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Elmshorner Nachrichten

08. Dezember 2016 | 05:15 Uhr

Hilfe in den schwersten Stunden

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Bestattungsunternehmen Der Elmshorner Familienbetrieb Dobbratz kümmert sich pro Jahr um bis zu 400 Beerdigungen

Die EN ermöglichen einen Blick hinter sonst für Interessierte meist verschlossene Türen – und da verbergen sich spannende Geschichten.  .  . Die Eltern des toten Babys kommen jeden Tag. Sie stehen am Sarg. Sie legen Spielsachen hinein. Vater und Mutter trauern um ihr geliebtes Kind. Abschied nehmen. Den Schmerz begreifen, ihm Raum geben. „Das ist wichtig für Menschen, die einen solchen Verlust erleiden“, sagt Bodo Dobbratz. Er erinnert sich auch noch gut an die drei Töchter, die ihre verstorbene Mutter im Sarg hübsch zurecht gemacht und frisiert haben.

Tod, Trauer, Leid: Der 56-Jährige ist als Bestatter seit nunmehr 30    Jahren fast täglich mit der Beratung und Begleitung trauernder Menschen befasst. „Jeder Trauerfall ist einzigartig“, sagt Dobbratz. Menschen im Ausnahmezustand. Sie brauchen Hilfe, Unterstützung, Personen an ihrer Seite, die genau wissen, was jetzt zu tun ist, die dem Trauernden den nötigen Raum geben, indem sie ihm ganz viele Aufgaben abnehmen.

Dobbratz, der gelernte Tischler, lebt seinen Beruf. 2005 machte er sich selbstständig. Gemeinsam mit seiner Frau Wiebke, Sohn Henning und Tochter Sonja führt er das Elmshorner Familienunternehmen. Sein Geburtshaus an der Langelohe ist der Firmensitz. Dobbratz bezeichnet sich selbst als „Elmshorner Jung.“

Keine Frage: Er mag diese Stadt, die Menschen. In der vierten Generation setzt er die Arbeit seines Urgroßvaters Dietrich Münster, des Großvaters Walter Lenggenhager und seiner Eltern Inge und Siegfried Dobbratz inzwischen fort.

Bestattungsfachwirt, Trauerredner und wie seine Frau auch Trauerbegleiter: Dobbratz kennt inzwischen alle Facetten eines Berufes, mit dem irgendwann alle Menschen konfrontiert werden.

„Wir sind 365 Tage im Jahr erreichbar, rund um die Uhr“, sagt Wiebke Dobbratz. Das Bestattungsunternehmen kümmert sich auf Wunsch nicht nur um den Sarg oder die Urne, den Grabstein, den Blumenschmuck, die Todesanzeigen und Trauerkarten. Es erledigt die Formalitäten, den Papierkram auf Ämtern und Behörden, spricht mit Versicherungen. „Zuverlässigkeit und Seriösität sind in unserem Beruf wichtig“, sagt Bodo Dobbratz.

Aber auch Empathie. „Manchmal wollen die Trauernden einfach nur reden“, sagt Wiebke Dobbratz. Sie kann gut zuhören. Nicht immer gelingt es ihr, all das, was auch ihr und ihrer Familie aufgebürdet wird, in der Firma zu lassen. Manchmal sitzen die Mitarbeiter im Besprechungsraum zusammen und tauschen sich aus über das Gehörte und Gesehene aus. Verarbeitung ist auch für die wichtig, die professionell mit diesen Ausnahmesituationen umgehen müssen.

In ihrem Bestattungsunternehmen gibt es eine kleine Kapelle, in der die Angehörigen Abschied nehmen können. Auch kleine Trauerfeiern sind hier möglich. Ein Kühlraum und ein Versorgungsraum sind vorhanden.

300 bis 400 Bestattungen pro Jahr – nicht nur in Elmshorn, sondern auch im Umland und in Hamburg. „Geld spielt heute eine größere Rolle als früher“, sagt Wiebke Dobbratz. Der Trend geht zur anonymen Bestattung, zu Urnengräbern. „Aber ein Friedhof ist ein Ort der Begegnung. Das vergessen viele Menschen“, mahnt Bodo Dobbratz.

Ob er selbst Angst vor dem Tod hat? Die Antwort kommt sofort: „Nein. Ich habe keine Angst vor dem Tod, sondern nur vor dem Leiden vor dem Siechtum“, sagt der Bestatter. Er rät den Menschen, sich zu Lebzeiten mit dem Tod auseinanderzusetzen, sich beraten zu lassen.

Ein verlässlicher und persönlicher Wegbegleiter für die Trauernden zu sein: Dieses Ziel spornt die ganze Familie Dobbratz an, diesem Anspruch will sie täglich gerecht werden. Bestattungsunternehmen sind Dienstleister – unter ganz besonderen, manchmal unter ganz schwierigen und immer unter ganz verantwortungsvollen Vorzeichen.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 16:12 Uhr

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