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Elmshorner Nachrichten

02. Dezember 2016 | 21:17 Uhr

Frauenhäuser im Kreisgebiet : Frauen in Not finden keine Wohnungen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Viele Vermieter lehnen Bewohnerinnen wegen ihrer Situation ab.

Kreis Pinneberg | Sie haben traumatische Erfahrungen gemacht, wurden von ihren Männern misshandelt oder von ihren Familien verstoßen. Wenn die Bewohnerinnen des Elmshorner Frauenhauses nach der Betreuung endlich wieder ein normales Leben beginnen wollen, stoßen sie auf ein weiteres Problem: Sie finden keine Wohnung. Dadurch müssen viele der Bewohnerinnen deutlich länger im Frauenhaus bleiben, als eigentlich nötig. Einige Frauen finden ein halbes Jahr lang keine neue Bleibe.

Wie mehrere Bewohnerinnen berichten, werden sie von den Vermietern stigmatisiert, weil sie im Frauenhaus leben. „Den Vermietern entgleisen die Gesichtszüge. Sie stempeln mich sofort ab“, sagt eine Frau. „Manche brechen das Gespräch ab. Andere fragen mich nach meiner Geschichte aus. Aber die geht niemanden etwas an.“ Die Elmshorner Frauenhaus-Mitarbeiterin Maj-Birte Gernand glaubt, dass die meisten Vermieter die Frauen ablehnen, weil sie sich vor gewalttätigen Männern fürchten. Diese Angst sei unbegründet. Die Frauen lebten anonym im Frauenhaus – und ihre Adresse werde von den Ämtern nicht weitergegeben. Außerdem werden die Frauen nach dem Auszug weiter betreut.

Im Pinneberger Frauenhaus herrscht das gleiche Problem. Es gebe kaum Wohnungen, die erschwinglich sind, sagt Mitarbeiterin Silke Lechterbeck. Wenn es dann doch zu einer Besichtigung komme, hätten viele Vermieter Vorbehalte – besonders wenn Schulden vorhanden sind oder die Frauen kleine Kinder haben. In ganz Schleswig-Holstein führt das – zusammen mit der steigenden Zahl geflüchteter Frauen, die Schutz suchen – dazu, dass die Frauenhäuser überfüllt sind. „Manchmal müssen wir in einem Monat sieben Frauen wegschicken, manchmal sind es, wie im September, auch 30“, sagt Gernand aus dem Elmshorner Frauenhaus. ,„Die Frauen und ihre Kinder können wir oft nur in andere Bundesländer vermitteln.“ Auch in Pinneberg werden ständig Frauen wegen Überfüllung der Häuser abgelehnt. Dabei sind von den acht Bewohnerinnen schon fünf Frauen auf Wohnungssuche – bislang ohne Erfolg.

Appell an die Vermieter

Aber was, wenn es von potenziellen Vermietern immer wieder Absagen hagelt, wenn die Frauen teilweise sogar wegen ihrem Leben im Frauenhaus abgelehnt werden? „Viele macht das fertig, weil sie sich immer wieder Hoffnungen machen, die enttäuscht werden“, sagt eine Bewohnerin des Elmshorner Frauenhauses. „Sie sind gestresst und genervt. Eine Frau ist sogar zusammengebrochen.“ Sie selbst ist auch wegen ihrer dunklen Hautfarbe und ihres Akzents auf Ablehnung gestoßen.

Das Hauptproblem ist aber, dass viele Vermieter die Frauen deshalb nicht als Mieter wollen, weil sie Ärger mit gewalttätigen Männern befürchten. „Selbst hier im Frauenhaus kommt es aber nur selten vor, dass ein wütender Mann vor der Tür steht“, sagt Frauenhaus-Mitarbeiterin Maj-Birte Gernand. Zum einen lebten die Frauen anonym, bei den Ämtern sei eine Auskunftssperre verhängt. Zum anderen hätten sich die Konfliktsituationen während der Zeit im Frauenhaus bereits beruhigt.

Speziell im Elmshorner Frauenhaus ist der unfreiwillig längere Aufenthalt besonders schwierig, weil es an Platz fehlt. Die insgesamt 28 Frauen und Kinder sind in acht Schlafzimmern mit 9 bis 13 Quadratmetern untergebracht. Oft müssen Frauen mit Fremden in den kleinen, mit Stockbetten ausgestatteten Zimmern, leben. Bereits vor drei Jahren hat der Trägerverein „Frauen helfen Frauen in Not“ einen Antrag auf Um- oder Neubau gestellt. Aber das Land, das die Miete an den Eigentümer des Hauses, die Stadt Elmshorn, zahlt, ist nicht bereit mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Die Verhandlungen laufen – aber eine schnelle Lösung ist derzeit nicht in Sicht. Deshalb versuchen die Bewohnerinnen, so schnell wie möglich Wohnungen zu finden.

Sie plädieren an die Vermieter in Elmshorn, aber auch im ganzen Kreis Pinneberg: Wer eine Wohnung zu vermieten hat und den Frauen eine Chance geben will, kann sich werktags von 9 bis 17 Uhr unter der Nummer 04121-6628 an das Büro des Frauenhauses wenden.

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erstellt am 20.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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