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Elmshorner Nachrichten

05. Dezember 2016 | 03:31 Uhr

Unterkunft : Flüchtlinge ziehen in die Post

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Nach dreimonatigem Umbau wohnen bald 40 Flüchtlinge an der Kurt-Wagener-Straße. Bürger können die Einrichtung eine Woche lang besichtigen.

Elmshorn | Ein Metallbett, ein weißer Schrank, ein Tisch, ein Stuhl und ein Kühlschrank – das Zimmer in Elmshorns erster großen Flüchtlingsunterkunft ist spartanisch aber zweckmäßig eingerichtet. Ab dem 22. August werden nach und nach 40 Männer aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan in den ehemaligen Bürotrakt der Post an der Kurt-Wagener-Straße einziehen.

Der Stadtverwaltung ist es wichtig, dass alles ganz transparent abläuft. „Wir haben nichts zu verstecken“, sagt Stadtrat Dirk Moritz und führt durch Sanitärräume und Gemeinschaftsküche, Aufenthaltsraum und einige der insgesamt 29 Ein- und Zweibettzimmer. Drei Monate hat der Umbau gedauert, es wurden Wände neu eingezogen, Brandschutztüren installiert, Duschen, Toiletten und eine Gemeinschaftsküche eingebaut. Außerdem gibt es im Gebäude jetzt W-LAN und die Möglichkeit, internationale Fernsehsender zu empfangen. Der Eingang auf das durch einen Zaun begrenzte Gelände befindet sich nicht auf dem Gelände der Post, sondern an der Kurt-Wagener-Straße. Untergebracht sind die Bewohner in einem Teil des Erdgeschosses und auf der ganzen ersten Etage. Die zweite Etage hat ein Ingenieurbüro angemietet.

Ralf Behn, Leiter des neuen Amtes für Soziales, hat mit seinen Mitarbeitern ein umfassendes Konzept ausgearbeitet, um in der Unterkunft Konflikte zu vermeiden. Untergebracht werden zunächst ausschließlich Männer zwischen etwa 20 und 40 Jahren, die noch keine langfristige Bleibeberechtigung haben. Die Unterbringung ist also für jeden nur begrenzt, sobald die Berechtigung vorliegt, sollen die Männer in eigene Wohnungen umziehen. Untergebracht werden sie in der neuen Unterkunft in Ein- und Zweibettzimmern, die zwischen 14 und 28 Quadratmetern groß sind.„Wir betreuen diese Menschen alle schon seit längerer Zeit“, sagt Stadtrat Moritz. „Wir werden versuchen, die Zimmerbelegung harmonisch zu gestalten.“ Es werden sich Verwandte oder Freunde ein Zimmer teilen.

Montags bis freitags werden die Flüchtlinge von 8 bis 20 Uhr von erfahrenen Mitarbeitern der Johanniter betreut. Von 18 bis vier Uhr sind außerdem an sieben Tagen in der Woche Mitarbeiter des Elmshorner Sicherheitsdienstes TDS vor Ort. Aufgabe der Johanniter wird nicht nur die Betreuung der Bewohner, sondern in Zusammenarbeit mit dem Willkommensteam auch die Einrichtung von Sprachkursen, die Vermittlung von kulturellen Werten, das Aufzeigen beruflicher Perspektiven und die Anbindung an die Gesellschaft sein. „40 Leute – das ist eine überschaubare Zahl“, sagt Johanniter-Mitarbeiter Andreas Popp. „Ich habe den Eindruck, dass bei der Planung viel mitgedacht wurde. Die Stadt hat gute Voraussetzungen geschaffen, dass wir den Alltag hier erfolgreich gestalten können.“

Ziel sei es, die Flüchtlinge anders als in anderen Kommunen nicht am Stadtrand zu isolieren, sondern auf das Leben in der Gesellschaft vorzubereiten. Die Innenstadt können die Bewohner mit eigenen Fahrrädern oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.

Die Eröffnung der neuen Unterkunft bietet laut Amtsleiter Behn die Chance, die Situation der Flüchtlinge in Elmshorn erheblich zu verbessern. Denn: Die Prognose der Flüchtlingszahlen ist längst nicht mehr so dramatisch, wie bei Anmietung des Gebäudes im Dezember 2015. Anstatt von 750 Flüchtlingen kamen in diesem Jahr bislang nur 168. „Wir haben in der Not auch Wohnungen angemietet, die keinen befriedigenden Standard bieten“, sagt Behn. Diese sollen jetzt gekündigt werden. Und falls die Zahl der Flüchtlinge doch wieder steigen sollte, ist die Stadt auch gut gerüstet. Denn in der neuen Unterkunft könnten im Bedarfsfall bis zu 80 Personen untergebracht werden.

Gekostet hat der ganze Umbau die Stadt übrigens 360  000 Euro. Die Umbau- und Mietkosten werden aber von Bund und Land refinanziert. Wer will, kann die neue Flüchtlings-Unterkunft auch selbst besichtigen. Von Montag bis Freitag, 15. bis 19. August, ist die Einrichtung von 13 bis 18 Uhr für interessierte Bürger geöffnet. Um eine Anmeldung unter der Nummer (0  41  21) 908  26  40 wird gebeten.

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erstellt am 12.Aug.2016 | 16:16 Uhr

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