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DGB klagt an : Hartz IV trotz Vollzeit-Arbeit

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Statistik: 4044 Menschen aus dem Kreis Pinneberg müssen aufstocken.

Pinneberg | In Vollzeit arbeiten und dennoch nicht genug Geld verdienen, um sein Leben davon bestreiten zu können. 566 Menschen im Kreis Pinneberg haben dieses Schicksal. Sie müssen deshalb außer ihrem Einkommen staatliche Leistungen in Anspruch nehmen: Hartz IV. Das geht aus Zahlen hervor, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vorgelegt hat. Insgesamt sind laut DGB 4044 Menschen im Kreisgebiet trotz Arbeit auf Hartz IV angewiesen. Die meisten haben jedoch Minijobs oder arbeiten Teilzeit. Der DGB fordert deshalb verbesserte Angebote für diese Menschen.

„Es ist untragbar, dass so viele Menschen im Kreis Pinneberg von ihrer Arbeit nicht leben können“, sagt Peter Brandt, DGB-Kreisverbandsvorsitzender. Laut DGB erhalten 566 Vollzeitbeschäftigte und 1493 Teilzeitbeschäftigte im Kreisgebiet einen so geringen Lohn, dass sie zusätzlich Hartz-IV–Leistungen beantragen müssen. Vor allem die Leiharbeiter seien oftmals trotz Vollzeitarbeit auf Hartz IV angewiesen.

„Wir brauchen dringend mehr Engagement gegen Niedriglöhne. Man muss von seiner Arbeit gut leben können“ fordert Brandt. Die Steigerung der Tarifbindung sei hierfür einer der entscheidenden Ansatzpunkte. Auch die Minijobs sind dem DGB ein Dorn im Auge. 1250 der Aufstocker im Kreisgebiet haben nach Angaben der Gewerkschafter einen Minijob. „Der Minijob ist keine Brücke in reguläre Beschäftigung, sondern ein Armutsrisiko“, meint Brandt. Besonders für Frauen nach der Familienphase, die den Wiedereinstieg in sozialversicherte Arbeit suchten, würden Minijobs zur Sackgasse. Sie böten keine Perspektive auf Qualifizierung und Aufstieg im Beruf.

„Es ist deshalb dringend notwendig, dass die Jobcenter sich mehr für die Beschäftigten im Leistungsbezug engagieren“, fordert der DGB-Kreisverbandsvorsitzende: „Wer sich in einer beruflichen Einbahnstraße befindet, braucht Unterstützung statt mehr Druck und Sanktionen.“ Dazu seien verbesserte Angebote der aktiven Arbeitsmarktpolitik nötig, insbesondere Möglichkeiten einer beruflichen Qualifizierung.

Auch Land und Kommune sieht Brandt in der Verantwortung: Über als die Hälfte der geringfügig Beschäftigten, die aufstocken müssten, seien Frauen. Viele von ihnen leisteten Familien- und Pflegearbeit, so dass sie nur eine begrenzte Anzahl von Stunden arbeiten könnten. Brandt: „Wir müssen die Infrastruktur so ausbauen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter zu meistern ist.“

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erstellt am 16.Mär.2017 | 14:00 Uhr

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