zur Navigation springen

Elmshorner Nachrichten

11. Dezember 2016 | 14:58 Uhr

Hip-Hop: Eine neue Generation

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Musikszene Jeff Agyemang und Christmas Mpondo sind das Musik- und Tanzduo „NGSSGN“/ Die beiden wollen mit Vorurteilen brechen

Es gibt viele Wörter in der englischen Sprache. Zum Schmunzeln bringt einen aber wohl das Wort „saggin“, das explizit für das tiefe Tragen von Hosen steht. Das Wort „Nigga“ lädt allerdings weniger zum Schmunzeln ein. Negativ konnotiert und zu Recht aus dem Sprachgebrauch verbannt. Jeff Agyemang und Christmas Mpondo, zwei junge Musiker aus Elmshorn, haben ihr Musik- und Tanzduo so benannt. Sie treten unter dem Namen NGSSGN (Niggas saggin‘) auf.

Der Name sei ironisch gemeint, die Mischung absoluter Klischees über Menschen mit afroamerikanischer Abstammung, das Schmunzeln über ihre eigene Hautfarbe. Und die beiden können das. Denn sie tragen weder ihre Hosen auf Kniehöhe, noch regen sie sich darüber auf, wenn andere sie als „schwarz“ bezeichnen. Viel mehr fällt ihnen das unangenehme Rumdrucksen auf, wenn es um ihre Hautfarbe geht.

Dass Jeff Agyemang und Christmas Mpondo nicht in Schubladen und Klischees denken, wird deutlich, wenn sie über ihre Musik reden. „Unsere Musik ist eine Mischung aus Afrobeats und Hip-Hop, aus international und europäisch, aus Musik und Tanz.“ Aus diesem Grund singen sie ihre Texte, die in Englisch geschrieben sind, mit deutschem oder europäischem Akzent, haben Kontakte nach Hamburg, aber auch in die internationale Rapszene nach Atlanta (USA). Das soll ihre Individualität, ihren innovativen Ansatz unterstreichen, und es soll modern sein. Sie sehen sich als neue Generation, die mit alten Vorurteilen bricht, die lässig ist, ironisch und cool, europäisch, ihre Vorbilder sind Kanye West und Jay-Z.

Die musikalische Zusammenarbeit der Beiden fing schon in der Oberstufe an, als sie zusammen in eine Klasse gingen. Dann lachen die beiden und sagen: „Er ist schwarz, ich bin schwarz, so haben wir uns gefunden.“ Aus dem gegenseitigen Beschnuppern wurde eine enge Freundschaft und Jeff, einstiger Schlagzeuger, motivierte den Tänzer Christmas immer mehr für die Musik. Während andere lernten und büffelten, schrieben Jeff und Christmas Texte, Beats, Melodien und Choreographien.

In jeder Pause zwangen sich die beiden Jungs zum Üben in den alten Musikräumen der Schule, die Musik wurde angeschmissen und die Köpfe, Beine und Stimmen rauchten. Das ist wohl auch das Faszinierende an ihrer Musik. Es ist die Kombination aus Rap und Gesang, aus intuitivem Tanz und perfektionierter Choreographie, ein Gesamtbild, geprägt von absoluter Professionalität und Disziplin, aber auch Provokation, Intuition und Lässigkeit.

Die beiden Musiker wissen, dass sich ein mancher mit der Sprache des Raps schwertut. Aber auch in dieser Hinsicht denken die beiden unglaublich modern, denn es geht ihnen nicht um reine Provokation, sondern darum, Emotionen in passenden Text zu verwandeln. In ihrem Song „Know me“, der davon handelt, dass man oft unterschätzt und enttäuscht wird, sind viel mehr „Ungezogenheiten“ drin, denn es geht um Wut, um Ärger, um das Enttäuschtwerden.

Ihr Song „So bad“ handelt hingegen von Wünschen und Träumen, und ist dementsprechend auch viel moderater gestaltet. Aber es ist halt auch diese Sprache, das Provokative, das zu dieser Musik gehört, und das ist auch gut so. Ihr großes Ziel ist nicht das Geld, oder das Berühmtwerden. Sie wollen einen eigenen Lifestyle, eine eigene Zone, ein Forum, wo andere Musiker ihre Musik präsentieren können. Anziehsachen, Schuhe, eine kreative Atmosphäre; das ist ihr großer Traum. Bis dahin ist es noch weit, aber die ersten Hürden sind genommen, die ersten Performances haben sie hinter sich gebracht, sie können mit ihrer coolen, entspannten, aber trotzdem sehr professionellen Art mitreißen.

Neben dem großen musikalischen Sprung stehen aber auch andere Ziele auf der Liste. So beginnen die beiden Elmshorner im Oktober ihr Studium in Musikmanagement und Mediendesign in Hamburg. Elmshorn sei ihnen aber weiterhin sehr wichtig, sagen die Musiker, denn hier sind sie groß geworden, haben sich kennen gelernt, und das Wichtigste: Hier waren sie immer frei, nie an eine Szene gebunden und konnten ihr eigenes Ding machen, ihre Individualität und ihren Stil finden und von der Ruhe, die diese Stadt in sich trägt, profitieren.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen