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Elmshorner Nachrichten

07. Dezember 2016 | 21:21 Uhr

Serie: Musikszene Elmshorn : Klassik-Musikerin Frederike Schilling über den langen Weg nach oben

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die 19-jährige Frederike Schilling will Musik zu ihrem Beruf machen. Im Oktober beginnt sie ihr Studium in Hannover.

Elmshorn | Frederike Schilling versteht die eigene Klarinette als ihre Stimme. „Mein Instrument bringt mich zum Singen“, beschreibt die 19-Jährige. Die Klarinette beherrscht sie dabei, als sei es ein weiterer Körperteil von ihr, so wie Hände, die arbeiten, Beine, die laufen oder Augen, die sehen.

Dabei hatte die gebürtige Elmshornerin, die in Glückstadt lebt und in Elmshorn im Sommer gerade ihr Abitur absolviert hat, als Kind eigentlich ein ganzes anderes Instrument vor Augen. Gitarre wollte sie unbedingt lernen, aber die Warteliste an der Musikschule war zu lang. Also entschied sie sich für Klarinette. Aus dem zunächst als Alternative gewähltem Instrument wurde eine große Leidenschaft für die Klarinette, für die Musik.

Jeder, der ein Instrument spielt, weiß, wie viel Arbeit, Mühe und auch Aufopferung in der Begegnung mit der Musik stecken können und dass irgendwann dieser eine Punkt kommt, an dem man der Musik letztendlich komplett verfallen ist. Bei Frederike war der Initiator für das Eintauchen in die Tiefen der Musik die Begegnung mit der Filmmusik „Jenseits der Stille“ und das Musizieren im Kinderorchester „Störphonie“ in Itzehoe.

Danach ging es immer weiter, weiter und weiter. Mit bereits 15 Jahren wurde sie Stipendiatin der Hans-Kaufmann-Stiftung, die ihr ein „Jungstudium“ am Hamburger Konservatorium bei Klarinettenlehrer Christian Seibold ermöglichten. Während der Schulzeit pendelte sie immer nach Hamburg, um viermal in der Woche in Gehörbildung, Musiktheorie, Klavier und Klarinette unterrichtet zu werden. Kein einfaches Unterfangen, wenn man nebenbei auch noch sein Abitur schreiben muss.

Dann folgte der zweite Preis auf Bundesebene bei „Jugend musiziert“ und die letzten zwei Jahre war sie Mitglied im Landesjugendorchester Schleswig-Holstein. Seit fünf Jahren nimmt Frederike Schilling regelmäßig an den Landesferienkursen für Musik teil.

Optimale Vorbereitung

Der Unterricht am Konservatorium soll sie optimal auf die Aufnahmeprüfung im Fach Klarinette vorbereiten. Es sind diese gefürchteten Aufnahmeprüfungen im Fach Musik, die junge Abiturienten oft zum Zittern bringen, denn um ein Studium an einer Musikhochschule aufzunehmen wird viel verlangt. Jahrelang bereitet man sich auf diesen einen Tag vor, so wie Frederike. „Du übst Jahre für diese Prüfung, bist unglaublich aufgeregt, um dich herum ist es stressig, am Ende darfst du eine Seite spielen und hast das Gefühl nicht alles gegeben zu haben“, erklärt Frederike.

Dann lacht sie und sagt: „Das mündliche Abitur ist echt ein Klacks dagegen“. Ja, diese eine Chance, die man hat, nur diese eine, um sein Können zu zeigen, ein Tag, der über die eigene berufliche Zukunft entscheidet. Frederike ist das sehr bewusst, sie sagt aber auch: „In der Musik gibt es immer nur diese eine Chance. Man hat nur dieses eine Mal, um es gut zu machen, und man spielt, als wäre es das letzte Mal, dass man spielt.“ Bei Frederike Schilling ist es aber glücklicherweise nicht das letzte Mal, denn sie hat ihre Prüfung erfolgreich gemeistert und beginnt ab Oktober ihr Musikstudium in Hannover.

Neben all der Klassik, die sie sowohl im Jungstudium als auch im kommenden Studium forderte und fordern wird, brennt sie aber auch für Klezmermusik, alte jüdische Festmusik. „Diese Musik ist bodenständig, von Menschen für Menschen, zeitlos, und sie zeigt die Menschlichkeit in der Musik“, erklärt sie. Bei der klassischen Musik schätzt sie aber vor allem das Orchesterspiel, das Musizieren mit Anderen, den großen Klangapparat und die musikalische Blase, die sich um alle spannt.

Die Begeisterung für das Orchester möchte sie im Studium unbedingt weiterverfolgen. Ihr großer Traum: ein eigenes Kinderorchester zu gründen. „Das“, sagt sie „ist Gesetz.“ Es ist ihr wichtig, Musik an die nächste Generation weiterzugeben. Nebenbei kann sie sich aber auch andere Tätigkeiten vorstellen, Orchestermusikerin, beispielsweise. In der Hinsicht will sie sich noch nicht festlegen, denn wie sie sagt, gibt es so viele schöne Berufe in der Musik.
 

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erstellt am 09.Sep.2016 | 16:01 Uhr

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