel weiter reichendes Problem lässt sich nicht so einfach aus der Welt schaffen. Die Unsicherheit über die künftige Nutzung der Knechtschen Hallen ist ein Ärgernis für Stadtplaner und Bürger. Der Gebäudekomplex – ehemals Kibek-Zentrallager – verfällt seit Jahren unaufhaltsam. Tapfer wird zumindest ein kleiner Teil des massigen Baus mit Kultur bespielt.  Klingt gemein, ist aber so. Denn was nutzen Engagement und Willensbekundungen, wenn in absehbarer Zeit kein Gebäude mehr zur Verfügung steht. Die Stadt kann das schrottreife Backsteinensemble nicht kaufen, um es zu sanieren, Investoren sind vorsichtig – und der Besitzer dreht Däumchen. Er kann warten. In der Zwischenzeit sollten sich die Elmshorner schon mal  ein ganz spezielles Horrorszenario vorstellen: Die topmodernen Wohnkomplexe rund um das Kibek-Hochhaus an der Reichenstraße, die neue Rathauszeile am Buttermarkt und dazwischen die Ruine der Knechtschen Hallen! Das ist kein Witz, sondern derzeit ein realistisches Szenario, das allen Planern des Sanierungsgebietes Krückau-Vormstegen den Schlaf raubt. Und die Kultur: Sie zeigt Potenziale auf, mehr ist nicht drin. (Knuth Peñaranda)

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