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Elmshorner Nachrichten

02. Dezember 2016 | 23:29 Uhr

TuS Holstein in Quickborn : Jugendtrainer missbraucht Jungen: Jetzt zeigt eine Mutter den Sportverein an

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Frau wirft dem Verein vor, er habe weggesehen - obwohl es einen frühzeitigen Verdacht gegeben habe.

Quickborn | Es war eine schlimme Geschichte: Ein ehemaliger Jugendtrainer des TuS Holstein Quickborn hatte sich mehrfach an drei Jungen vergangen. Der Mann war zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Die Strafe war allerdings zur Bewährung ausgesetzt worden. Das Urteil ist rechtskräftig. Doch jetzt hat der Fall ein Nachspiel. Die Mutter eines der missbrauchten Jungen hat den Verein angezeigt. Der Vorwurf: Obwohl es frühzeitig einen Verdacht gegen den Trainer gegeben habe, sei der Verein untätig geblieben. Die Kriminalpolizei ermittelt bereits.

Von 2013 bis 2015 hatte sich der Trainer an den Jungen vergangen, und zwar in 15 Fällen, wie Richterin Isabel Hildebrandt bei der Urteilsverkündung im Februar dieses Jahres erläutert hatte. Nach Meinung der Mutter eines der Jungen hatte die Vereinsführung frühzeitig Hinweise auf den Täter bekommen. „Die haben einfach weggeschaut“, sagt sie.

Auch während der Verhandlungen vor dem Landgericht Itzehoe war dem Vereinsvorstand vorgeworfen worden, bereits 2013 über den Verdacht gegen den Trainer informiert gewesen zu sein. Das hatten zwei Betreuer ausgesagt. Vereinschef Jürgen Sohn und sein Stellvertreter Hartmut Leutner hatten die Vorwürfe in einer schriftlichen Erklärung zurückgewiesen. Es habe lediglich die „vage Aussage“ gegeben, dass der Trainer „ein Kind abgeduscht und wieder angezogen“ habe.

Die Vereinsführung hatte damals nach eigener Darstellung den Trainer zur Rede gestellt. Der habe erklärt, das Kind habe sich eingenässt, er habe es deshalb geduscht und ihm neue Kleidung angezogen. Das sei glaubhaft gewesen. Von unsittlichen Berührungen sei damals keine Rede gewesen, so der Vorstand.

Dieser Darstellung widerspricht die Mutter vehement: Seit 2013 seien sogar Kinder wegen des Trainers aus dem Verein ausgetreten. „Der Mann war eine tickende Zeitbombe, und der Verein hat nicht gehandelt“, sagt sie.

Polizeisprecherin Peggy Bandelin bestätigte, dass eine Anzeige gegen den Verein eingegangen ist. Es gehe um sexuellen Missbrauch und in diesem Zusammenhang um den Verdacht der Unterlassung. TuS-Vorsitzender Jürgen Sohn wollte die Anschuldigungen nicht kommentieren. „Der Verein hat sich einen Anwalt genommen“, sagte er aber. Die Ermittlungen der Kripo Pinneberg sind laut Bandelin noch nicht abgeschlossen. Ob Anklage erhoben wird, ist deshalb offen.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 14:35 Uhr

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