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Elmshorner Nachrichten

25. März 2017 | 14:42 Uhr

Großes Kopfkino für die Seele

vom

Musik-Festival: Amerikanische Nacht in der Reithalle / 950 Besucher feierten Katia und Marielle Labèque, Gonzalo Grau und Raphaël Séguinier

Elmshorn | Das Publikum wusste nicht so recht, was es auf dem Heimweg zuerst summen sollte: "I feel pretty", "Maria" oder doch lieber "America". Die Auswahl an Evergreens war ansehnlich. Am besten also eine Melodie nach der anderen vornehmen und dazu das Kopfkino anknipsen.

Wenn ein Musikabend derart anregend endet, kann dies drei Gründe haben. Erstens: Die Musik ist unverwüstlich. Zweitens: Die Interpreten waren in Form. Die dritte Variante trifft seltener zu: Die Musik stimmt und die Künstler produzieren mit ihrer Interpretation großes Schauspiel. Wie am Sonnabend beim zweiten Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals 2012 in der Elmshorner Reithalle.

Das Piano-Duo Katia und Marielle Labèque und die Schlagzeuger Gonzalo Grau und Raphaël Séguinier waren zu Gast. Im Zentrum des Programms stand Leonard Bernsteins Musical "West Side Story" in der Fassung für zwei Klaviere und Percussion von Irwin Kostal.

Das Quartett auf der Bühne schaffte ein kleines emotionales Wunder. Die Besucher hörten nicht nur Musik, sie spürten den Tanz, der das Musical so unverwechselbar macht. Die pianistische Brillanz der Schwestern und die musikalische Frische der Schlagzeuger schufen Bilder.

Mühelos lösten sich die Labèques vom allzu Formalen des klassischen Zusammenspiels, verlangten ihre Instrumenten kraftvoll einiges an Widerstandskraft ab, um dann locker die vielen Farben des nuancierten Duo-Spiels aufleuchten zu lassen. Alles ohne aufgesetztes Pathos und immer elegant.

Gonzalo Grau und Raphaël Séguinier waren für den rhythmischen Unterbau zuständig, in der "West Side Story" ein zentrales Element. Trommeln, Schlagen, Pfeiffen und Klatschen waren ihre Aufgaben. Ganz wie im richtigen Leben der Gangs, deren Geschichte die "West Side Story" erzählt. Witzig: Die Akzente die Gonzalo Grau setzte.

Der größte Vorzug des Auftritts des Quartetts in der Reithalle war die ansteckende Frische. Das Musical erzählt eine Teenager-Geschichte. Da wäre erhabenes Pianogeperle fehl am Platz gewesen. Die "Story" ist im Wesentlichen schnell, hart rhythmisch und verspielt. Und so klang sie in der Reithalle. Großer Applaus und Jubel im Publikum.

Begonnen hatte der Abend mit drei Preludes und der "Rhapsodie in Blue" für zwei Klaviere von George Gershwin. Kraft und Melancholie, der Mut zum Kantigen und das Schwelgen im Gesanglichen, bei Katia und Marielle Labèque klang alles einfach und gerade deshalb magisch. Ein Festival-Abend der ganz großen Gefühle.

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erstellt am 06.Aug.2012 | 07:14 Uhr

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