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Elmshorner Nachrichten

09. Dezember 2016 | 06:57 Uhr

Haydn mit kleinen Hindernissen : Kammerorchester Basel unter Giovanni Antonini und Nuria Rial begeistern 600 Besucher

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ein feines Konzert, nicht spektakulär, dafür durchgehend hochklassig. Reithalle war nicht ausverkauft.

Elmshorn | Vorweg ein wenig Regelkunde: Wer von einem Konzert berichtet, sollte über Musik, Künstler und die Wechselwirkungen zwischen beiden Komponenten sprechen. Stimmt, geht aber nicht immer. Besonders dann nicht, wenn äußere Einflüsse zu nachhaltigen atmosphärischen Störungen im Saal führen. Eine derartige Eintrübung musste das Publikum in der Reithalle beim zweiten Elmshorner Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals hinnehmen.

Alles war bestens. Das famose Kammerorchester Basel unter Giovanni Antonini – zwei Hochkaräter im Klassikgeschäft – hatte den ersten Haydn-Satz beendet, als einige Zuhörer überenthusiastisch dazwischen klatschten und ein Herr im hinteren Bereich lautstark rief: „Ansagen, ansagen, was gespielt wird“. Dirigent Antonini drehte sich ungläubig zum Publikum, verharrte kurz und musizierte dann sichtlich irritiert weiter. Wenig später beendete Konzertmeisterin Yuki Kasai die Angelegenheit elegant und humorvoll: Lächelnd wandte sie sich an die Besucher und fragte höflich, ob denn jeder ein Programmheft habe. – Was für eine Blamage.

Okay, nicht mehr zu ändern, also zur Musik. Joseph Haydns Partituren stecken voller kleiner Wunder. Mirakel, die oft genug unbemerkt den Hörgenuss bestimmen: Mini-Wendungen, harmonische Verschiebungen und geistvolle Auflösungen, die immer in die nächste Idee münden. Wenn das Kammerorchester Basel mit Giovanni Antonini Haydn musiziert ist das alles zu hören. Die Dialoge innerhalb des Orchesters funktionieren sehr geschmeidig. Antonini will einen Haydn-Klang, der flächig und bunt ist, mit vielen geschmackvollen Farben.

Begeisterte das Publikum mit Arien von Joseph Haydn: Die spanische Sopranistin  Nuria Rial.

Begeisterte das Publikum mit Arien von Joseph Haydn: Die spanische Sopranistin  Nuria Rial.

Foto: Marek
 

Die Sinfonien 80 in d-Moll und 81 in G-Dur , dazu die Sinfonie in c-Moll VB 142 von Joseph Martin Kraus, waren in Elmshorn zu hören und neben der Eleganz des Zusammenspiels bleibt beim Publikum sicher die staunenswerte Leichtigkeit der Trios in Erinnerung, und natürlich die Erkenntnis, dass Haydn ganz sicher ein witziger Mann war. Und leidenschaftlich. Das lassen zumindest die Arien und Szenen erahnen, die Nuria Rial – katalanische Sopranistin mit steiler Karrierekurve – in der Reithalle vortrug. Kleine musikalische Psychogramme hatte Joseph Haydn sich ausgedacht. Nuria Rial gestaltete sie frisch und völlig unaffektiert. Leicht und selbstverständlich führte die Spanierin ihre wunderbar weiche Stimme. Keine Spur von Anstrengung. Immer war die Solistin auf Tuchfühlung mit dem Orchester, eine Teamplayerin im besten Sinn. Beim ganz großen Drama wird die Sängerin nicht ankommen, aber sonst ist vermutlich nichts unmöglich.

Ein feines Konzert, nicht spektakulär, dafür durchgehend hochklassig. Wie schade, dass die sommerlich heiße Reithalle nicht ausverkauft war. Anders sieht es für das letzte Elmshorner Festival-Konzert 2016 mit Albrecht Mayer (Oboe) und der Kammerakademie Potsdam am 5. August aus. Für diesen Abend gibt es keine Karten mehr.

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erstellt am 25.Jul.2016 | 10:00 Uhr

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