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Elmshorner Nachrichten

10. Dezember 2016 | 08:03 Uhr

Verkauf an Tönnies? : In Elmshorn tobt ein Machtkampf bei Wurstproduzent Döllinghareico

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Wurde Döllinghareico verkauft oder nicht? Interessent Maximilian Tönnies meint ja. Die Geschäftsführung dementiert.

Elmshorn | Tobt hinter den Kulissen des Wurstherstellers Döllinghareico eine Schlammschlacht, ein erbitterter Machtkampf? Montag hatte Mitinhaber Claus Dölling den Verkauf des Elmshorner Traditionsunternehmens an den Unternehmer Maximilian Tönnies, Sohn von Schalke 04-Boss Clemens Tönnies, aus Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) bekanntgegeben. Am Mittwoch der Paukenschlag: Die Geschäftsführung und der Betriebsrat von Döllingharaico ließen über eine Hamburger PR-Agentur mitteilen, der Verkauf sei doch noch nicht abgeschlossen.

Und mehr noch: Man stehe in Verhandlungen mit anderen Kaufinteressenten, die bereits – anders als Tönnies – konkrete Vorschläge zu den Themen Arbeitsplatz- und Standortsicherung unterbreitet hätten. Wenig später reagierte Claus Dölling – und zwar empört: „An dieser Entscheidung unserer Familie hat sich nichts verändert.“ Die Gerüchte darüber, dass die Entscheidung über den Verkauf noch offen sei, seien falsch und mit den Inhabern des Unternehmens nicht abgestimmt.

Laut einem Sprecher von Geschäftsführung und Betriebsrat liegen die Anteile von Döllinghareico zwar zu 100 Prozent bei der Familie Dölling. Aber diese könne aufgrund von Verpflichtungen bei ihren Gläubigerbanken nicht frei darüber verfügen. Anders gesagt: Die Banken hätten beim Verkauf ein Wörtchen mitzureden. „Man kann nur verkaufen, was einem auch gehört“, sagte der Sprecher.

Geschäftsführung und Betriebsrat wollen in Verhandlungen Unternehmen favorisieren, deren Firmenphilosophie zu Döllinghareico passt. Ein Verkauf an Tönnies werde nicht ausgeschlossen, auch mit diesem Unternehmen werde verhandelt.

Mit diesem Vorgehen stellen sich Geschäftsführung, die Gläubigerbanken und der Betriebsrat in dem Verkaufspoker klar gegen Inhaber Claus Dölling. Für diesen sind die Verkaufsverhandlungen längst abgeschlossen. „Es gibt keine weiterhin laufenden Gespräche über den Verkauf unserer Anteile“, widerspricht Dölling der Sichtweise von Geschäftsführung und Betriebsrat. Es sei die Inhaberfamilie gewesen, die das Unternehmen auf- und ausgebaut habe. Dass man in den letzten, schwierigen Jahren wesentliche Entscheidungsbefugnisse an einen Treuhändler übergeben und auf weitreichende Rechte als Gesellschaftler verzichtet habe, hätte immer nur ein Ziel gehabt: „Das Überleben des Unternehmens und damit so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern.“ Aus der Sicht von Dölling ist Maximilian Tönnies der beste Partner, um Döllinghareico und die damit verbundenen 250 Arbeitsplätze zu sichern.

Das sehen Geschäftsführung und Betriebsrat offenbar anders. Auch sie betonten die große Bedeutung des Erhalts der Arbeitsplätze an den Standorten Elmshorn und Lübz. „Es geht hier in erster Linie um Menschen“, sagte ein Sprecher. Er mutmaßte, mit der Bekanntgabe des Verkaufs an Tönnies sollten „frühzeitig Fakten geschaffen werden.“

Dölling dagegen erklärte, er könne über die Beweggründe, die „Gerüchte“ zu verbreiten, nur spekulieren. „Wir hoffen, dass in dieser Situation einzelne Personen ihre persönlichen Ziele nicht über die des Unternehmens und der Arbeitsplätze stellen.“

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erstellt am 24.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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