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Elmshorner Nachrichten

03. Dezember 2016 | 01:24 Uhr

Flüchtlinge : Kolumne: Neue Heimat Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Ärztin Khaledia Abdullah ist aus Syrien geflohen und berichtet von ihrem neuen Leben in Deutschland.

Elmshorn | Die Syrerin Khaledia Abdullah berichtet alle zwei Wochen von ihrem neuen Leben in Elmshorn. Mit Hilfe dieser Kolumne möchte die Ärztin den Dialog zwischen Einheimischen und Flüchtlingen verbessern.

Meine Flucht aus Syrien endete am 12. Februar 2015 vor dem Bahnhof in Bremen. Als ich aus dem geschlossenen Lkw-Container nach drei Tagen voller Angst und Ungewissheit abends bei Dunkelheit aussteigen durfte, regnete es und ich sah als erstes ganz feine Regentropfen vor dem Licht einer Laterne. Plötzlich fühlte ich, wie diese Regentropfen meine Seele nach vielen Monaten der Flucht von Syrien über Jordanien, Algerien und Marokko reinigten und eine schwere Last von mir nahmen.

Mir fielen dabei zwei junge Menschen auf, ein Mann und eine Frau, die sich trafen, umarmten und danach schnell im Regen davoneilten. Das war eine weitere positive Impression für mich. Gleichzeitig dachte ich, dass diese beiden Menschen nicht wissen, was gerade in meinem Heimatland geschieht. Wie wäre es für diese beiden, wenn sie alles , wofür sie bislang gelebt und gearbeitet haben, durch Bomben zerstört worden wäre und sie ihr Heimatland verlassen müssten?

Danach fragte ich drei junge Männer auf Englisch nach dem Flüchtlingscamp in Bremen und mir wurde der Weg dorthin beschrieben.

Im Camp angekommen, hörte ich zum ersten Mal die deutsche Sprache und war sehr erschrocken. Da merkte ich, dass ich tatsächlich erstmals ganz bewusst „Deutsch“ hörte und wie schwierig diese Sprache ist. Ich bin mit der arabischen Sprache aufgewachsen, habe in der Schule Englisch und etwas Französisch gelernt, später noch etwas Spanisch und Türkisch.

Aber Deutsch hörte sich für mich ganz anders und furchtbar schwer an. Ich hörte nur immer wiederkehrende, gleiche Silben und war geschockt. Würde ich es schaffen, diese Sprache zu lernen? Das war nun mein allergrößtes Problem.

In der arabischen Sprache gibt es andere Buchstaben, die Aussprache und Betonung sind anders, und wir schreiben von rechts nach links. Zum Beispiel haben wir nicht den Buchstaben „P“ sondern nur das „B“, was ja viel weicher klingt. Nach eineinhalb Jahren in Deutschland und nach drei Sprachkursen sowie einem Abschluss auf dem Level B2+ fällt es mir immer noch etwas schwer, das „P“ richtig auszusprechen, wenn ich mich nicht sehr darauf konzentriere.

Inzwischen empfinde ich die deutsche Sprache aber als eine reiche Sprache mit vielen Details. Seit einem halben Jahr träume ich auch oft in Deutsch und fühle, dass der deutsche Wortschatz ein Teil von mir geworden ist. Darüber freue ich mich und meine, dass ich auf dem richtigen Weg bin.


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erstellt am 20.Aug.2016 | 16:00 Uhr

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